Anatomische Kartensammlung

Hanna Westermann, Tobias Barke

Die Anatomische Kartensammlung darf bei der Aufarbeitung der alten medizinischen Sammlungen an der OVGU nicht fehlen. Diese Karten wurden als Anschauungsmaterial in Anatomievorlesungen genutzt und decken alle Themengebiete der Anatomie von der Histologie, Embryologie, Neuroanatomie, über Organe, das Skelett- und Bewegungssystem bis zur Topographischen Anatomie ab. Sie dokumentiert ein wichtiges Element der Lehre, welches seit der Gründung des Instituts für Anatomie im Jahr 1960 bis in das Jahr 2004 eingesetzt wurde. Im Zuge der Digitalisierung wurden die anatomischen Karten nach und nach von Diaprojektoren, Overheadprojektoren und schließlich von digitalen Präsentationen abgelöst. Die Sammlung besteht aus 342 Karten, welche für die Vorlesungen entrollt und an einer speziellen Vorrichtung aufgehängt wurden. Der Großteil der Karten wurde von Grafikern des Institutes im Auftrag der Professoren gezeichnet. Die Zeichnungen basierten auf Skizzen der Professoren, Fotografien oder schon vorhandenen Abbildungen in Lehrbüchern. Die drei Grafiker, welche maßgeblich an der Herstellung der Kartensammlung beteiligt waren, heißen Rosi Luther, Gerd Ohnesorge und Klaus Welt. Die Zeichnungen der Karten wurden vor allem durch das Projizieren einer Darstellung auf die Zeichenfläche und das anschließende Abzeichnen und Adaptieren der Darstellung für ihren Gebrauch geschaffen. Dabei ist der Prozess der Adaption der Zeichnung nicht außer Acht zu lassen, da diese vor allem auf die Entfernung auch in der hintersten Reihe des Hörsaals gut erkennbar sein musste.

Geschichte von Anatomischen Zeichnungen

Die ersten anatomischen Illustrationen entstanden in ägyptischen, babylonischen, chinesischen und indischen Zivilisationen um 1500 v. Chr., noch bevor Papier oder Papyrus existierten. Stattdessen wurden Materialien wie Stein, Metall oder Bambus genutzt, um anatomische Illustrationen festzuhalten1) . In den meisten dieser Kulturen war das Sezieren jedoch verboten, daher ist die Intention der Illustratoren mehr als Kunst zu betrachten, statt als Dokumentation von medizinischem Wissen.

Die ersten Illustrationen, welche auf wissenschaftlich anatomischen Untersuchungen basieren, stammen aus dem antiken Griechenland. Eine der wichtigsten Personen der Wissenschaft aus dem hellenistischen Zeitalter ist Aristoteles (384-322 v. Chr.), welcher auch im Bereich der Anatomie tätig war und basierend auf der Sezierung von Tieren sein Werk Historia Animalis schrieb. Obwohl er keine Sezierung am menschlichen Körper vornahm, ist er die erste bekannte Person, welche die menschliche Anatomie illustrierte. Die Fehlerhaftigkeit seiner Abbildungen und Beschreibungen ist ebenfalls auf das Verbot, beziehungsweise auf die gesellschaftliche Haltung gegenüber dem Sezieren während dieser Zeit, zurückzuführen.

Ein gesellschaftlicher Wandel ließ Alexander den Großen in den griechischen Eroberungsgebieten das Sezieren erlauben. Daher wurden Ägypten und vor allem Alexandria nach dem Tod Aristoteles im Jahr 322 v. Chr. zum Zentrum der anatomischen Wissenschaft und Illustration. Durch Herophilus von Chalcedon (350-280 v. Chr.) entstanden in dieser Zeit die ersten Schriften, welche auf der Sezierung des menschlichen Körpers basiert waren. Der Wandel der Haltung im hellenistischen Alexandria in Bezug auf das Sezieren von menschlichen Körpern war durch den philosophischen Wandel durch Ptolemäus von Makedonien entstanden. So wurde die Sezierung von verurteilten Verbrechern geduldet oder auch erwünscht, da so der zu Tode Verurteilte noch teilweise „gerettet“ werden konnte und durch seine Sezierung zum Allgemeinwohl beitrug. Herophilus' Werke sind nur noch teilweise erhalten, ihm werden zahlreiche anatomische Entdeckungen zugewiesen, unter anderem die erste anatomische Studie des Gehirns und des Rückenmarks. Allerdings hatte Herophilus seine Werke nicht illustriert, vermutlich auch, da Illustrationen zu dieser Zeit nur schwer zu vervielfältigen waren. Ein weiterer Anatom dieser Zeit war Erasistratus von Chios (310-250 v. Chr.), welcher auch als Begründer der Physiologie bezeichnet wird. Konzepte und Beschreibungen von beiden Anatomen, Herophilus und Erasistratus, hatten großen Einfluss auf die Medizin in den folgenden Jahrhunderten. Im Mittelalter wurden darauf basierend Illustrationen angefertigt, welche als die „alexandrinische Reihe“ (org. Englisch „Alexandrian series“) bekannt sind.

Im Römischen Reich war die Sektion von Menschen wieder verboten - die Fortschritte der anatomischen Zeichnungen und Erkenntnisgewinnung kamen zu einem Halt. Nur wenige anatomische Zeichnungen stammen aus dieser Ära, unter ihnen die Gynaeica von 100 n. Chr. von Soranus von Ephesus. Claudius Galen (120-200 n. Chr.) ist eine der bekanntesten medizinischen Figuren aus der Zeit. Er sah die Sektion des Menschen als essentiellen Bestandteil und Grundlage für Medizin, was ihm allerdings durch den gesellschaftlichen Konsens verwehrt blieb. Ihm gelang jedoch durch die Sektion von Tieren under der Verarztung von Gladiatoren einen Einblick in die Anatomie des Menschen.

Das Mittelalter ist insofern für die Geschichte der Anatomischen Zeichnungen relevant, als dass in dieser Zeit Anatomische Zeichnungen mit einem Manuskript verbunden wurde. Galen’s Werke wurden als Grundlage des medizinischen Lehrplans genutzt, denn es gab nicht viele neue anatomische Erkenntnisse aus dieser Zeit, welche zu dem Vorankommen des westlichen Wissens im Bereich der Anatomie beitrugen2)) . Die Renaissance änderte dies jedoch erheblich und anatomische Sektionen am menschlichen Körper wurden wieder populärer. Beginnend mit Donatello (1386-1466), welcher vermutlich der erste Künstler war, welcher eine Leichensektion durchführte und durch seine Arbeit, unter anderem dem Bronzerelief „Der Heilige Antonius vor der Leiche des Geizhalses“ (geschaffen zwischen 1445-1448), festhielt3) . Außerdem schuf Leonardo da Vinci (1452-1519) einen großen Beitrag in der Erforschung der menschlichen Anatomie. Er führte circa 30 Sektionen durch und unterschied sich von anderen Forschern in dem Punkt, dass er nicht nur die Sektionen selberdurchführte, sondern auch die Zeichnungen selber schuf4)) .

Mit der Erfindung des Buchdrucks im 16. Jahrhundert, wurden die ersten anatomischen Fachbücher mit Illustrationen gedruckt. Das erste illustrierte Anatomiebuch war Brengario’s (1460-1530) Carpi Commentaria Super Mundini, welches im Jahre 1521 erschien und mit 19 Holzdrucken von anatomischen Figuren illustriert war5) . Nur wenige Jahre später erschien der bedeutende Anatomieatlas La Fabrica (1543) von Andreas Vesalius, der als Begründer der modernen Anatomie gilt6) . Ihm gelang es durch den Buchdruck und die damit breite Verteilung seines Werkes die Anatomie grundsätzlich zu ändern, da damals noch die Werke und Lehren von Galen gelehrt wurden.

Im 17. Jahrhundert wurden öffentliche Sezierungen immer populärer, gleichzeitig erleichterte der Buchdruck die Publizierung von anatomischen Illustrationen und damit den wissenschaftlichen Austausch. Die Popularität eines Anatoms hing zu dieser Zeit zu einem großen Teil von den beobachterischen Fähigkeiten und dem zeichnerischen Können ab7) .

Anatomische Zeichnungen in der Lehre

Anatomische Karten


Zeichnerische Darstellungen sind in der Anatomie als Lehrmaterial seit jeher unverzichtbar. Schon seit der Antike beschäftigte die Kunst sich intensiv mit der Anatomie des menschlichen Körpers. Neben beschreibenden Texten sind daher Zeichnungen und Plastiken die wichtigesten Medien, welche in der Lehre genutzt wurden.

Da Sektionen menschlicher Leichen bis in das 13. Jahrhundert hinein von gesellschaftlichen Autoritäten abgelehnt wurden, waren anatomische Karten essenziell für das Studium des menschlichen Körpers . Besonders einflussreich waren dabei die Werke des Mediziniers Galenos von Pergamon aus dem 2. Jahrhundert n.Chr. (auch Claudius Galen genannt8) , siehe „Geschichte der Anatomischen Zeichnungen“), dessen Theorien zum Aufbau des menschlichen Körpers Grundlage für die Lehre der folgenden Jahrhunderte wurden. Auf der Basis seiner Studien, welche auf Grundlage von der Verarztung von Gladiatoren 9)) und Tiersektionen gewonnen wurden, entstanden zahlreiche anatomische Karten, welche vorallem auch im Mittelalter für die Lehre verwendet wurden.

Abbildung 1: Darstellung des vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci Abbildung 1: Darstellung des vitruvianischen Menschen von Leonardo da Vinci

So wurde die Anatomie lange Zeit nur mithilfe von Büchern und Zeichnungen gelehrt. Über Jahrhunderte hinweg wurden die Glaubenssätze in der Anatomie kaum hinterfragt. Erst in der Renaissance gewannen der menschliche Körper und damit auch die praktischen Seiten der Anatomie wieder an Relevanz. Künstler wie Leonardo da Vinci und Michelangelo studierten jahrelang den menschlichen Körper und führten sogar selbst Sektionen durch. Anatomen und Künstler arbeiteten dabei eng zusammen, um das Wesen des Menschen zu erschließen. Insbesondere die Zeichnungen da Vincis wiesen eine herausragende Genauigkeit auf und zeugten von seiner überdurchschnittlichen Kenntnis des menschlichen Körpers. Durch seine zeichnerische Begabung sind seine Werke außergewöhnlich anschaulich und zugleich lehrreich. Sein Proportionsschema des vitruvianischen Menschen gehört zu den berühmtesten anatomischen Zeichnungen der Geschichte10) .

Dem Anatom Andreas Vesalius gelang es im 16. Jahrhundert mit seinem Werk „De Humani Corporis Fabrica“ schließlich, die Anatomie und ihr Bild des menschlichen Körpers zu revolutionieren11) . Durch die neuen Möglichkeiten, welche durch die Erfindung des Buchdruckes entstanden waren, konnten anatomisches Lehrmaterial und vor allem auch anatomische Karten besser vervielfältigt werden. Damit wurde das Werk von Vesalius über die Grenzen Europas verteilt und machte den Zugang zum Studium der Anatomie einfacher.

Der menschliche Körper wurde in den folgenden Jahrhunderten genauestens untersucht und studiert. Das Interesse war groß. Es wurden sogar anatomische Theater gebaut, in denen Sektionen vor einem neugierigen Publikum vorgeführt wurden12) . Neben Medizinstudenten und Ärzten wohnten auch viele einfache Schaulustige den Vorstellungen bei.

Die neuen anatomischen Erkenntnisse sorgten ebenfalls für zahlreiche neue anatomische Zeichnungen und neue Lehrmaterialien. Anatomische Atlanten wurden veröffentlicht und vielfach in der Lehre eingesetzt.

Besonders bekannt ist der von Johannes Sobotta erstmals im Jahr 1904 veröffentlichte „Atlas der deskriptiven Anatomie des Menschen“13) . Der Atlas verfügte über äußerst detaillierte, dreidimensionale und farbige Zeichnungen, angefertigt von den Zeichnern Karl Hajek und Erich Lepier14) . Das Werk ist noch heute verfügbar und inzwischen in der 24. Auflage erschienen.

Ein weiterer bekannter anatomischer Zeichner ist der US-amerikanische Arzt Frank Netter. Aufgrund der hohen Genauigkeit seiner Zeichnungen wird er auch als „Michelangelo der Medizin“ bezeichnet15) . Sein erster anatomischer Atlas erschien 1948. Erst im Jahr 1989 erschien sein umfangreicher und mehrfach ausgezeichneter „Atlas of Human Anatomy“.

Weitere Präsentationstechniken

Diaprojektor


Ein Diaprojektor ist ein optisch-mechanisches Gerät, mit dem gerahmte Dias mit Licht auf eine Bildwand projiziert werden . Das projizierte Bild ist dabei wesentlich größer als das Dia selbst. Es handelt sich bei dem Diaprojektor um einen speziellen Projektor.

Die Geschichte der Diaprojektion lässt sich bis auf das Ende des 16. Jahrhunderts zurückführen. In dieser Zeit wurde die Laterna magica, ein Vorläufer der modernen Diaprojektion, erstmals für Projektionen genutzt. Mit zunehmenden Errungenschaften in der Fotografie im 20. Jahrhundert bahnten sich auch Fortschritte in der Projektionstechnik an. Im Jahr 1926 erschien der erste Kleinbild-Diaprojektor auf dem Markt16) .

Funktionsweise eines Diaprojektors Abbildung 2: Funktionsweise eines Diaprojektors

Ein Diaprojektor besteht aus einer Lichtquelle (zumeist eine Halogenlampe), einem Hohlspiegel, einem Kondensor, einem Objektiv und einer Halterung für die Dias17) . Ältere Projektoren verfügen lediglich über eine manuelle Diazuführung. Neuere Modelle sind dagegen mit einem Diamagazin ausgestattet, welches das Wechseln der Dias per Fernbedienung ermöglicht.

Die Anordnung des Hohlspiegels, der Lichtquelle und des Kondensors dienen der optimalen Ausleuchtung des Dias. Der Hohlspiegel sorgt dafür, dass auch das von der Lichtquelle nach hinten abgestrahlte Licht für die Projektion genutzt wird. Der Kondensor ist eine Linsenkombination, die wie eine Sammellinse wirkt18) . Seine Anordnung sorgt dafür, dass das Dia von näherungsweise parallelem Licht durchstrahlt wird.

Zwischen Lampe und Dia ist meist noch ein Wärmeschutzfilter angebracht. Dieser soll verhindern, dass das Dia zu stark erwärmt wird und sich infolgedessen wölbt19) .

Durch das Objektiv wird das Dia auf einem Projektionsschirm scharf abgebildet20) . Um die erwünschte Vergrößerung zu erreichen, befindet sich das Dia zwischen der einfachen und doppelten Brennweite des Objektivs. Dadurch entsteht ein vergrößertes, umgekehrtes, seitenvertauschtes und reelles (wirkliches) Bild des Dias21) . Das Dia muss also seitenvertauscht und umgekehrt in den Projektor geschoben werden, um das projizierte Bild aufrecht und seitenrichtig sehen zu können.

Um das Bild scharf einzustellen, muss die Entfernung zwischen Dia und Objektiv verändert werden. Bei moderneren Geräten geschieht diese Scharfstellung bereits automatisch.

Overheadprojektor


Bei einem Overheadprojektor handelt es sich um einen optischen Bildwerfer, der auf transparenten Folien festgehaltene Inhalte wie Schrift, Bilder und Grafiken vergrößert und auf eine Bildwand projiziert . Eingesetzt wird er vorrangig zum anschaulichen Vermitteln von Wissen, Schulen sind ein typischer Einsatzort. Seit 1960 sind Overheadprojektoren auf dem Markt.

Die Funktionsweise ist der eines Diaprojektors ähnlich, doch statt eines vertikalen Dias besitzt der Overheadprojektor eine horizontale und beleuchtete Arbeitsfläche. DIe Lichtführung ist durch einen Umlenkspiegel am oberen Ende des Geräts so gestaltet, dass die vortragende Person die Bildwand hinter sich hat und das Publikum direkt anschauen kann. Die projizierte Folie liegt seitenrichtig vor der vortragenden Person, sodass sie jederzeit die darauf befindlichen Inhalte ansehen und auch Ergänzungen vornehmen kann.

Bei einer Projektion auf eine senkrechte Wand wird das Bild verzerrt, wodurch aus einem Quadrat ein Trapez wird22) . Um dies zu umgehen, kann das Objektiv verschoben oder die Bildwand nach vorne gekippt werden. Wird der Umlenkspiegel des Overheadprojektors geneigt, kann das projizierte Bild zudem unscharf werden. Durch Kippen des Objektivs kann das Bild wieder scharf eingestellt werden.

DIe Projektion des Geräts ist so hell, dass es bei normalem Tageslicht in der Regel keiner Verdunkelung bedarf, um das projizierte Bild gut erkennen zu können. Deshalb wird das Gerät auch als „Tageslichtprojektor“ bezeichnet.

Am bekanntesten sind Overheadprojektoren als Standgeräte, die in Tischen oder einem Projektionswagen eingelassen sind. Es existieren jedoch auch zusammenklappbare Reisegeräte. Beim Projizieren bestimmt der Projektionsabstand maßgeblich die Bildgröße. Je größer der Abstand, desto größer auch das projizierte Bild. Weiterhin nimmt auch die Brennweite des Objektivs einen großen Einfluss auf die Bildgröße. Bei gleichbleibendem Abstand wird das Bild größer, je kürzer die Brennweite ist und kleiner, je länger die Brennweite ist23) . Standgeräte besitzen meist Objektive mit einer Brennweite von 315mm, während bei Reisegeräten ein Varioobjektiv mit einer Brennweite von 280-320mm verwendet wird.

Polylux


Der Begriff Polylux bezeichnet einen ursprünglich in der DDR produzierten Tageslichtprojektor. Polylux galt in der DDR als Gattungsbegriff für Tageslichtprojektoren .

Seit 1969 wurde der Polylux in Frankenberg bei Chemnitz vom Volkseigenen Betrieb VEB Phylatex-Physikgerätewerk hergestellt. Pro Jahr wurden bis 1989 durchschnittlich 27.000 Geräte gebaut, auch in die damalige Sowjetunion wurde exportiert. 2004 wurden nur noch 6.000 Geräte pro Jahr gebaut. 2006 wurde das Unternehmen letztendlich geschlossen24) .

Das Wort selbst (Polylux heißt im Griechischen und Lateinischen so viel wie „viel Licht“) wurde von Erich Schöpe, Diplom-Physiker und ehemaliger Entwicklungsleiter des Polylux-Herstellers, erfunden25) . Es ist zu einem typischen DDR-Wort avanciert und wird bis heute in den neuen Bundesländern verwendet.

Das Gehäuse des Polylux bestand aus Kunststoff und verfügte über einen Lüfter mit zeitverzögerter Abschaltung (Bimetallschalter), um Wärmestaus zu vermeiden. An dem Gerät ließen sich zwei verschiedene Helligkeitsstufen einstellen. Die Linsen des Polylux bestanden ursprünglich aus Glas, wurden aber später aus Kunststoff gefertigt, um das Gewicht des Apparats zu reduzieren.

polylux_1.jpg Abbildung 3: Modell Polylux 1

Es erschienen zwei verschiedene Typen des Polylux. Unterschieden wird zwischen dem Modell Polylux 1 und dem Modell Polylux 226) .

Anatomische Kartensammlung der OvGU

Die Karten und ihre Geschichte


Insgesamt 342 anatomische Karten27) befinden sich in der Sammlung der Otto von Guericke Universität, die alle relevanten Themenbereiche der Anatomie abdecken. Organe, Muskeln, das Skelett- und Bewegungssystem, sogar Karte zur Embryologie sind vetreten. Seit der Entstehung des Instituts für Anatomie im Jahr 1960 wurden sie sukzessive von Dozenten als Lehrmaterial in Auftrag gegeben und von den Grafikern der Medizinischen Akademie Magdeburg realisiert. Sie wurden teilweise industriell gefertigt, aber größtenteils von Hand gezeichnet. Die zeichnerischen Elemente treten auf den Karten deutlich hervor, stellenweise sind sogar noch die Bleistiftvorzeichnungen erkennbar. Da sie als Lehrmaterial im Hörsaal eingesetzt wurden, wirken die anatomischen Zeichnungen aus der Nähe gewaltig. Die Bilder für die Karten wurden oft in einem aufwändigen Prozess aus Lehrbüchern kopiert oder anhand von SKizzen der Dozenten umgesetzt.

ASCIIAbbildung 4:Herzmuskulatur unter dem Elektronenmikroskop ASCIIAbbildung 5: Ausschnitt der Blutzirkulation im Kopf

Durch den technologischen Fortschritt in Form von Diaprojektoren und später PowerPoint wurden die Karten immer seltener im Unterricht eingesetzt, ab 2004 wurde ganz auf sie verzichtet. Seitdem lagern sie auf dem Campus der Medizinischen Fakultät in zwei kleinen Abstellräumen im Gebäude 28.

Auf der Rückseite jeder Karte prangt eine Nummer zur leichteren Identifizierung. Daneben befinden sich oftmals weitere Beschreibungen des Objekts, zum Beispiel welcher Dozent es in Auftrag gegeben hat, sein Entstehungsjahr oder der Aufkleber eines Instituts, in dem die jeweilige Karte hergestellt wurde. Gelegentlich enthält die Rückseite ebenfalls eine Beschreibung davon, was auf der Karte dargestellt wird.

ASCIIAbbildung 6: Halsmuskulatur ASCIIAbbildung 7: Querschnitt des Oberkörpers

Die jahrelange Nutzung hat Spuren an den Karten hinterlassen. Die Ränder sind von Fransen gezeichnet, ältere Karten sind bereits knittrig und vergilbt, manche Karten weisen sogar kleine Wasserschäden auf. Besonders häufig genutzte Karten mussten aufgrund starker Abnutzung mehrfach in Auftrag gegeben werden, sind also nicht mehr in erster Generation vertreten.

Die Abbildungen 4 bis 9 zeigen Karten aus der Sammlung. Allen gemeinsam sind die Abnutzungserscheinungen, geknitterte und vergilbte Stellen zeichnen sich bei allen Karten in unterschiedlich starker Ausprägung ab. Glücklicherweise ist die Kunst der Werke dennoch erhalten geblieben. Bereits die Abbildung 4 zeigt die Kreativität bei den Darstellungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers auf den Karten. Der dargestellte Abschnitt der Herzmuskulatur scheint regelrecht herausgeschnitten worden zu sein, nur um anschließend dreidimensional präsentiert werden zu können. Durch diese Perspektive können die einzelnen Partien der Muskulatur ansprechend dargestellt werden. Die Abbildung 5 demonstriert, wie der Einsatz von Farben die Übersichtlichkeit auf der Karte erhöhen kann. Durch die bewusste Verwendung von roten, blauen und gelben Elementen bleibt jedes dargestellte Element klar erkennbar. Auch das gezeichnete Gesicht wirkt realistisch, beinahe lebendig. In der Abbildung 6 wird eine Ansammlung von Muskeln dargestellt. Gekonnt wird jeder einzelne Muskel hervorgehoben, sodass Betrachtende nicht den Überblick verlieren.

Auf der nächsten Karte wurden gezielt Organe weggelassen, um die Aufmerksamkeit auf den gewünschten Körperabschnitt zu lenken. So gelingt es der anatomischen Karte eine Perspektive zu bieten, die man so im menschlichen Körper nicht vorfinden würde. Dadurch kann der betreffende Körperabschnitt von Studierenden viel leichter visualisiert und verstanden werden. Auch in Abbildung 8 werden bewusst Teile des menschlichen Kopfes weggelassen, um einen anderen Teil besser präsentieren zu können. Zusätzlich werden die betroffenen Partien noch farblich in leuchtendem rot und gelb hervorgehoben, wodurch die Präsentation so einfach wie möglich gemacht wird. Die vielen Details machen das Betrachten der Karte attraktiv. Die letzte Abbildung mag auf den ersten Blick wenig menschliches an sich haben, zeigt aber dennoch die Verbindung zwischen mütterlichem und fetalem Kreislauf. Da hier das Augenmerk lediglich auf dem Blutkreislauf liegt, wurde auf die ihn umgebende körperliche Hülle verzichtet, um keine unnötig ablenkenden Faktoren auf der Karte abzubilden. So wirkt die Abbildung zwar eher nüchtern, hat aber einen hohen Lehrwert.

ASCIIAbbildung 8: Ganglion pterygopalatinum mit Versorgungsgebieten ASCIIAbbildung 9: Mütterlicher und fetaler Kreislauf

Einsatzort der Karten


Nur wenige Meter von ihrem jetzigen Lagerort entfernt befindet sich der Hörsaal, in dem die anatomischen Karten aufgehängt wurden. Vor einer Vorlesung konnte der Dozent die passende Karte heraussuchen und direkt mit in den Hörsaal tragen. Dort wurde sie an einer entsprechenden Vorrichtung aufgehängt, die sich noch heute in diesem Hörsaal befindet. Somit könnten die Karten auch heute noch in dem Hörsaal aufgehangen werden.

Der Saal selbst wurde in den 1950er Jahren erbaut, er bietet Platz für mehr als 200 Studierende. Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurde er saniert. Dabei wurde Wert darauf gelegt, die originalen SItzbänke des Hörsaals zu erhalten, in denen sich die jahrzehntelange Nutzung sichtbar abzeichnet.

In der Mitte des Hörsaals klafft ein Schacht, in dem früher Diaprojektoren Platz fanden, um die Vorlesungen mit lehrreichen Bildern zu ergänzen. Doch wie die Karten werden Diaprojektoren hier nicht mehr eingesetzt, stattdessen begleiten nun Computer die Lehrveranstaltungen.

Der Beruf des Anatomischen Zeichners

Geschichtliche Entwicklung


Das Berufsfeld des Grafikers entwickelte sich erstmals am Ende der Renaissance. Durch die Erfindung des Buchdrucks waren etablierte Berufsfelder wie die Kalligrafie und die Buchmalerei weniger gefragt. Stattdessen kam es nun auf eine ansprechende Gestaltung des gedruckten Schriftbildes sowie eine der Drucktechnik angepassten Zusammenstellung von Schrift und Bild an . Deshalb waren die Schriftsetzer auch die direkten Vorläufer der Grafiker.

Durch die Entwicklung neuer Drucktechniken und eine zunehmend konsumorientierte Gesellschaft entstand am Ende des 19. Jahrhunderts der Beruf des Werbegrafikers, auch Plakatmaler genannt, eine spezielle Form des Grafikers . Später etablierte sich ebenfalls der Gebrauchsgrafiker, der vornehmlich für Druckereien arbeitete.

Später wurden die Druckereien zu Buchverlagen und Werbeagenturen, wodurch die dort tätigen Grafiker zunehmend Gebrauchsgrafiken erstellten, um Bücher und Werbungen ästhetisch ansprechend zu gestalten. Bis in die 1950er Jahre waren viele Grafiker zudem auch freie Künstler, also Maler oder Illustratoren28) . Auch eine zuvor absolvierte Ausbildung zum Schriftsetzer oder Buckdrucker war in dem Berufszweig keine Seltenheit.

Heutiges Berufsbild


Heutzutage wird das entsprechende Fach Grafikdesign genannt. Es wird unterschieden zwischen Grafikern, die in aufwändiger Handarbeit Werke in kleiner Auflage oder Unikate erstellen, und Grafikern, die vorwiegend am Computer arbeiten und Werke für einen meist kommerziellen Zweck in relativ hoher Auflage veröffentlichen29) .

In der heutigen Zeit werden Grafiker vorrangig für die Gestaltung von Druckwerken und bildschirmbasierten Benutzeroberflächen eingestellt. Druckwerke können dabei Plakate, Zeitschriften, Bücher oder Prospekte sein30) . Erlernt werden kann der Beruf in einer drei- bis vierjährigen Ausbildung zum staatlich geprüften Grafik-Designer. Außerdem wird Grafik-Design als Studiengang an diversen Universitäten, Kunstfachhochschulen und Fachhochschulen angeboten31) .

Auch anatomische Zeichnungen werden von Grafikern hergestellt. Früher begaben sich die Grafiker dafür noch persönlich in Anatomieanstalten, zeichneten dort wiederholt Skizzen eines Präparats und fertigten im Anchluss, basierend auf den Skizzen, detailgetreue Aquarelle an32) . Inzwischen wird die Zeichenarbeit am Computer durchgeführt, die Kommunikation mit Autoren erfolgt per E-Mail und Telefon. Dies ermöglicht eine etappenweise Erstellung der anatomischen Zeichnung und eine enge Zusammenarbeit mit dem Autor, um eine möglichst hohe Detailgenauigkeit zu gewährleisten.

Wichtig dabei ist, dass das zu Zeichnende vom Zeichnenden auch verstanden wird. Ohne ein grundlegendes Verständnis für das Präparat und den darzustellenden Körperabschnitt treten Ungenauigkeiten auf, die die Qualität der anatomischen Zeichnung vermindern.

Gelungene anatomische Zeichnungen zeichnen sich vor allem durch hohe Detailgenauigkeit und eine ansprechende Ästhetik aus33) . Eine gut aussehende Zeichnung lädt regelrecht zum Lernen ein.

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anatomische_kartensammlung.txt · Zuletzt geändert: 2022/07/08 09:54 von Dennis Sitter
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