Objektgruppe Beatmungsgeräte

Unter einem Beatmungsgerät, auch Respirator genannt, versteht man ein medizinisches Instrument, das zur künstlichen Beatmung von Personen mit unzureichender oder gar ausgesetzter Eigenatmung verwendet wird. Es dient dabei sowohl zur Inspiration (Einatmung) und Expiration (Ausatmung), als auch zum Wechsel zwischen den beiden Vorgängen. 1) 2)

Geschichte

Im Jahr 1907 wurde Heinrich Dräger für die Entwicklung des „Ur-Pulmotors“ das Patent erteilt. Das Versuchsmodell war jedoch nicht für die Praxis geeignet, weil es zu einem erheblichen Rückstrom des ausgeatmeten Gases kam und die Uhrwerk-Steuerung nicht an den Patienten angepasst werden konnte. Sein Sohn Bernhard Dräger entwickelte das Gerät weiter. 3)

Die „Eiserne Lunge“ wurde 1928 in Folge einer Polio-Epidemie von Philip Drinker entwickelt. In dieser Beatmungsmaschine wird ein Unterdruck aufgebaut, womit die Funktion des Zwerchfells ersetzt und der Brustkorb angehoben wird, damit Luft einströmen kann.4)

Überwachungsgrößen

Für den Arzt sind gewisse Größen von Interesse, um Informationen über eine Erkrankung oder einen verhärteten oder verengten Lungenabschnitt zu bekommen.

Folgende durch ein Beatmungsgerät überwachte Größen können auf dem Monitor abgelesen werden.

  • Beatmung
  • Atemfrequenz
  • Unruhe des Patienten
  • Volumenkontrontrollierte Beatmung

Fortgeschrittene Geräte können die Atemwegsdruck-Kurve zusätzlich auch grafisch darstellen. 5)

Arten und deren Anwendungen

Beatmungsgeräte lassen sich prinzipiell je nach Einsatzgebiet in vier verschiedene Arten einteilen. Gemeinsam haben fast alle die allgemeinen Bestandteile wie Patientensystem, Atemschläuche mit Ventilen und Anfeuchter, einem Antriebs- und Steuerungssystem, einer Gasmischvorrichtung zum Zusetzen von Sauerstoff zur Atemluft und einer Bedien- und Monitoringeinheit. Im Folgenden werden die vier Arten jeweils erläutert.

Notfallrespiratoren (auch Transportrespiratoren) werden vor allem im Rettungsdienst, aber auch in der Intensivmedizin zum Patiententransport verwendet. Die wichtigste Eigenschaft ist hierbei die robuste Bauweise, wobei nur die wichtigsten Parameter verstellbar sind. Das hat jedoch zur Folge, dass das Gerät kaum an den Patienten angepasst werden kann und damit nur für eine kurzfristige Beatmung geeignet ist.

Intensivrespiratoren sind für eine längere Behandlung geeignet und werden hauptsächlich in der Intensivmedizin eingesetzt. Durch die verschiedenen Alarm-, Mess- und Dokumentations-, aber auch Einstellungsoptionen ist eine differenzierte Therapie möglich. Das System ist gut an den Patienten und sein Krankheitsbild anpassbar und fast alle Beatmungsformen können realisiert werden.

Heimrespiratoren sind für den Gebrauch beim Patienten zu Hause gedacht. So werden sie zur Behandlung von zeitweisen oder auch bleibenden Defekten der Atemmuskulatur oder des Nervensystems verwendet. Der Patient hat damit die Möglichkeit, das Krankenhaus zu verlassen und die nötige Beatmung in der eigenen Wohnung zu realisieren. Diese Geräte sind kleiner als die anderen Arten und laufen oft auf Batteriebetrieb, um eine einfache Installation zu ermöglichen und die Mobilität des Patienten zu gewährleisten. Außerdem wird die Bedienung vereinfacht, damit der Patient diese alleine vornehmen kann.

Tankrespiratoren werden heute nur noch selten, vor allem als Heimrespiratoren benutzt. Das erste Beatmungsgerät, die „Eiserne Lunge“, ist ein Tankrespirator. Der Patient befindet sich bis zum Hals in der Apparatur, welche luftdicht umhüllt ist. Die Beatmung geschieht durch einen Unterdruck in der Kammer, wodurch die Umgebungsluft durch die Atemwege in die Lunge strömt. In der modernen Intensivmedizin gibt es mittlerweile allerdings für den Patienten schonendere Methoden.

Festlegungen zur sicheren Anwendung

Zur Sicherstellung der Funktion des Beatmungsgeräts für die Patient*innen gibt es bestimmte gesetzliche Regulationen. Für den Fall des technischen Versagens müssen Beatmungsbeutel bereitgestellt werden. 6) Diese ermöglichen den manuellen Transport von Umgebungsluft durch ein Ventil in den Beutel und dann in die Lunge. Die verbrauchte Atemluft wird durch ein weiteres Ventil ausgelassen.

Für den Gebrauch während des Patient*innentransports oder allgemeiner Bewegung der Patient*innen muss die Stromversorgung mit einem eingebauten Akku sichergestellt sein. Dies gilt auch für den Betrieb während eines Stromausfalls. Weiterhin muss berücksichtigt werden, stets ausreichende Sauerstoffvorräte bereitzustellen.

Rechtlich sind die Ansprüche an die Funktion und Sicherheit von Beatmungsgeräten entsprechend des Deutschen Medizinproduktegesetzes festgelegt. Dafür gelten insbesondere die europäischen Normen EN60601-2-12 für elektrische medizinische Geräte in der Intensivmedizin sowie die Norm EN60601-1-8 für Alarmsysteme, die beispielsweise eine Fehlfunktion melden. 7)

Literatur

1)
https://medlexi.de/Beatmungsgerät, abgerufen 1.06., 18.45
5)
Leonhardt, Walter: Medizintechnische Systeme Physiologische Grundlagen, Gerätetechnik und automatisierte Therapieführung. Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2016, S. 183f
6)
„Patient stirbt nach Stromausfall in Schweriner Krankenhaus“ https://www.focus.de/panorama/welt/drama-auf-intensivstation-patient-stirbt-in-schweriner-klinik-bei-stromausfall_aid_1144046.html vom 30.10.2013, abgerufen 31.05.2020, 14.00
7)
„IEC 60601-1-12:2015“, https://www.iso.org/standard/59536.html, abgerufen 31.05.2020, 14.15
beatmunsgeraete.txt · Zuletzt geändert: 2020/06/03 14:32 von lstallma
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