Elektroenzephalographen der medizintechnischen Sammlung

Rebecca Höpfer, Annika Edelmann-Nusser, Ahmad Al-Hamad

In einem menschlichen Gehirn befinden sich etwa 20×109 Nervenzellen, welche durch etwa 1014 Synapsen verbunden sind. Die größte Verbindung zwischen den Großhirnhälften bildet der Balken (lat. Corpus callosum). Er hat eine Übertragungsrate von ca. 4×109 AP/s. Somit ergibt sich eine Informationsübertragung von 3,7 Gbit/sec. Doch wie kann man diese Aktivität eines so komplexen Gefüges messen und anschließend darstellen?

Die älteste Modalität ist die Elektroenzephalographie oder auch Elektroenzephalogramm (EEG) genannt. Heutzutage geht dies auch mit Hilfe von einer funktionellen Magnetresonanztomographie (fMRT) oder einer Magnetenzephalographie (MEG). Diese benötigen jedoch einen erheblichen apparativen Aufwand. 1)

Die Elektroenzephalographie findet ihre Anwendung in der medizinischen Diagnostik, der neurologischen Forschung und zunehmend auch in der Bewegungswissenschaft. 2) Eine Elektroenzephalogramm misst die elektrische Aktivität der Hirnrinde und einzelner Hirnareale. Dies wird zum Beispiel benötigt, um verschiedene Erkrankungen oder Schädigungen am Hirn zu diagnostizieren. Dafür werden Elektroden auf die Kopfhaut geklebt, welche mit einem Monitor verbunden werden, um die Aktivität darzustellen. Ein Arzt begutachtet die Häufigkeit oder Frequenz der Wellen und Amplituden. Wenn diese nicht im Normbereich liegen, kann das ein Hinweis auf eine Erkrankung des Patienten sein. 3)

Anatomische und Physiologische Grundlagen

Um die Funktionsweise eines EEG-Geräts zu verstehen, gilt es zunächst, die anatomischen und physiologischen Grundlagen, die den Entstehungsprozess der EEG-Signale erklären, zu verstehen.

Das zentrale Nervensystem

Zum zentralen Nervensystem (ZNS) gehören grundsätzlich Gehirn und Rückenmark. Alle Nervenfasern, die nicht Teil des ZNS sind, bilden das periphere Nervensystem. Das ZNS dient allgemein zur Integration aller von innen oder von außen einwirkenden Reizen. Es koordiniert und reguliert sowohl die Motorik als auch alle innerorganischen Aktivitäten, wie Körperhaltung, kognitive Funktionen und Emotionen und alle lebensnotwendigen Prozesse. Der Begriff ZNS lässt sich auch so zusammenfassen, als dass es alle Strukturen umfasst, die vom Nervenwasser um- und durchflossen werden. 1)

Makroskopische Anatomie des Gehirns

Abbildung 1: Grundsätzlicher Aufbau des Gehirns 1)

In Abbildung 1 ist der grundlegende Aufbau des Gehirns dargestellt. Es besteht aus einer linken und einer rechten Hemisphäre, wobei diese spiegelbildlich aufgebaut sind und über den sogenannten Balken im Austausch stehen. Geschützt durch Schädelhöhle und umhüllt von Hirnhäuten besteht es hauptsächlich aus Nervengewebe. Rein formal endet das ZNS mit dem Austritt der Spinalnerven aus der Wirbelsäule, beziehungsweise mit dem Durchtritt der Hirnnerven durch die harte Hirnhaut. Die vier Hauptstrukturen sind Großhirn, Kleinhirn, Zwischenhirn und Hirnstamm. 1)

Großhirn

Die vorherrschende und komplexeste Struktur des Gehirns ist das Großhirn. Seine zahlreichen Furchen und Windungen sind sehr markant und führen dazu, dass seine Oberfläche im Vergleich zum Volumen sehr groß ist. Die beiden Hirnhälften werden durch einen Spalt getrennt. Durch die Zentralfurche und die seitliche Furche werden die vier Hirnlappen segmentiert. Dabei werden den einzelnen Lappen gewisse sensorische und motorische Zentren zugewiesen: der Stirnlappen beinhaltet das Assoziationsfeld und den motorischen Kortex. Darüber hinaus wird ihm das Sprachzentrum zugeordnet. Der Schläfenlappen übernimmt Hören und Sehen. Der Scheitellappen ist durch den sensorischen Kortex für das Empfangen und Weiterverarbeiten sensorischer Informationen verantwortlich und für das Schmecken. Zuletzt liegt das Sehzentrum im Hinterhauptlappen. 2)

Hirnstamm

Auch wenn der Hirnstamm im Vergleich zum Großhirn nur sehr klein ist, so ist er dennoch überlebenswichtig, weil er Prozesse wie Atmung, Kreislauf und Schlaf reguliert. Außerdem bildet er die Verbindung der Bestandteile des ZNS, da er unterhalb von Großhirn und Zwischenhirn liegt und oberhalb vom Kleinhirn. Teile des Großhirns sind das Mittelhirn, die Brücke und das verlängerte Rückenmark, welches dann nicht klar abgegrenzt in das Rückenmark über geht. Das Mittelhirn ist ein wichtiger Bestandteil des extrapyramidalen Systems, da hier Nervensignale über das Zwischenhirn an das Großhirn bzw. den motorischen Kortex übertragen werden. Das verlängerte Rückenmark steuert einige lebensnotwendige Prozesse.2)

Zwischenhirn

Das Zwischenhirn ist verantwortlich dafür, Sympathikus und Parasympathikus, also die beiden Teile des vegetativen Nervensystems, in Balance zu halten. Das bedeutet, dass es in enger Zusammenarbeit mit dem Großhirn vor allem den Biorhythmus steuert. Aufgebaut ist das Zwischenhirn wiederum aus Thalamus, wo die Trennung wichtiger und unwichtiger Informationen stattfindet, dem Hypothalamus, also dem Steuerzentrum des vegetativen Nervensystems, dem Epithalamus, wo das Hormon Melatonin gebildet wird und Sub- und Methatalamus.2)

Kleinhirn

Lokalisiert ist das Kleinhirn in der hinteren Schädelgrube. In ihm befindet sich etwa die Hälfte der zentralnervösen Neurone und besitzt eine noch stärkere Faltung als das Großhirn. Die Hauptaufgaben des Kleinhirns sind die Koordination und Feinabstimmung von Bewegungen und das unbewusste Planen einer Bewegung. Es hat also im Bereich der Motorik eine besondere Rolle inne. Für die Bewegungskoordination bekommt es Informationen über die afferenten Nervenbahnen vom Rückenmark und dem Hirnstamm, welche dann in den unterschiedlichen Arealen des Großhirns weiterverarbeitet werden.2)

Hirnhäute

Die harte Hirnhaut (Dura mater) besteht aus straffem kollagenem Bindegewebe, in das elastische Fasern eingewebt sind. Ihre äußere Fläche ist an der Innenseite des Schädelknochens angelagert und stellt damit das innere Periost dar. An der inneren Fläche der Dura mater liegt die Spinngewebshaut (Arachnoidea) an. Ihr Name kommt daher, dass sie den mit Gehirnwasser gefüllten Spaltraum mit dünnen bindegewebigen Fäden durchspannt. Die andere Begrenzung des Subarachnoidalraums stellt die weiche Hirnhaut (Pia mater) dar. Diese liegt der Hirnrinde unmittelbar auf, besteht aus lockerem Bindegewebe und enthält die Blutgefäße des Gehirns. Sie macht alle Unebenheiten mit und zieht sich bis in die Hirnfurchen. 1)

Mikroskopische Anatomie des Gehirns

Abbildung 2: Mikroskopischer Aufbau 1)

Grundsätzlich werden die Gewebearten des ZNS in graue und weiße Substanz unterteilt. Die graue Substanz besteht hauptsächlich aus des Zellkörpern der Nervenzelle und liegt beim Rückenmark innen und im Gehirn außen. Im Gegensatz dazu besteht die weiße Substanz aus den Nervenzellfasern, also den Dendriten und Axonen, und liegt in der äußeren Region des Rückenmarks, während sie im Gehirn innen liegt. 2)

Das Hirngewebe kann allgemein in zwei Zellarten unterteilt werden: es gibt zum einen die Neurone, also die eigentlichen Nervenzellen, und verschiedene Arten von Unterstützungszellen (Gliazellen), welche erneut in Astroglia, Oligodendroglia und Mikroglia unterteilt werden können. Die Astrozyten bilden den Aufbau der Bluthirnschranke, also der fein kontrollierten und regulierten Verbindung zwischen Gehirn und Blutgefäßen und Nervenzellen. Außerdem versorgen sie darüber die Nervenzellen, indem sie Nährstoffe zu- und Stoffwechselprodukte abführen. Wegen der Bluthirnschranke wird auch das Immunsystem im Vergleich zum Rest des Körpers, besonders behandelt. Im physiologischen Normalfall finden sich im Hirngewebe nur eingewanderte Makrophagen, also Fresszellen, die zu den weißen Blutkörperchen gehören. Im ZNS werden diese Zellen Mikroglia genannt. Die Oligodendrozyten übernehmen im ZNS die Aufgabe der Schwannzellen im PNS. Das heißt sie umhüllen die Nervenzellen mit Myelinscheiden, die der Isolierung dienen und damit die Reizweiterleitung beschleunigen.

Nervenzelle

Abbildung 3: Aufbau einer Nervenzelle 1)

Grundsätzlich ist eine Nervenzelle, oder auch Neuron, aus einem Zellkörper (Soma), den Dendriten, die Signale zum Zellkörper hinleiten und dem Axon, welches vom Axonhügel ausgehend Signale von der Zelle wegleitet, aufgebaut. Dabei sind die Axone von einer Myelinscheide umhüllt, wodurch die Leitungsfähigkeit verbessert und beschleunigt wird. Allerdings ist das Axon nicht durchgehend von Myelin bedeckt, sondern es werden zwischen den Schwannschen Zellen bzw. den Oligodendrozyten sogenannte Ranviersche Schnürringe gebildet, an denen das Axon freiliegt. An diesen Stellen und am Axonhügel liegen an der Zellmembran des Neurons besonders viele spannungsgesteuerte Na -Kanäle vor, welche für die Erzeugung eines Aktionspotentials verantwortlich sind. 1)

Aktionspotential

Abbildung 4: Aktionspotential 1)

Das Aktionspotential kann auch als Sprache des Nervensystems verstanden werden, da mit ihm alle inneren und äußeren Reize codiert und weitergeleitet werden. Vor Beginn der eigentlichen Reizweiterleitung liegt das Potential einer Zelle bei etwa -70mV, da alle spannungsgesteuerten Kanäle geschlossen sind, das innere der Zelle aber überwiegend negativ geladen ist. Dieses Potential nennt man auch Ruhemembranpotential. Ein am Axonhügel eintreffender Reiz muss dann stark genug sein, um die Schwellenspannung zu überschreiten. Das bedeutet, dass der Reiz die Spannung über einen Schwellenwert von etwa -50mV erhöhen muss. Ist dies der Fall, so öffnen sich die Natriumkanäle. Aufgrund der Ladungsunterschiede kommt es schlagartig zu einem Einstrom von positiv geladenen Kaliumionen in das Zellinnere des Axons und das Potential steigt gegen null an. Dieser Vorgang wird als Depolarisation bezeichnet. Dadurch werden noch mehr Kanäle geöffnet und es kommt zur Ladungsumkehr, das heißt dass die Zelle in ihrem Inneren nun positiv und nicht mehr negativ geladen ist. Dies wird als Overshoot bezeichnet. Noch bevor das Maximum des Membranpotentials erreicht wird, schließen sich die Natriumkanäle wieder und zeitversetzt dazu öffnen sich die ebenfalls spannungsgesteuerten Kaliumkanäle. Positiv geladenen Kaliumionen strömen aus der Zelle heraus, da die Kaliumkonzentration außerhalb der Zelle geringer und das Zelläußere positiv geladen ist. Das Membranpotential nähert sich wieder dem Ruhepotential an. Da das Schließen der Kaliumkanäle tendenziell länger dauert als das der Natriumkanäle kommt es sogar zu Unterschreitung des Ruhepotentials, da weiterhin Kaliumionen aus der Zelle strömen.

Ein wichtiger Begriff bei der Erregungsweiterleitung ist die Refraktärzeit. Da die Natriumkanäle nach dem Ablauf eines Aktionspotentiales erst wieder aktiviert werden müssen, können nicht zwei Aktionspotentiale unmittelbar hintereinander weitergeleitet werden. Die Zeit, in der die Kanäle inaktiv sind, ist die Refraktärzeit. Dabei beschreibt die absolute Refraktärphase die Zeit nach der Umpolarisierung. Hier können sich die Natriumkanäle zunächst gar nicht öffnen. In der Phase, in der zur Auslösung eines Aktionspotentials stärkere Reize benötigt werden, also das Potential unter dem Ruhepotential liegt, wird als relative Refraktärzeit bezeichnet. 1)

Synapsen

Abbildung 5: Synaptische Aktivitäten 1)

Synapsen befinden sich am Ende eines Axons und bilden die Schnittstelle zwischen zwei Zellen. Dabei werden elektrische und chemische Synapsen unterschieden. Elektrische Synapsen spielen beispielsweise bei den speziellen Herzmuskelzellen eine entscheidende Rolle. In den Nervenzellen Dagegen dienen die chemischen Synapsen der Zell-Zell-Kommunikation. Der grundsätzliche Aufbau einer Synapse besteht aus dem Endabschnitt der aussendenden Zelle (Präsynapse), dem Abschnitt der empfangenden Zelle (Postsynapse) und dem dazwischenliegenden synaptischen Spalt.

Die in der Synapse ablaufenden chemischen Vorgänge beginnen mit einer Erhöhung der Calciumkonzentration in der Zelle. Diese Erhöhung kann beispielsweise durch einen eintreffenden elektrischen Reiz (Aktionspotential) entstehen. Dadurch fusionieren die in der Präsynapse liegenden und mit Neurotransmitter gefüllten Vesikel mit der Zellmembran der Präsynapse. Der Inhalt (z.B. Acetylcholin) der Vesikel wird dann in den synaptischen Spalt ausgeschüttet und wandert passiv zur Postsynapse, wo sie von molekülspezifischen Rezeptoren aufgenommen werden. Je nach Art des Rezeptors treten dann unterschiedliche Effekte auf. Handelt es sich um einen Ionenkanal, so kommt es in der Postsynapse zu einer Änderung der Membranspannung. Dabei kann eine Positivierung des Membranpotentials (exzitatorisches postsynaptisches Potential) oder eine Negativierung des Membranpotentials (inhibitorisches postsynaptisches Potential) entstehen. Die synaptische Übertragung wird beendet, wenn der Transmitter durch Abbau, Wiederaufnahme in die Präsynapse oder Diffusion in den Interzellularraum den synaptischen Spalt verlässt. 1)

Erregungsausbreitung

Abbildung 6: Aktionspotential 1)

Erregungsausbreitung beschreibt ganz allgemein die Fortleitung elektrischer Signale an Nervenzellen. Dabei werden elektrotone Erregungsausbreitung und saltatorische Erregungsausbreitung unterschieden. 1)

Elektrotone Erregungsausbreitung

Am Zellkörper erzeugen EPSP und IPSP örtlich begrenzte Veränderungen der Transmembranspannung, die sich passiv in die Umgebung der Synapse ausbreiten. Dabei geht durch den ständig vorhandenen elektrischen Widerstand und das kondensatorartige Verhalten der Lipid-Doppelschicht der Membran kontinuierlich Ladung verloren, wodurch das Signal schnell an Amplitude verliert. Diese Art der Erregungsausbreitung kommt vor allem im Bereich des Zellkörpers vor, da hier nur kurze Strecken zurückgelegt werden müssen. 1)

Saltatorische Erregungsausbreitung

Werden die zurückzulegenden Wege länger, wie es bei bis zu einem Meter langen Axonen vom Rückenmark bis zum Fuß der Fall ist, so wir der Vorteil des sich selbst erneuernden Aktionspotentials genutzt. Auch wenn sich ein am Axonhügel generiertes AP sich zunächst genauso passiv, elektroton und nicht zielgerichtet ausbreitet, wie ein EPSP, so ist die Dichte an schnellen Natriumkanälen an den Axonen doch wesentlich höher, wodurch immer neue APs generiert werden können. Aufgrund des refraktären Verhaltens ist die Ausbreitung außerdem zielgerichtet. Zur Saltatorischen Ausbreitung gehören allerdings noch die das Axon umhüllenden Myelinscheiden. Diese haben eine isolierende Wirkung, das heißt, dass der Ladungsabfluss in die Lipid-Doppelschicht der Membran stark verringert wird. Zusätzlich sind die Natriumkanäle vermehrt an den Ranvierschen Schnürringen angelagert. Durch diese Art der Ausbreitung können Fortleitungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 m/s erreicht werden. 1)

Die Pyramidenbahn

Die Pyramidenbahn ist ein besonders wichtiges motorisches System, da mit ihr bestimmte äußerliche krankhafte Veränderungen leicht verstanden werden können. Sie beginnt mit den sogenannten Pyramidenzellen, also im Motokortex befindliche Neuronen, und innervieren über ihre Axone die alpha-Motoneurone im Vorderhorn des Rückenmarks. Diese sind wiederum für die Ausführung von Bewegungen der Willkürmotorik und für die Feinmotorik verantwortlich. Das pyramidale System beginnt in der Großhirnrinde, genauer gesagt im motorischen Kortex (Gyrus precentralis), welcher sich im Frontallappen befindet. Abgetrennt durch die Zentralfurche befindet sich direkt neben dem Gyrus precentralis der sensorische Kortex (Gyrus postcentralis). Von Gyrus precentralis absteigend, passiert die Nevenbahn zunächst die Capsula interna. Danach läuft sie in die Medulla oblongata (verlängertes Mark). Dort überkreuzt sich die Pyramidenbahn zu 70-90%, das heißt dass die Fasern, die in der rechten Hirnhälfte entspringen auf die linke Seite kreuzen. Die gekreuzten Bahnen laufen im sogenannten Tractus corticospinalis lateralis innerhalb der weißen Substanz das Rückenmark herunter. Hier werden sie über ein Interneuron in das motorische Vorderhorn verschaltet, von wo aus die Umschaltung auf das zweite Motoneuron erfolgt. Von dort aus werden die Signale dann in das periphere Nervensystem weitergeleitet. Während das erste Motoneuron, also der Weg von der Großhirnrinde bis ins Rückenmark, sowohl funktionell als rein von der Lage zum ZNS gehört, so gehört das zweite Motoneuron funktionell bereits zum PNS. Die restlichen 30-10% der Nervenbahn, die nicht auf Höhe der Medulla oblongata kreuzen, laufen in den Tractus corticospinalis anterior und werden erst auf Segmenthöhe über ein Interneuron verschaltet und zur Peripherie weitergeleitet. Eine der bekanntesten krankhaften Veränderungen der Pyramidenbahn ist der Schlaganfall, wobei aufgrund der Symptome auf die betroffenen Hirnareale geschlossen werden kann. 1)

Elektroenzephalografie

Ablauf und Ableitungsmethodik

Abbildung 7: Topographische Bezeichnung der Ableitelektroden 1) Um ein erfolgreiches Elektroenzephalogramm zu erhalten, muss die Kopfhaut entsprechend vorbereitet werden. Die Haare müssen nicht wie bei anderen Modalitäten zur Aktivitätsmessung (z.B. EMG) abrasiert werden. Dafür müssen die Haare frischgewaschen sein und es dürfen keine Rückstände jegliche Haarstylingprodukte vorkommen. 3) Anschließend wird die Kopfhaut mit Hilfe einer abrasiven Paste leicht angeraut, um die obersten Hautschichten zu entfernen. Danach erfolgt eine Behandlung mit Kontaktlotion, um den Leitungs- bzw. Hautwiderstand zu senken. 1) Nach erfolgreiche Vorbereitung wird dem Patienten eine Art Haube auf den Kopf gesetzt. In diese werden die Elektroden eingearbeitet und anschließend auf der Kopfhaut nach der international einheitlichen Elektroanordnung und Bezeichnung mit 19 Kontakten (10-20-System) befestigt, welche in Abbildung 7 zu sehen ist.

Die Untersuchung erfolgt im Sitzen oder Liegen und wird von einer medizinischen Fachkraft durchgeführt. Während der Messung werden dem Patienten verschiedene Aufgaben gestellt, wie das Löseneinfacher Rechenaufgaben oder öffnen, schließen oder bewegen der Augen. Je nachdem welche Variante des EEGs verwendet wird, können auch spezielle Lichtreize zur Stimulation der Hirnrinde eingesetzt werden. Durchschnittlich dauert ein EEG 20 bis 30 Minuten und nach Abschluss der Untersuchung kann der Patient direkt wieder nach Hause gehen und ein Facharzt wertet die Aktivitätsmessung aus.3) Dabei stellt sich die Frage,wie kommt das Signal auf dem Monitor?

Der eigentliche Ableitvorgang erfolgt mit einer Messung der Potentialdifferenz mit einer zu erwartenden Spannung von nicht mehr als 100µV. Doch diese Messung ist sehr störanfällig. Somit ist ein hoch verstärktes und gefiltertes Signal Voraussetzung. Ein Ersatzschaltbild (Abbildung 8) verdeutlicht mit Hilfe von Widerständen und Kapazitäten wie das neuronale Potential bis zur Kopfhaut gelangt und dort abgegriffen werde kann.

Abbildung 8: Ersatzschaltbild der EEG-Ableitung 1)

Um das gemessene EEG nun auf einem Monitor ausgeben zu können, wird entweder eine unipolare Verschaltung oder eine bipolare Ableitung gewählt. Bei der ersten Variante erfolgt eine Verschaltung der zu interessierende Elektrode mit einer Referenzelektrode, welche z.B. am Ohr angebracht ist. Hingegen wird bei der bipolaren Ableitung eine Verschaltung zwischen zwei benachbarten Elektroden vorgenommen. Die jeweilige Elektrodenposition wird dann als einzelner Kanal angezeigt. 1)

Entstehungsmechanismen

Die Elektroden messen an der Kopfhaut die Potentialschwankungen im Gehirn. Diese kommen aufgrund der Eigenschaften der Nervenzellen zustande. Im Vordergrund stehen hierbei die dendritischen Eingänge (EPSP/IPSP). In Abbildung 9 ist die mikroskopisch einheitliche Einteilung der sechs Schichten der Großhirnrinde (Neocortex) dargestellt.

Abbildung 9: Schichten des Cortex

Abbildung 10: Potentialentwicklungen einer Zelle im Cortex

>Voraussetzung für die Entstehung eines EEGs ist die senkrechte Anordnung einiger Zellen zur Oberfläche der Großhirnrinde. Die in Schicht V liegenden Pyramidenzellen verbinden so durch lange Dendriten viele Synapsen in darüber liegenden Schichten des Cortex. In Abbildung 10 sind die Potentialentwicklungen einer Zelle im Cortex abgebildet.

Abbildung 11: Einfaltungen in der CortexoberflächeWenn zum gleichen Zeitpunkt viele AP-Signale an den Dendriten der apikalen Schichten I-III ankommen, kommt es zu einer Depolarisierung der Nervenzellmembran, was zu einer Negativierung der Umgebung der Dendriten führt. Jedoch liegt am Zellkörper (Perikaryon)ein Ruhepotential vor. Dadurch ist die Umgebung des Zellkörpers weitgehend positiv. Die Signale einzelner Neurone besitzen eine schwache Amplitude, weshalb diese nur wenige Millimeter Entfernung von der Zelle messbar ist. Das EEG leitet jedoch die Signale auf der Kopfhaut ab, welche die Schädeldecke durchdringen müssen. Um dies zu erreichen, muss ein ausreichend großes elektrisches Feld generiert werden, welches durch die gleichzeitige Aktivität eines größeren Pyramidenzellverbandes realisiert wird. Doch aufgrund der Beeinflussung der Felder untereinander kommt es zu Auslöschungen z.B. in den Einfaltungen (siehe Abbildung 11) der Cortexoberfläche. So gelanen gerade mal 1/3 der Signale an die Oberfläche der Kopfhaut und können abgebildetwerden. [1]

Frequenzen und Rhythemn des EEG

In einem EEG treten charakteristische Frequenzbänder auf, welche eine einheitliche Bezeichnung haben, welche in Tabelle 1 zusammengefasst sind.

Tabelle 1: Zustand und möglicher Effekt in Abhängigkeit der Frequenzbänder 2)

FrequenzbandFrequenzZustandMögliche Effekte
Delta (δ)0,1 bis < 4 HzTraumloser Tiefschlaf, Trance
Theta (θ)4 bis 6,5 HzEinschlafphase, Hypnose, Wachträumen
6,5 bis < 8 HzTiefe Entspannung, Meditation, Hypnose, WachträumenErhöhte Erinnerungs- und Lernfähigkeit, Konzentration und Kreativität
Alpha (α)8 bis 13 Hzleichte Einspannung , unbewusstes Lernen, nach innen gerichtete Aufmerksamkeit, Augen geschlossen →verschwindet sofort beim Öffnen der Augen Erhöhte Erinnerungs- und Lernfähigkeit
Beta (β)Entspannte nach außen gerichtete AufmerksamkeitGute Aufnahmefähigkeit und Aufmerksamkeit
15 bis 21 HzHellwach, normale bis erhöhte nach außen gerichtete Aufmerksamkeit und KonzentrationGute Intelligenzleistung
21 bis 38 HzHektik, Stress, Angst, ÜberaktivierungSprunghafte Gedankenführung
Gamma (γ)Anspruchsvolle Tätigkeiten mit hohem InformationsflussTransformation ohne neuronale Reorganisation

Ein Arzt betrachtet für die Auswertung das Wellenmuster auf dem Monitor. Zwar gibt es die in Tabelle 1 einheitlichen Bezeichnungen, jedoch entsteht bei jedem Menschen ein individuellen EEG-Bild. Die Unterschiede sind vor allem bei Kindern vorzufinden. Ihr Wellenmuster verläuft langsamer und unregelmäßiger als das von Erwachsenen und ist erste gegen Ende der Pubertät ausgereift. Die Wellen geben Auskunft über die Nervenzellenaktivität bestimmter Hirnregionen. 3) In Abbildung 12 sind beispielhafte Verläufe der verschiedenen Frequenzbänder veranschaulicht.

eeg-auswertung.jpgAbbildung 12: Frequenzbänder 3)

Varianten von EEG

Je nach Ziel der Diagnostik können auch noch weiter Untersuchungsvarianten neben dem Routine-EEG genutzt werden. Um Schlafstörungen oder eine Schlafkrankheit zu überwachen, kommt das Schlaf-EEG zum Einsatz. Diese werden in speziellen Schlaflaboren durchgeführt, wo der Patient über Nacht bleibt. Während der Patient schläft, erfolgt die Messung der Hirnströme.

Eine weitere Variante ist das Langzeit-EEG. Wobei bei einem normalen EEG die Hirnaktivität 20 bis 30 Minuten gemessen wird, wird das Langzeit-EEG über 24 bis 48 Stunden eingesetzt. Damit sich der Patient in dieser Zeit bewegen kann, hat er einen mobilen Rekorder am Körper. Außerdem muss er alle Vorkommnisse in einem Protokoll schriftlich festhalten.

Eine etwas abschreckende Form des EEG ist das Provokations-EEG. Unter Aufsicht eines Neurologen soll der Patient zum Beispiel schneller atmen oder er wird speziellen Lichtreizen oder Schlafentzug ausgesetzt. Dies kann bewusst einen epileptischen Anfall auslösen. Da Epilepsie eine neurologische Störung ist, zeigt das EEG Veränderungen auf. Es kommt zu „Spikewellen“. Das sind besonders hohe und steile Wellen. Sobald der epileptische Anfall vorüber ist, zeigt das EEG keine Auffälligkeiten mehr. 3)

Klinische Anwendungen

Ein EEG wird hauptsächlich bei der Diagnostik von Krankheiten eingesetzt, die die Hirnfunktionen verändern. Es findet aber auch im klinischen Alltag seinen Platz wieder. Nachfolgend werden die häufigsten Erkrankungen und Einsatzgebiete aufgelistet:

  • Epilepsie
  • Enzephalitis (Gehirnentzündung)
  • lokal begrenzte Hirnschädigungen zum Beispiel durch einen Tumor oder eine Verletzung
  • Stoffwechselerkrankungen mit Hirnveränderungen
  • Diagnostik von Schlafstörungen oder einer Schlafkrankheit (Narkolepsie)
  • Beobachtung der Hirnströme während Narkose
  • Auf der Intensivstation zur Überwachung der Hirnströme
  • Feststellung von Hirntod

Das EEG kann als alleinige Untersuchungsmethode eingesetzt werden aber auch in Kombinationen mit anderen Modalitäten. Zum Beispiel können in einem EEG lokal begrenzte Veränderungen auftreten. Dies könnten Anzeichen für einen Tumor oder einen Hirnschaden sein. Um jedoch die genaue Position und Größe des Tumors festzustellen, wird zusätzlich ein MRT (Magnetresonanztomographie) vom Kopf gemacht. 3)

Geschichtlicher Hintergrund von Elektroenzephalografie

Prof. Dr. med. Hans Heinrich Ernst Berger (1873 - 1941)

hansberger_univ_jena.jpegAbbildung 13: Hans Berger Hans Berger war ein deutscher Physiker, Neurologe und Psychiater, der allein für die Entdeckung und die Entwicklung der Aufnahme der Wellen des menschlichen Gehirns zuständig war. 4) Nach seinem Abschluss vom Coburger Gymnasium Casimirianum im 1892 immatrikulierte er sich an der Universität von Berlin, wo er Naturwissenschaften und Mathematik studierete. Schließlich entschied sich Berger, Medizin in Jena zu studieren.4) Hier wurde er Mitglied der Burschenschaft Arminia auf dem Burgkeller . Im 1896 arbeitete Berger bereits als Unterassistent bei Theodor Ziehen an der Jenaer Psychiatrischen Klinik und begann seine wissenschaftlichen Arbeiten, die ihn zur erfolgreichen Dissertation im Dezember 1897 führten.4)

Zu dieser Zeit waren Berger die Befunde in Bezug auf die elektrische Aktivität des Gehirns bereits bekannt.5) Im 1870 legten Gustav Fritsch und Eduard Hitzig dar, dass das Gehirn für Strom empfänglich ist, indem sie Bewegungen eines Hundes durch Anregung seines somatosensorischen Cortex hervorriefen.4) Richard Caton bewies auch die Existenz bioelektrischer Aktivitäten im Gehirn, indem er Versuche an Kaninchenhirnen durchführte.4)6) Dabei legte er unpolarisierbare Elektroden an der Oberfläche beider Hemisphären an. Im 1913 nahm Vladimir Pravdich-Neminsky zum ersten Mal die Rindenströme bei einem Hund auf und stellte den Einfluss peripherer Reize fest.6)

Die in dieser Zeit zur Verfügung stehende Technologie diente keineswegs der elektrophysiologischen Recherche, da nur relativ primitive Geräte wie Saitengalvanometer oder Capillarelektrometer von den Elektrophysiologen zu verwenden waren. Zwischen 1902 und 1910 konnte Berger ausschließlich mit einem Calliparelektrometer arbeiten, das sich meistens als nutzlos erwies. Damit führte Berger nur fünf Versuche, die technisch einwandfrei gelangen, und von denen ein Versuch das Auftreten von Stromschwankungen bei Reizen der peripheren Sinnesorgane nachwies, durch.5) Abbildng 14: EEG einer 4jährigen Hündin mittels eines Saitengalvanometers 5)

In Abbildungen 14 und 15 sind seine ersten Aufnahmen, die mit einem Saitengalvanometer und Doppelspulengalvanometer gelangen, mit denen er erst in 1910 bzw, 1926 arbeitete und bessere Aufnahmen besaß. Diese Aufnahmen sind von einer vierjährigen Hündin, die etwa vor fünf Stunden vor dem Versuch innerlich 1,5ml Venoal hatten und dann noch 1 Stunde vor dem Beginn der vorbereitenden Operation 0,05ml Morphin subcutan erhalten. Hier wurden frisch amalgamierte Zinkplättchen verwendet, deren Länge und Breite 12 mm bzw. 4 mm sind, und die durch den Schlitz in der Dura eingeführt.5)

Die allerersten EEGs des Menschen

Bis 1924 lagen keine Untersuchungen über die elektrischen Aktivitäten im Gehirn des Menschen vor. Am 06.07.1924 wurde von Hans Berger das allerste EEG des Menschen mittels eines kleinen Saitengalvanometers aufgenommen:

Abbildng 15: EEG derselben Hündin mittels eines Doppelspulengalvanometer 5)

„Ich habe nach verschiedenen vergeblichen Versuchen am 6.7.24 bei einem 17jährigen jungen Mann die ersten einschlägigen Beobachtungen anstellen können. Dieser junger Mann war von Guleke wegen Tumorverdachts über der linken Großhirnhälfte palliativ trepaniert worden.“ - Hans Berger 5)

Hier wurde ein Meilenstein der Elektrophysiologie erreicht, wobei man zum ersten Mal die bioelektrischen Aktivitäten des menschlichen Gehirns untersuchte. In AbbildungX lassen sich auch seine Aufnahmen des EEG eines 15jährigen Mädchens sehen, die dieses Mal mit einem Doppelspulengalvanometer durchgeführt wurden. Bei diesem Mädchen musste ein großer Tumor in Marklager des linken Stirnhirns nach den klinischen Symptoten angenommen werden. 5)

Über das Elektrenkephalogramm des Menschen

Obwohl Berger seine Beobachtungen im 1924 anstellte, veröffentlichte er erst im 1929 seinen Befund „Über das Elektrenkephalogramm des Menschen.“ Zwischen 1929 und 1938 veröffentliche Berger mehr als 14 Befunde mit demselben Titel, die dann später im 1969 von Pierre Gloor ins Englische übersetzt wurden. 4) Trotz dieses bedeutenden Fortschritts erlangen seine Befunde erst im 1934 Anerkennung von Edgar Adrian und Bryan Matthews. Weil seine Beobachtungen vom EEG des Menschen mit dem EEG der Tiere nicht übereinstimmten, versuchten Adrian und Matthews, seine Beobachtungen zu widerlegen, jedoch erfolglos:

“We found it difficult to accept the view that such uniform activity could occur throughout the brain in a conscious subject, and as this seemed to us to be Berger's conclusion we decided to repeat his experiments. The result has been to satisfy us, after an initial period of hesitation, that potential waves which he describes doarise in the cortex, and to show that they can be explained in away which does not conflict with the results from animals.” - Adrian und Matthews 4)

Diese Wiederholung von Bergers Experimenten trug zur Akzeptanz seiner Befunde in der Wissenschaftsgemeinde bei.

Benennung von EEG

Als Neminski Befunde über seine Ausführungen von Untersuchungen an Hunden veröffentlichte, pägte er den Begriff „Elektrocerebrogramm“, den Berger für barbarisch hielt. Infolgedessen schlug er den Begriff „Elektrenkelphalogramm“ vor:

„Da ich aus sprachlichen Gründen das Wort „Elektrocerebrogramm“, das sich aus griechischen und lateinischen Bestandteilen zusammensetzt, für barbarisch halte, möchte ich für diese von mir hier zum ersten Mal beim Menschen nachgewiesene Kurve in Anlehnung an den Namen „Elektrokardiogramm“ den Namen „Elektrenkelphalogramm“ vorschlagen.“ - Hans Berger 5)

Entwicklung von EEG-Geräten

Früher bei der Abmessungen und der Aufzeichnungen der elektrischen Aktivitäten im Gehirn existierten keine standardisierten Formen von Geräten, die hauptsächlich für die Aufnahme des EEG verwendet wurden. Beispielsweise wurde das Saitengalvanometer sowohl für EEG, als auch für Elektrokardiogramm verwendet. Daher werden hier die zur Entwicklung des EEG beitragenden Geräte erwähnt:6)

Spiegelgalvanometer

Richard Caton war der erste Wissenschaftler, der sich mit EEG befasste. 6) Dabei verwendete er das Spiegelgalvanometer zur Aufnahme der elektrischen Aktivitäten der Tiere verwendet. Er beschrieb seine Geräteausstattung wie folgend:

“Sir William Thomson’s reflecting galvanometer, etc., with Du Bois-Reymond’s non-polarisable electrodes. Small light electrodes were employed, supported by small screw-clamps, fixed firmly to the skull, in such a manner that no movement of the animal’s body could affect the position of the electrodes on the brain„ - Richard Caton6)

Caton verwendete Du Bois-Reymonds Elektroden, um die Geräusche und die Artefakte zu unterdrücken. Der Frequenzgang dieses Gerätes war von DC bis 6 Hz. Da die elektrischen Aktivitäten schwach waren, wurde ein Knallgaslampe verwendet, um die Nervensignale zu verstärken bzw. darstellen. In 40 durchgeführten Experminten konnte Caton Variationen in Hinsicht auf Schlaf, Anästhesie und Tod beobachten. Außerdem wurde dieses Gerät von Adolph Beck und N.Cybulski verwendet, die die Beobachtung von Caton nachweisen konnten.6)

Saitengalvanometer

Von Wilhelm Einthoven entwickelt, wurde das Saitengalvanometer zum ersten Mal im 1908 von Adolph Beck benutzt, um die bioelektrischen Aktivitäten des Gehirns zu messen. Das Saitengalvanometer war das erste Gerät, das die Fähigkeit hat, physiologisches Potential geräuschlos aufzuzeichnen. Durch dieses Gerät wurde das erste EEG eines Menschen von Hans Berger aufgenommen. Berger benutzte ein kleines Saitengalvanometer von Edelmann mit der Fähigkeit zu fotografieren, mit dem er auch permanente Aufzeichnungen von 1 bis 3 Minuten durchführen durfte, und unpolarisierbare Elektroden. Seine Geräteausstattung ist in Abbildung 16 zu sehen. 6) Abbildung 16: Bergers Geräteausstattung bestehend aus einem Saitengalvanometer 6)

Technische Daten:

  • Empfindlichkeit von 1 mV/cm
  • Frequenzgang bis 200 Hz
  • Eingangswiderstand: 4 und 8 kOhm

Später konnte Alexander Forbes die Empfindlichkeit des Saitengalvanometer bis zu 50 mV/cm und den Eingangswiderstand bis zu 500 kohm erhöhen. In dieser Zeit baute J.F Tönnies den ersten Tintenschreiber-Oszillograph, der der Aufzeichnung des Hirnpotenzials dient. 6)

Erstes EEG-Gerät in Nordamerika

Im 1933 konnte Herbert Jasper zum ersten Mal in Nordamerika die Beobachtungen von Berger beweisen. Danach bekam er ein Stipendium, um ein EEG-Labor zu gründen. Die ersten Aufzeichnungen machte er im 1934 mittels Westinghouse 4-Kanal-EEG auf Fotopapier mit EEG-Verstärkern, die von Howard Andrews entworfen und aufgebaut wurden. Die Elektroden waren aus 5 mm Silber-Silberchlorid mit fitzbespannte Krempen, deren Eigenschaften so gut wie die Elektroden, die heutzutage benutzt werden. Mit diesen Elektroden lassen sich Frontal-, Okzipital-, und Temporalregionen zweiseitig aufzeichnen. 6)

Technische Daten:

  • Frequenzgang: 1 bis 1000 Hz
  • Dudelltyp Oszillograph
  • Differenziale, battriebetriebene Gegentakteingänge

Kommerzielle EEG-Geräte

Grass Model I 1936

Abbildung 17: Grass Model I 6)Der Name „Grass-Modell“ bezieht sich auf Albert Grass. Das Grass-Modell I verwendet 3 Kanäle zur Differentialverstärkung und besaß einen Tintenschreiber. Das Grass-Modell I bestand aus einem Tisch, einem Tintenschrieber auf der rechten Seite und Rollenpapier auf der linken Seite, das zur Aufzeichnung der Signale diente. Die Bandbreite dieses Modells war 1-10.000 Hz. Das Gerät wurde mit einem CRT-Monitor für Studien mit hohen Frequenzen verbunden. Das Modell verfügte über Bedienungeselemente wie Empfindlichkeit und Kalbrierung. In Abbildung 17 ist ein Gerät des Grass-Modells I zu sehen. 6)

Das Rollenpapier war problematisch in diesem Modell, weil Aufzeichnungen oft auf den Boden fallen und es manuell war. Außerdem gab es keine Markierungen auf dem Rollenpapier, was zur Schiwerigkeit des Lesens der Aufzeichnungen führte. Deswegen wollte Grass gefaltetes Papier verwendent, weill es vorgedruckt war, infolgedessen fing er damit an, EEG-Papier herzustellen. 6)

Grass Model II 1939

Das Grass-Modell II erschien erst im 1939 mit der Verwendung von gefaltetem Papier, das spezifisch für dieses Modell hergestellt wurde. Es war sowohl 4-kanälig als auch 6-kanälig, und wurde oft während des zweiten Weltkriegs verwendet, deswegen mussten die Geräte robust und zuverlässig sein. Diese Geräte wurden nach dem zweiten Weltkrieg immer noch benutzt. In Abbildung 18 ist ein 4-kanäliges EEG-Gerät an Northwest Universität zu sehen. 6)

Abbildung 18: Grass Model II 6)

Grass Model III 1946

Obwohl das Grass-Modell III erst im 1939 entworfen wurde, erschien es erst im 1946 aufgrund des zweiten Weltkriegs. Dieses Modell schloss zum ersten mal 8-kanälige und 16-kanälige EEG-Geräte ein. Circa 5000 Geräte von diesem Modell wurden hergestellt und verkauft. In Abbildung 19 ist das 8-kanäliges Grass Modell III zu sehen. 6)

Abbildung 19: Grass Model III 6)

Geschichte von VEB Messgerätewerk Zwönitz

Im 1944 verlargte Berlin-Siemensstand das Siemenswerk - Wernerwerk M nach Zwönitz. Das Unternehmen hat an dem neuen Standort bis zum Jahr 1947 als Siemens & Halske AG, Zwönitz firmiert. Seit 1947 wurde der Betrieb als SAG-Betrieb fortgeführt. Zum Jahr 1952 erhielt er die Firmenbezeichnung VEB Messgerätewerk Zwönitz. Zum Jahr 1970 erfolgte die Bildung des Kombinates VEB Messgerätewerk Zwönitz. Der Betrieb in Zwönitz wurde Stammbetrieb, die Technisch-Physikalischen Werkstätten Thalheim und das Gerätewerk Karl-Marx-Stadt Betriebsteile des Stammbetriebes. Im 1982 erfolgte die Bildung des Großbetriebes VEB Messgerätewerk Zwönitz mit den Betriebsteilen Messgerätewerk Zwönitz, Karl-Marx-Stadt und Technisch-Physikalische-Werkstätten Thalheim. Im 1988 verlor der VEB Messgerätewerk Zwönitz seine rechtliche Selbstständigkeit. Er wurde Betrieb im VEB Kombinat Nachrichtenelektronik Berlin. Durch Umwandlung des VEB und seiner Betriebsteile auf Grundlage der Umwandlungsverordnung vom 1. März 1990 enstanden im Juni 1990 die Messgerätewerk Zwönitz GmbH, die Technisch-Physikalische Werkstätten Thalheim GmbH und die Gerätewerk GmbH Chemnitz. 7)

Sammlung von EEG-Geräten im Universitätsklinikum Magdeburg

Im Folgenden sollen nun die beiden in der medizintechnischen Sammlung des Universitätsklinikums Magdeburg vorhandenen EEG-Geräte „Bioscript BST-1“ und „Bioscript BST-2100“ technisch genauer erläutert werden. Danach wird zudem auf eines der ersten EEG-Geräte des Messgerätewerks Zwönitz eingegangen, um die Entwicklung der Geräte noch deutlicher darzustellen. Dabei basieren alle technischen Daten, Erläuterungen und Bilder auf Herstellerangaben, die sich nach Recherche im Staatsarchiv Chemnitz ergeben haben.

Der Fokus wird dabei auf dem älteren Modell „Bioscript BST-1“ liegen. Im Anschluss werden die Modelle dann verglichen.

RFT BIOSCRIPT BST1

gesamtschaltplan.jpg Abbildung 20: Gesamtschaltplan

Das EEG-Gerät besteht grundsätzlich aus einem Registrierteil und einem Elektronikteil. Dabei ist die Hauptfunktion des Registrierteils das Empfangen der elektrischen Signale vom Elektronikteil und das Anschließende aufzeichnen der Signale auf Papier, während das Elektronikteil für jegliche elektronischen Verarbeitungsprozesse verantwortlich ist. In Beiden Fällen betonte der Hersteller stets, dass die Entwicklung des Geräts und dessen Bauteilen stets in enger Zusammenarbeit zwischen Medizinern und Technikern stattgefunden hat. Die nachfolgenden Daten stammen aus einer Serviceanleitung, die zur Wartung und Reparatur des Geräts durch Fachpersonal vom Hersteller zu Verfügung gestellt wurde. Dabei werden vor allem Funktion und Aufbau der einzelnen Bauteile beschrieben. Zusätzlich enthält die Serviceanleitung Fehlerhinweise sowie einen Ersatzteilkatalog, die hier jedoch nicht weiter ausgeführt werden sollen.

Dieses Gerät ermöglicht allgemein achtkanalig Elektroenzephalogramme und – über einen weiteren Kanal – Elektrokardiogramme, Pulskurven (arteriell und venös) sowie Atemfrequenzverläufe zu registrieren. Es stehen drei Varianten des Bioscript zur Verfügung, deren Einsatz und Kurzbezeichnung in nachstehender Übersicht gargestellt ist:

  • BST ET 101/RT 101/STB 102 nationales Ableitprogramm
  • BST 102 ET 102/RT 101/STB 103 internationales Ableitprogramm
  • BST 103 ET 102/RT 102/STB 103 wie BST 102, jedoch für 60 Hz

Das Gerät wurde in den 1970er Jahren in den Markt eingeführt und zeichnete sich für den damaligen Stand der Technik vor allem durch seine verhältnismäßig kleine Standfläche, Mobilität und komfortable Bedienbarkeit aus. Durch die damals moderne Verstärkertechnik wurden Störeinflüsse weitestgehend ausgeschaltet und man erhielt auch bei unipolaren Ableitungen störungsfreie Aufzeichnungen. Durch das eingebaute Sichtgerät konnte man eine Funktionsprüfung aller Kanäle einfach durchführen. Außerdem war die Messung des Elektrodenübergangswiderstandes am Gerät und am EEG-Verteiler, also auch unmittelbar beim Anlegen der Elektroden möglich. Das Kohlepapier-Durchschreibeverfahren zeichnete sich damals durch seine Robustheit und Beständigkeit durch saphirbestückte long-life-Schreibzeiger aus.

Registrierteil RT 101/RT 102

registrierteilschaltplant.jpgAbbildung 21: Allgemeiner Schaltplan des Registrierteils

Gesamtgerät RT

Dieses Gerät ermöglicht mit Hilfe des Direktschreibverfahrens die gleichzeitige Registrierung von acht verschiedenen bioelektrischen Potentialschwankungen. Vorwiegend dient es zur Registrierung von Hirnaktionsspannungen, wobei die Ableitung sowohl von der intakten Kopfhaut als auch direkt von der Hirnrinde erfolgen kann. Weiterhin besteht die Möglichkeit, im neunten Kanal eine EKG-Ableitung zu registrieren. Neben diesen Messkanälen wurde noch ein zehnter Kanal beigeordnet, über den Zeit-, Ereignis- und Hyperventilationsmarkierungen aufgezeichnet werden können. Die angewandte Registrierung nach dem Direktschreibverfahren gewährleistet eine hohe Robustheit und geringe Betriebskosten.

Technische Daten:

  • Netzanschluss: 220 V /- 10%
  • Netzfrequenz: 50/60 Hz
  • Leistungsaufnahme: ca. 400 VA
  • Schutzklasse II (Schutzisolierung nach TGL 200-1703)
  • Betriebsart: Dauerbetrieb
  • Luftfeuchte: relative Luftfeuchte 80%
  • Temperaturbereich: für Betrieb 10°C… 30°C,für Lagerung und Transport -40°C… 60°C

Konstruktiver Aufbau:

Das Gerät ist in Einschubbauweise aufgebaut. Auf Grund dieser Konstruktion wird es als sehr servicefreundlich beschrieben, da alle Einschübe über Servicekabel betrieben werden können, wodurch bei eventuellen Reparaturen bzw. Abgleicharbeiten ein guter Zugang zu den Bauelementen möglich ist. Die Bedienelemente sind übersichtlich auf der Oberseite des Gerätes angeordnet. Sicherungen, Netzanschluss sowie der Anschlussstecker für das Elektronikteil befinden sich an der Rückseite. Außerdem ist das Gerät auf Rädern montiert, wodurch es sich leicht transportieren lässt.

Funktion des Registrierteils:

Die vom Elektronikteil ankommenden Spannungen liegen über ein Verbindungskabel am Registrierteil an. Hier erfolgt eine Leistungsverstärkung, um die niederohmigen, sogenannten Direktschreibsysteme ansteuern zu können. Mittels Kohlepapier-Durchschreibeverfahren können kann verschiedene Funktionen auf dem Registrierpapier aufgezeichnet werden.Eine Registrierung von Zeit-, Ereignis- und Hyperventilationsmarken ist im Kanal 10 möglich.

Wartung des Registrierteils:

Auch wenn das Registrierteil prinzipiell keiner umfangreichen Wartung bedarf, da durch angeordnete Öldepots eine optimale Schmierung sichergestellt wird, so sollen vor allem nach längerem Betrieb die Schreibkante und sowie die Dachkanten der Schreibzeiger mit Alkohol oder Äther unter Zuhilfenahme eines Wattebauschs vom Abrieb des Kohlepapiers gesäubert werden.Zur Reinigung der lackierten Flächen wird vom Hersteller Möbelpolitur oder Autopolitur empfohlen. Eine Reinigung mit Benzin, Äther oder Alkohol sei nicht zu empfehlen, da diese Mittel die Lackoberfläche anlösen.

Registriereinheit E183/E184

Technische Daten:

  • Schreibverfahren: Kohlepapier-Durchschreibeverfahren
  • Schreibsysteme: Differential-Drehankermesswerke mit permanenter Erregung und festem Schreibzeiger
  • Obere Grenzfrequenz: 120 Hz
  • Schreibbreite: 25 mm
  • Anzahl der Registriersysteme: 10
  • Registrierpapier: Faltpapier, 240 mm breit; Faltbuch mit 200 Blatt, 60m
  • Farbträger: Kohlepapier in Rollenform, 240 mm breit
  • Registrierablaufgeschwindigkeit: 7,5; 15; 30; 60 mm/s
  • Markengeber: 1, im Kanal 10 für Sekunden-, Ereignis- und Hyperventilationsmarken

Die Registriereinheit dient zur Aufzeichnung bioelektrischer Größen mittels Schreibwerken im Direktschreibverfahren sowie zum Transport des Registrier- und Kohlepapiers. Sie ist in Einschubbauweise aufgebaut und lässt sich durch Lösen von 4 Imbusschrauben leicht vom Gehäuse trennen. Die Verbindung zum Gehäuse wird über drei 30-polige Steckverbinder gergestellt, wobei die Steckerleisten an der Registriereinheit montiert sind. Beim Direktschreibverfahren dücken die auf dem Direktschreibsystem angeordneten Schreibzeiger das Registrierpapier an das über eine Schreibkante laufende Kohlepapier, wodurch kontrastreiche Aufzeichnungen erstellt werden.

Die Registrierung von Zeitmarken, Hyperventilationsmarken und Ereignismarken geschieht im Kanal 10. Dieser Kanal wird durch den Markierverstärker E 190 angesteuert, der zu einem späteren Zeitpunkt genauer erläutert wird. Die Folgefrequenz der Zeitmarken und Hyperventilationsmarken geschieht durch die an das Getriebe angeordnete Federkontaktstützen. Durch Drücken eines bestimmten Schalters, der die Beschriftung „1 s“ trägt, werden bei laufendem Registrierpapier Sekundenimpulse von ca. 2 mm Größe aufgezeichnet. Eine Korrektur ist einem Drehwiderstand des Markierverstärkers E 190 möglich. Durch Drücken eines anderen Schalters, wird ein 50 Hz-Band von ca. 4 mm Breite aufgezeichnet (Ereignismarkierung), wobei auch hier eine Korrekturch durch einen Drehwiderstand des Markierverstärkers E 190 möglich ist.

Das von einem Außenläufer Synchronmotor angetriebene Schlingenfedergetrieben dient zum Regiertrier- und Kohlepapiertransport. Es ermöglicht die Wahl von vier Registrierpapierablaufgeschwindigkeiten zwischen 7,5 und 60 mm/s. Die einzelnen Geschwindigkeiten werden durch unterschiedliche Kraftmagneten geschaltet.

Ein Registrierpapierablauf ist jedoch erst gewährleistet, wenn der dafür vorhergesehene Schalter gedrückt ist.

Das Kohlepapier läuft in einer Transporteinrichtung vom Vorratsdorn über die Schreibkante zum Aufwickeldorn. Die Transporteinrichtung lässt sich nach Betätigen des Hebels herausklappen. Nach Zurückklappen der Abdeckplatte, die an zwei Permanentmagnete haftet, lässt sich das Kohlepapier leicht einlegen.

Das Registrierpapier läuft unter der Transporteinrichtung hervor, wird dann von zwei Andruckrollen auf die darunter befindlichen gerändelten Transportrollen gedrückt, die den Vorschub des Registrierpapiers bewirken. Beim Einlegen des Registrierpapiers können die Andruckrollen durch Betätigen eines Hebels angehoben werden.

Das in der Registriereinheit E 183 verwendete Direktschreibsystem ist ein Differential-Drehanker-Messwerk mit permanenter Erregung. Für diese Schreibsysteme werden hochwertige Dauermagnete verwendet. Deshalb sei bei evtuellen. Reparaturen eine Berührung mit ferromagnetischen Werkzeugen unbedingt zu vermeiden. Das Direktschreibsystem besitzt eine mechanische Aussteuerbegrenzung, um ein Ineinanderlaufen der Schreibzeiger bei großen Amplituden zu vermeiden.

Einstellen der Baugruppen:

Die mechanische Schreibzeigerbegrenzung wird mit einer Frequenz von 0,5 Hz wird eine Schreibbreite von /- 12,5 mm eingestellt. Die Einstellung erfolgt durch Verschieben der Begrenzungsbleche, die auf dem Schreibsystem befestigt sind.

Der Zeigerandruck und die Zeigermittelstellung werden mit einer Schreibzeigerlehre eingestellt. Dazu wird die Transporteinrichtung herausgeklappt und die zwei Abdeckplatten für die Schreibsysteme durch Lösen von zehn Schrauben entfernt. Durch seitlich herausragende Bolzen wird die Schreibzeigerlehre geführt. Das auf einer Achse verschiebbare Einzelgewicht wird auf die Schreibzeiger aufgelegt. Der Schreibzeigerandruch hat den richtigen Wert, wenn die Unterkante des Einzelgewichtes mit der Unterkante der Lehre übereinstimmt. Muss der Zeigerandruck korrigiert werden, so geschieht dies durch Lockern der Mutter am Schreibzeiger mit einem antimagnetischen Schlüssel und anschließend Verschieben des Zeigers auf der Schreibsystemachse. Dabei muss der Zeiger auf der Mittelmarkierung des Einzelgewichtes stehen. Die Schreibzeiger dürfen dabei nicht verbogen werden.

Nach jeder Korrektur des Zeigerandruckes und Auswechseln eines Schreibzeigers soll die Schreibgeschwindigkeit des betreffenden Kanals kontrolliert werden.

Beim Einstellen des Kohlepapierablaufes muss beachtet werden, dass das Kohlepapier beim Aufwickeln keine Falten bildet. Der maximal zulässige Deckungsfehler des Kohlepapier mit dem Registrierpapier darf 1,5 mm betragen, gemessen an der Schreibkante. Die Einstellung erfolgt durch Verstellen der Stange und der Buchsen. Das ablaufende Kohlepapier muss über die gesamte Schreibkante straffgezogen werden. Der Aufwickeldorn muss gebremst sein, damit sich das Kohlepapier beim Ausschwenken der Transporteinrichtung nicht selbständig abwickelt. Die maximale Auswanderung des Kohlepapiers auf dem Aufwickeldorn soll /- 5mm nicht überschreiten. Bei Faltenbildung ist das Bremsdrehmoment des Vorratsdorns zu überprüfen. Die Messung erfolgt mit Zugfederwaage 0 – 1000 p (Pond) und einer Seilrolle, welche auf den Vorratsdorn gesteckt wird, in Kohlepapierablaufrichtung. Die an der Zugfederwaage angezeigte Kraft muss zwischen 225…275 p liegen. Die Einstellung geschieht mit den Schrauben und der Platte.

Die Gleichmäßigkeit des Kohlepapiertransportes kann überprüft werden, indem die einzelnen Kanäle mit einer Amplitude von ca. 10mm und einer Frequenz von 50 Hz ausgelenkt werden. Bei einer Ablaufgeschwindigkeit von 7,5 mm/s müssen die Wechselspannungsbänder gleichmäßig geschwärzt sein.

Durch die Stange und die Buchse wird der Registrierpapierablauf sicher eingestellt. Das Faltpapier muss, wenn das Papier an den beiden Andruckrollen wechselseitig schräg eingelegt wird, nach Ablauf von ca. 1 m wieder in seiner normalen Laufbahn laufen. Es dürfen sich keine Zugsträhnen bilden.

Die Papierandruckrollen sollen mit einer Kraft von 900 - 1000 p auf die darunter befindlichen gerändelten Transportrollen drücken. Mit Hilfe einer Zugfederwaage und einer Schnur ist im Moment des Anhebens der Andruckrollen die Kraft zu messen. Die Einstellung erfolgt mit den Zylinderschrauben.

Die Schreibkante ist mit Hilfe der Buchse und des Stumpfes so einzustellen, dass die Schreibkante rechtwinklig zum Registrierpapier liegt. Die Schreibzeiger sollen dabei gleichmäßig niedergedrückt werden. Sollte sich ein unterbrochener bzw. ein unsauberer Schriftzug zeigen, so ist die Schreibkante nach evtl. Vertiefungen auf der Dachkante zu überprüfen. Muss die Schreibkante gewechselt werden, so geschieht dies durch Lösen mittels der mit Schrauben befestigter Leiste. Beim Wechseln der Schreibkante ist es ratsam, die o.g. Grundeinstellungen nicht zu verändern, dass sie mittels spezieller Lehren vom Herstellerwerk eingestellt wird.

Netzteil E 179

Technische Daten:

  • Netzanschluss: 220 V /- 10%
  • Netzfrequenz: 50…60 Hz
  • Betriebsart: Dauerbetrieb
  • Ausgangsspannungen: geregelte Spannung 24 V, sowie Wechselspannungen für Verstärker

Allgemeines:

Die Aufgabe des Netzteils E 179 ist es, die Betriebsspannungen für das Registrierteil aufzubringen. Dabei werden unterschiedliche Speisespannungen unterteilt:

  • Speisespannung für den Antriebsmotor des Registrierteils
  • Speisespannung für die Beleuchtung
  • Speisespannung für das Getriebe
  • Speisespannung für die Endstufen
  • Speisespannung für den Markierverstärker

Für die Schaltfunktionen in den Endstufen und im Markierverstärker ist eine geregelte Gleichspannung notwendig, um unzulässige Abweichungen durch Netztoleranzen und verschiedene Lastzustände auszugleichen. Die Speisespannungen für den Getriebemotor und Lüftermotor werden aus der Sekundärwicklung eines Transformators entnommen und sind mittels einer Sicherung abgesichert.

Um den Forderungen der elektrischen Sicherheit zu genügen, erfolgte die Dimensionierung der drei Transformatoren für eine Spannungsfestigkeit von 4 kV entsprechend Schutzklasse II. Um den Ableitstrom zu verringern, wurde jeder Transformator mit einer Schutzwicklung versehen. Der Netzanschluss erfolgt über eine feste Netzanschlussleitung. Die elektrische Verbindung zum Gesamtgerät geschieht über 30-polige Steckverbinder, wobei die Steckhüllen am Rahmen montiert sind. Die drei Transformatoren sind ebenfalls mit den Sicherungen abgesichert. Weiterhin können sie mittels eines Tastenschalters vom Netzt getrennt werden.

Konstruktiver Aufbau:

Die Bauelemente des Netzteiles sind in einem mit verstärktem Bodenblech ausgerüsteten Einschub untergebracht. Um die mechanische Brummübertragung zu mindern, sind die Transformatoren auf Filzzwischenlagen festgeschraubt. Um die 4 kV-Spannungsfestigkeit zu gewährleisten, sind die Sicherungselemente auf Hartgewebe montiert. Die Kabelbäume sind entsprechend den Sicherheitsanforderungen zwischen Primär- und Sekundärleitungen aufgeteilt. Die beiden Endstufentransformatoren sind unmittelbar nebeneinander, parallel zur Außenseite angeordnet. Der dritte Transformator sitzt etwas versetzt an der Außenseite.Die Leiterplatte enthält die Spannungsversorgung für die Relais und ist am Bodenblech befestigt. Der Längstransistor ist auf dem Kühlkörper angebracht. Ein allseitiger magnetische Abschluss wird durch Deckbleche erreicht.

Markierverstärker E 190

Technische Daten:

  • Betriebsspannung: 12 V und – 12 V
  • Frequenz des Schüttelgenerators: ca. 400 Hz
  • Verstärkung der Schüttelspannung: zweistufiger symmetrischer Verstärker
  • Ausgangsspannung: einstellbar auf Uss =6V
  • Verstärkungsfaktor: ca. 6…10
  • Markenverstärker: zweistufiger symmetrischer Verstärker
  • Elektronischer Markengeber: Ausführung mit TTL-Schaltkreisen

markierverstaerkerschaltung.jpgAbbildung 22: Schaltplan des Markierverstärkers

Allgemeines:

Der Markierverstärker E 190 mit elektronischem Markengeber ist eine Weiterentwicklung, die im Rahmen des technischen Fortschritts realisiert wurde. Ursprünglich lagen am Eingang des Markierverstärkers Sekunden- und Hyperventilations-Markenimpulse an, die auf mechanische Weise im Getriebe der Registriereinheit erzeugt worden sind.Der neue Einschub dagegen erhält den Markierverstärker und den Markengeber und bildet somit, ebenso wie die anderen Einschübe, funktionell eine in sich abgeschlossene Einheit.

Markierverstärker und Markengeber sind getrennt auf je einer Leiterplatte untergebracht. Im Folgenden wird bei der Beschreibung der gesamte Einschub als Markierverstärker E 190 bezeichnet.

Der Markierverstärker hat folgende Aufgaben:

  • Erzeugung und Verstärkung von Sekunden- und Hyperventilationsmarken sowie Verstärkung von Fotosimulatorimpulsen und Aussteuerung des Direktschreibsystems im Kanal 10.
  • Eine annähernd sinusförmige Wechselspannung von ca. 400 Hz zu erzeugen, die zur Überwindung der Schreibzeigerreibung auf dem Registrierpapier dient.

Die Anstiegsdämpfung ist mit Schüttelfrequenz geringer und das statische sowie das dynamische Verhalten ist besser, sodass Impulse unverfälscht registriert werden können. Kleinstamplituden sind oftmals erst durch die überlagerte Schüttelfrequenz sichtbar zu machen. Die Schwingfrequenz des Generators liegt außerhalb des Übertragungsbereiches und wird deshalb nicht aufgezeichnet.

Folgender Übersichtsplan soll einen Einblick in die Wirkungsweise des Markierverstärkers geben:

Konstruktiver Aufbau:

Der Markierverstärker ist in Einschubbauweise ausgeführt. Die Leiterplatten sind am Einschubrahmen befestigt und enthalten fast alle Bauelemente. Die restlichen Bauelemente sind an der Frontseite des Einschubes angebracht.

Beschreibung des Markierverstärkers:

Der Schüttelgenerator, der aus einem Transistor, einem Schwingkreiskondensator und einer Primärwicklung besteht, erzeugt eine sinusförmige Wechselspannung von ca. 400 Hz.

Um eine weitgehende konstante Schüttelamplitude zu erreichen, wird die Betriebsspannung für den Transistor mit zwei Z-Dioden stabilisiert. Mithilfe eines Drehwiderstands lässt sich der Arbeitspunkt des Transistors so einstellen, dass eine optimale Sinusform erreicht wird. Durch einen Schalter ist der Schüttelgenerator abschaltbar.

Der Markenverstärker ist ein zweistufig galvanisch gekoppelter symmetrischer Verstärker. Die erste Stufe arbeitet in Kollektorschaltung, die zweite Stufe in Emitterschaltung. Mit einem Drehwiderstand lässt sich die Amplitude der Sekundenimpulse einstellen und mit einem weiteren Drehwiderstand die Amplitude des 50 Hz-Bandes bei Ereignismarkierung.

Endverstärker E 188:

Abbildung 23: Schaltplan des Endverstärkers

Technische Daten:

  • Eingangsimpedanz: > 10 kOhm unsymmetrisch
  • Ausgangsimpedanz: < 10 Ohm symmetrisch
  • Amplitudenfrequenzgang: in Verbindung mit Schreibsystem 0…160 Hz ⇐ 1 dB
  • Spannungsbedarf für Vollaussteuerung des Schreibsystems: >= 10 mV
  • Empfindlichkeitseinstellung: fest einstellbar

Allgemeines:

Der Endverstärker E 188 ist ein siebenstufig galvanisch gekoppelter symmetrischer A-Verstärker. Er hat die notwendige Steuerleistung für das niederohmige Direktschreibsystem aufzubringen. Er unterteilt sich in zwei Vorverstärkerstufen, einen 3-stufigen Verstärker, einer Trennstufe und einer Leistungsendstufe. Der Übersichtsschaltplan gibt einen Einblick in die Wirkungsweise des Endverstärkers:

Elektronikteil ET 101/102

elektronikteilschaltplan.jpgAbbildung 24: Allgemeiner Schaltplan des Elektronikteils

Gesamtgerät ET

Allgemeine Betrachtung:

Das in zwei Varianten ausgeführte Elektronikteil ET 101/102 ist auf einem Baukastenprinzip aufgebaut. Beide Varianten unterscheiden sich nur durch die Verwendung des jeweiligen Eingabeteils, da diese Baugruppen schaltungstechnisch entsprechend dem nationalen und internationalen Elektrodenableitprogramm ausgeführt sind.Das Gerät besitzt zehn Kanäle, von denen acht zur EEG-Aufbereitung vorgesehen sind. Der neunte Kanal dient zur Verstärkung von EKG-, Puls- und Atemfrequenzsignalen. Einem weiteren Kanal werden die Impulse des Fotostimulators zugeführt.

Auf der Rückseite des Gerätes befinden sich neben zwei Erdbuchsen, der Netzstecker sowie sämtliche Eingänge und Ausgänge der Messkanäle.

Der Anschluss des EEG-Verteilerkabels erfolgt über einen verschraubbaren Steckverbinder. Ebenfalls verschraubbar wird das Verbindungskabel zwischen Elektronikteil und Registrierteil angeschlossen. Außerdem ist der Anschluss von Zusatzgeräten (z.B. elektronische Speicher) möglich.Eine übersichtliche Anordnung der Bedienelemente auf den Einschüben sowie die ansprechende Symbolik gestatten ein schnelles Bedienen des Elektronikteiles.

Gehäuse G-ET

Das zweietagige Gehäuse ist in Baukastenbauweise ausgeführt und dient zur Aufnahme folgender Baugruppen:

  • Obere Etage: Eingabeteil E 143/E 144, Widerstandsmesser E 162,EEG-Eingabeverstärker E 166,EKG-Eingabeverstärker E 165,Trennstelle 1 V E 154
  • Untere Etage: Ableitungswähler E 150,Testteil E 159/E 160,Sichtteil E 155,Netzteil E 178
Sichtteil E 155

Abbildung 25: Sichtteil

Allgemeine Betrachtung:

Das Sichtteil E 155 ist ein volltransistorisierter Einschub. Er ist deshalb nach wenigen Sekunden einsatzbereit. Die gesamte Schaltung ist auf 3 Leiterplatten untergebracht. Das Gerät ist nach dem Prinzip des Kathodenstrahl-Oszillografen aufgebaut und dient zu Darstellung niederfrequenter biologischer Vorgänge.

Durch eine Einrichtung zur Triggerung ist es auch möglich, aperiodische Vorgänge als stehende Kurve abzubilden. Dabei wird mit dem entsprechenden Schalter die Kippart „positiv getriggert“ oder „negativ getriggert“ eingestellt. Mit einer Schlitzschraube kann der Triggereinsatz verstellt werden. Bei Linksanschlag wird die größte Empfinglichkeit erreicht und mit zunehmender Verdrehung der Schlitzschraube nach rechts wird der Triggereinsatz in Richtung größerer Aussschläge verschoben. Es istweiterhin möglich, bei einer Ablaufgeschwindigkeit von 50 mm/s die Herzfrequenz auf der Skala des Bildschirmes direkt abzulesen.

Konstruktiver Aufbau:

Das Sichtgerät E 115 ist in Einschubbauweise ausgeführt. Die Bedienelemente und Anschlussbuchsen sind bis auf Buchsen für Netzstecker und Masse, die an der Rückwand des Gehäuses sichtbar sind, auf der Frontplatte angeordnet. Das Sichtteil enthält drei Leiterplatten. Das Netzteil ist unter der Oszillografenröhre angebracht. Das Hochspannungsteil und das Kipp-Vertärkerteil sind jeweils seitlich an der Oszillografenröhre angeordnet. Beide Platten sind herausklappbar. Dadurch ist das Gerät servicefreundlich.Beschreibung der Baugruppe:

Leiterplatte Netzteil:

Die Leiterplatte des Netzteils besitzt unter anderem einen Transformator, der die für die Erzeugung der verschiedenen Speisespannungen nötigen Wechselspannungen liefert. Die Heizspannung für die Elektronenstrahlröhre wird direkt von diesem Transformator abgenommen.

Über die Graetzgleichrichtung mit verschiedenen Dioden erhält man eine Spannung von – 20V. Die beiden Z-Dioden sind in ihrer Reihenschaltung auf eine Gesamtspannung von – 16 V /- 0,4V ausgesucht. Ein Kondensator wirkt als Siebkondensator für die auf die Speisespannung rückwirkende Spannungswandlerimpulse. Die Basis des Transistors wird durch einen Kondensator für hohe Frequenzen gegen Masse abgeblockt. Man erhält am Ausgang dieser Schaltung die Speisespannung -15V für das Hochspannungsteil. Die Speisespannungen 12V und -12V für das Kippverstärkerteil werden durch eine Spannungsverdopplerschaltung realisiert. Weiterhin wurde eine Einweggleichrichtung verwendet, um die Speisespannung von 80V für das Hochspannungs- und Kopp-Verstärkerteil zu gewährleisten.

Das Sichtteil ist mit einer lang nachleuchtenden Elektronenstrahlröhre, der Oszillographenröhre, ausgestattet. Sie ermöglicht die Darstellung biologischer Vorgänge (z.B. Herzaktionsspannungen). Periodische Vorgänge werden mit Hilfe der Triggerung als stehende Kurve abgebildet. In Verbindung mit der kalibrierten Ablaufgeschwindigkeit von 50 mm/s kann die Herzfrequenz auf der Skala des Bildschirmes direkt abgelesen werden. Sie Oszillografenröhre erhält die nötigen Spannungen vom Hochspannungsteil. Die Spannung zwischen Faden und Kathode wird auf zulässige Werte herabgesetzt, indem das Potential der Heizspannung hochgelegt wird.

Abbildung 26: Blockschaltbild des Sichtteils

Eingabeteil E 143/E 144

Technische Daten:

  • Betriebsspannungen: /- 24 V, elektronisch geregelt
  • Ausführung: E 143 entsprechend dem nationalen Elektrodenableitprogramm, E 144 entsprechend dem internationalen Elektrodenableitprogramm

Abbildung 27: Blockschaltbild des Eingabeteils

Allgemeine Betrachtung:

Das Eingabeteil dient zur Gleichspannungsentkopplung zwischen dem biologischen Objekt und den Verstärkereingängen. Es stellt die Verbindung zwischen EEG-Verteiler einerseits und dem Ableitungswähler E 150 sowie dem Widerstandsmesser E 162 andererseits her. Weiterhin ist zur Unterdrückung auftretender Störsignale ein zweistufiger Entstörverstärker im Einschub untergebracht und kann durch einen Schalter ein- bzw. ausgeschaltet werden.Die Schaltung befindet sich auf zwei Leiterplatten. Der Einschub selbst ist allseitig abgeschirmt. Sämtliche Messwerte und Signale werden über zwei 31-polige Steckverbinder zu- bzw. abgeführt.

Schaltungsbeschreibung:

Die vom Verteiler kommenden EEG-Signale gelangen über einen Stecker an die 23 Kondensatoren, die in Verbindung mit Widerständen eine RC-Kombination darstellen. Über diese RC-Glieder erfolgt die Gleichspannungsentkopplung. Die Widerstände liegen auf einem gemeinsamen Massepotential.

Um auftretende Störsignale, die durch die unipolare Ableitungen bzw. die unterschiedlichen Elektrodenübergangswiderstände zusätzlich hervorgerufen werden, abzuschwächen, wird ein Entstörverstärker eingesetzt. Dieser bewirkt, dass die Gleichtaktsignale, vom Gleichtaktausgang des EEG-Eingabeverstärkers kommend, verstärkt und über einen Schalter mit einer Phasendrehung von 180° auf den Patient (Ohrelektroden) zurückgekoppelt werden. Dadurch entsteht eine Gegenkopplung. Mit einem weiteren Schalter wird das Gleichtaktsignal gegen Masse abgeleitet und somit die Entstörung außer Betrieb gesetzt.

Zwischen den beiden Anschlussleisten kann eine leicht änderbare Lötprogrammierung vorgenommen und damit ein Teil des Elektrodenableitprogrammes (national oder international) sowie OT-Punkte realisiert werden. Mit dieser Programmierung werden zwei Zentralpunkte aus je maximal zehn Elektroden gebildet, mit den folgenden Umschaltmöglichkeiten:

  • Mit Zentralpunkt 1 (Linksanschlag)
  • Ohne Zentralpunkt (Mittelanschlag)
  • Mit Zentralpunkt 2 (Rechtsanschlag)

Dabei liegen die Widerstände, die zur Entkopplung dienen, mit dem einen Ende an den jeweiligen Ableitpunkten am Verteiler und mit dem anderen Ende auf einem gemeinsamen Potential an einem Stecker.

Über einen Schalter können außerdem die Ohrelektroden auf den Nullleiter und damit auf Erde geschaltet werden.

Folgende Umschaltmöglichkeiten sind gegeben:

  • Ohne Erdung Schalter auf 0
  • Erdung der linken Ohrelektrode Schalter auf 19 (17)
  • Erdung der rechten Ohrelektrode Schalter auf 20 (18)
  • Erdung beider Ohrelektroden Schalter auf 19, 20 (17, 18)
Trennstelle E 154

Technische Daten:

  • Max. Ausgangsspannung: USS =1 V
  • Ausgangsimpedanz: Ra⇐ 25 Ohm
  • Max. Eingangsspannung: U=1 V (DC)
  • Eingangsimpedanz: RE >=50 kOhm

Aufbau und Funktion der Baugruppen:

Die 1 V-Trennstelle ist eine in Einschubbauweise ausgeführte Baugruppe und dient als Ausgabeteil für die im Elektronikteil verstärkten EEG-Signale, die mit einem Spannungspegel von USS =1V anliegen. In der externen Schalterstellung der Schalter für die Kanäle 1-4 bzw. der Schalter für die Kanäle 5-8 werden die Signale, die von externen Speichern, Verarbeitungs- und Überwachungseinrichtungen abgegeben werden, über die 1 V-Trennstelle zum Registrierteil weitergeleitet. In der externen Schalterstellung der o.g. Schalter besteht eine direkte Verbindung für alle 8 EEG-Kanäle zwischen Elektronikteil und Registrierteil. Mit Hilfe des Schalters Sch 3 lassen sich wahlweise alle 8 EEG-Kanäle sowie der 9. Kanal (EKG, Pulse, Respiration) auf den Eingang des Sichtteils E 115 schalten.

Bei der Fehlersuche lässt sich durch Vergleich definierter Signale auf dem Sichtteil und auf dem Registrierpapier feststellen, ob der Fehler im Registrierteil oder im Elektronikteil zu suchen ist.

Ableitungswähler E 149/E 150

Technische Daten:

  • Ableitungswahl: Speichermöglichkeit für 12 Ableitprogramme, davon 8 Programme fest programmiert, 1 Programm von Hand mit Drehschaltern frei wählbar (E 150)
  • Wählerantrieb: Motor mit Steuerautomatik
  • Steuermöglichkeit: Vorlauf – Rücklauf – Stopp
  • Betriebsspannung: Relais 24V, Motor 27 V (AC), Steuerautomatik 12 V
  • Programmierung: durch Schnüre, steckbar
  • Einschubbreite: 240 mm

Abbildung 28: Ableitungswähler

Aufbau und Funktion:

Der Ableitungswähler hat die Aufgabe die Verstärkereinfänge mit den gewünschten Elektroden zu verbinden. Das ist entweder von Hand mit 8 Tandemschaltern oder automatisch für 12 Ableitschemen möglich. Beim Ableitungswähler E 149 besteht nur die Möglichkeit der automatischen Programmwahl.

Der Ableitungswähler beinhaltet folgende Baugruppen:

  • Motorwähler
  • Steuerautomatik
  • Einzelwahl (nur E 150)
Netzteil E 178

Technische Daten:

  • Netzanschluss: 220V /- 10%
  • Netzfrequenz: 50…60 Hz
  • Ausgangsgleichspannung: Ua1 = 24 V, Ua2 =-24 V, Ua3 = 12 V, Ua4 = 24 V (für Relais)
  • Einstellbereich: Ua /- 10%
  • Einstellbarkeit: Ua /- 1%
  • Regelfaktor: = 100
  • Ausgleichsströme: Ia1 =0…160 mA (Dauerlast), Ia2 =0…160 mA (Dauerlast), Ia3 =0…680 mA (Dauerlast), Ia4 =0…325 mA (Dauerlast), Ia41 =450 mA (30 min), Ia42 =850 mA (5 min)
  • Betriebstemperatur: 10°C… 40°C

Allgemeines:

Der Netzteil E 178 dient zur Stromversorgung der Varianten des Gerätesystems „RFT Biomonitor“ sowie des Systems „Bioscript“. Er ist in Einschubbauweise (Baukastensystem) ausgeführt. Die notwendigen Bedienelemente befinden sich auf der Fronplatte. Aus- und Eingangsspannungen werden über einen 31-poligen Steckverbinder an der Rückseite des Einschubes hinein- bzw. herausgeführt.Da die vorgesehenen Verbraucher grundsätzlich mit geregelten Spannungen gespeist werden, ist der Netzteil optimal elektronisch stabilisiert.Die gewonnenen 4 Ausgangsspannungen werden galvanisch getrennt aus dem Einschub herausgeführt.

Die Regelschaltungen selbst sind volltransistorisiert und auf zwei steckbaren Leiterplatten angeordnet. Diese Leiterplatten können nach Lösen je einer M3-Schraube aus dem Gehäuse herausgezogen werden.

Beschreibung der Schaltung:

Der Netztransformator liefert sekundärseitig die zur Weiterverarbeitung benötigten Niederspannungen. Zwischen Primär- und Sekundärwicklungen befindet sich zum Zwecke einer zuverlässigen galvanischen Trennung noch eine zusätzliche Schutzwicklung.Die nachfolgenden vier Regelschaltungen sind prinzipiell gleich aufgebaut. Die unterschiedlichen Ausgangsspannungen und Belastbarkeiten werden lediglich durch unterschiedliche Dimensionierung bestimmter Bauelemente bzw. durch einen zusätzlichen Transistor realisiert.Bei der weiteren Beschreibung soll deshalb nur auf eine Regelschaltung eingegangen werden.Nach der Gleichrichtung (Graetzschaltung) und Siebung gelangt die Gleichspannung an den Eingang der Regelschaltung.

Im gegebenen Fall handelt es sich um einen sogenannten Serienregler, der sich im Gegensatz zu anderen Stabilisierungsschaltungen dadurch auszeichnet, dass die Verlustleistung im Regeltransistor erst mit steigender Belastung der Strecke zunimmt. Über den Spannungsteiler wird ein proportionaler Teil der Ausgangsspannung (Probe) abgegriffen und mit der an einer Z-Diode stehenden Referenzspannung verglichen.

Ein Transistor verstärkt die Differenz beider Spannungen. Diese verstärkte Differenzspannung wird am Kollektor abgegriffen und dem Stellglied zugeführt. Ein weiterer Transistor arbeitet als Gleichspannungsverstärker. Als eigentlicher Stelltransistor fungiert ein dritter Transistor. Um den Anforderungen hinsichtlich des Regelfaktors und des Innenwiderstandes besser gerecht zu werden, befindet sich im Eingangsstromkreis ein sogenannter Vorregler.

Ein durch die Z-Diode stabilisierter Teil der Eingangsgleichspannung wird über einen Spannungsteiler abgegriffen und der Basis von eines Transistors zugeführt. Da dieser Transistor als Arbeitswiderstand für den Regeltransistor geschaltet ist, erhält man dadurch einen konstanten Arbeitsstrom für das Stellglied.Spannungsänderungen am Eingang bleiben somit ohne wesentliche Auswirkung auf das Stellglied.

Vorhandene Restwelligkeitsanteile, Impulse o.ä. würden im Stellglied mitverstärkt und u.U. die Regelstrecke zum Schwingen bringen. Ein Kondensator wirkt dieser Schwingneigung entgegen.

Sämtliche in den nachfolgenden Verbrauchern vorkommenden Relaisbetriebsspannungen ( 24V) werden getrennt erzeugt. Damit werden alle übrigen Betriebsspannungen von Schaltimpulsen freigehalten. Diese Maßnahme dient der Erhöhung der Betriebssicherheit der nachgeschalteten Verbraucher.

Weiterhin wird die 220 V-Netzeingangsspannung nach einem Schalter abgegriffen und an Stecker geführt. Dadurch können im Bedarfsfall zwei oder mehrere Netzteileinschübe parallel betrieben werden. Diese Notwendigkeit besteht in erster Linie beim Einsatz des Netzteiles im Rahmen des „Bioscript“-Systems. Die Vielzahl der Verbraucher kann hier oftmals die Ausgangsleistung eines Netzteiles überschreiten.

Testspannungseinschub E 159/169

Technische Daten:

  • Abmessungen: Breite 60 mm, Höhe 202 mm, Tiefe 260 mm
  • Betriebsspannung: /- 12 V elektronisch geregelt
  • Oszillatorfrequenz: 8 kHz
  • Erzeugte Spannung: ca. 300 V
  • Prinzip der Spannungsverdopperschaltung: Kaskadenschaltung

Allgemeine Betrachtung:

Der Testspannungsgenerator hat die Aufgabe, eine Spannung bereitzustellen, die zur Funktionskontrolle und Empfindlichkeitseinstellung der Verstärker dient. Die wichtigsten Voraussetzungen für ein sicheres Funktionieren sind:

  • Eine konstante Ausgangsspannung
  • Eine sehr geringe Temperaturdrift
  • Eine geringe Abweichung der Werte der Bauelemente vom Nennwert

Der Testpannungsgenerator ist volltransistorisiert und in Druckschaltungstechnik ausgeführt.

Um eine Einstreuung von Störsignalen auf die anderen Baugruppen (Verstärker) zu vermeiden, werden der Oszillator und die Spannungs-Verdopplerschaltung zusätzlich allseitig abgeschirmt. Weiterhin befinden sich auf der Leiterplatte acht Widerstandsgruppen, mit denen in Verbindung mit einem Schalter die Empfindlichkeit aller acht EEG-Verstärker simultan verändert werden kann. Beide Testspannungseinschübe (E 159/E 160) unterscheiden sich nur in einem Teiler.

Eine externe Blockierung des gesamten Elektronikteiles und des Registrierteils ist ebenfalls durch Schalter möglich. Sämtliche Bedienelemente sind übersichtlich auf der Frontseite des Einschubes angebracht.

Widerstandsmesser E 162

Technische Daten

  • Betriebsspannung: 12 V, elektronisch geregelt
  • Messbereich: 0…unendlich
  • Messfehler: /- 10% zwischen 5 und 100 kOhm
  • Brückenspannung: Sinusförmige Wechselspannung f= 50 Hz, gewonnen durch gleichspannungsgespeiste Oszillatorschaltung, Amplitude einstellbar
  • Abmessungen: 80 mm x 200 mm x 260 mm
  • Kalibrierung: Durch Einschalten eines 50 kOhm Präzisionswiderstandes, Markierung bei 50 kOhm auf der Skale

Allgemeine Betrachtung:

Im Widerstandsmesseinschub sind zwei unabhängig voneinander funktionierende Schaltungen untergebracht, der Widerstandsmesser und der Impulsverstärker. Auf der Frontseite des Einschubs befinden sich der Betriebsartenschalten, die beiden Elektrodenwahlschalter sowie das zur Anzeige des Widerstandwertes benötigte Gleichstrominstrument. Beide Schaltungen beeinflussen sich gegenseitig nicht, da der Widerstandsmesser in den Stellungen „CMR“, „A 1“, „A 2“ des Betriebsartenschalters arbeitet und in der Stellung „REC“ blockiert wird, wohingegen der Impulsverstärker nur in der Stellung „REC“ betriebsbereit ist.

Neben einer Widerstandsmessung am Einschub E 162 besteht die Möglichkeit, eine externe Messung direkt am EEG-Verteiler vorzunehmen. Dadurch wird die für den gesamten Messvorgang benötigte Zeit verringert und darüber hinaus eine Kontrollmöglichkeit geschaffen.

In der Stellung „A 2“ des Betriebsartenschalters am Widerstandsmesser wird auf externe Messung (am Verteiler) und in der Stellung „A 1“ auf interne Messung (am Einschub) geschaltet. Die Widerstandsmessung selbst erfolgt in beiden Betriebsfällen mit der Widerstandsmessschaltung im Einschub E 162. Die Skale des Anzeigeinstrumentes ist in ein grünes und in ein rotes Feld aufgeteilt. Bei der Kontrolle des Elektrodenübergangswiderstandes ist darauf zu achten, dass sich der Zeiger nur im Bereich des grünen Feldes bewegt. Der Elektrodenübergangswiderstand hat an der Grenze zwischen beiden Skaleteilen den Wert von 50 kOhm. Bei Rechtsanschlag des Zeigers geht der Widerstandswert gegen Unendlich, bei Linksanschlag gegen Null.

Die Aufgabe des Impulsverstärkers ist, ca. die bei der Fotostimulation verwendeten Lichtblitze, die von einer Fotodiode aufgefangen werden, zu verstärken und diese für die Registrierung aufzubereiten. Die Fotodiode befindet sich am EEG-Verteiler und ist in einem Schalter untergebracht.

Beide Schaltungen, sowohl der Widerstandsmesser als auch der Impulsverstärker sind volltransistorisiert, in Druckschaltungstechnik ausgeführt und auf einer gemeinsamen Leiterplatte untergebracht. Betriebsartenschalter, Elektrodenwahlschalter und Messinstrument sind übersichtlich auf der Frontplatte angeordnet.

EKG-Verstärker E 165

Technische Daten

  • Betriebsspannung: 24 V, - 24 V elektronisch geregelt, 20 mA; 24 V (R) Relaisspannung
  • Ausführung: Differenzverstärker mit symmetrischem Eingang und unsymmetrischem Ausgang
  • Eingangsspannung: >= 1 mV
  • Ausgangsspannung: 1 V abgleichbar
  • Eingangswiderstand: >= 10 MOhm
  • Ausgangswiderstand: ⇐ 25 Ohm
  • Zeitkonstante: 1,5 s 30%
  • Frequenzbereich: 0…2000 Hz /- 3 dB
  • Frequenzblende: 30 Hz (-3…-5 dB) frontseitig bedienbar
  • Rejektionsfaktor: >= 1000 (bei f=50…60 Hz)
  • Störspannung: ⇐ 20 µV (bei Ra >0 2 kOhm, auf den Eingang bezogen)

Allgemeine Betrachtung:

Die Aufgabe des EKG-Verstärkers besteht darin, die vom Patienten abgeleiteten Aktionsspannungen von ca. 1mV zum Zwecke der Weiterverarbeitung etwa 1000fach zu verstärken. Die wichtigsten Forderungen, die ein solcher Verstärker erfüllen muss, sind:

  • Guter Rejektionsfaktor
  • Hoher Eingangswiderstand
  • Eingangsseitiger Schutz gegen auftretende Überspannungen

Der Rejektionsfaktor liegt in der vorliegende Schaltung bei 1000. Aufgrund der in der Eingangsstufe eingesetzten Sperrschichtfeldeffekttransistoren hat der Eingangswiderstand einen Wert von 10 MOhm. Der geforderte eingangsseitige Schutz gegen Spannungen, die das Potential des Nutzsignals weit überschreiten, wird durch eine entsprechende Diodenschutzschaltung realisiert. Der EKG-Eingabeverstärker ist volltransistorisiert und in Druckschaltungstechnik ausgeführt. Die Leiterplatte ist im Einschub untergebracht. Sämtliche Betriebsspannungen werden über einen 31-poligen Steckverbinder zu- bzw. abgeführt.

EEG-Verstärker E 166

Technische Daten:

  • Betriebsspannung: 24 V, - 24 V elektronisch geregelt, 20 mA; 24 V (R) Relaisspannung
  • Eingangswiderstand: >= 10 MOhm
  • Max. Eingangsspannung: 32 mV(geringste Empfindlichkeit)
  • Störspannung: ⇐ 4 µVss
  • Rejektionsfaktor: >30000
  • Verstärkung: >40000
  • Frequenzbereich: 0,2 bis 10000 Hz /- 3 dB
  • Zeitkonstanten: 0,7 s; 0,3 s; 0,1 s; 0,01 s; /- 30%
  • Ausgangswiderstand: < 25 Ohm
  • Frequenzblenden: 15 Hz; 30 Hz; 70 Hz; 200 Hz (-2…-4 dB)
  • Max. Ausgangsspannung: 4 Vss
  • Lastwiderstand: > 2 kOhm

Allgemeine Betrachtung:

Die Aufgabe des EEG-Verstärkers ist es, das Signal (EEG) soweit zu verstärken, dass am Ende eine Spannung zur Darstellung bereitsteht, die es ermöglicht, die Änderungen des zustandsabhängigen Potentialfeldes der Hirnnervenzellen zu beurteilen. Die von der Kopfhaut des Patienten abgeleiteten bioelektrischen Aktionsspannungen liegen etwa in dem Bereich von 10 µV…250 µV.Um mit derart niedrigen Spannungswerden ein Direktschreibsystem aussteuern zu können, macht sich eine Leistungsverstärkung um den Faktor 3*1014 und eine Spannungsverstärkung um den Faktor 105 bis 106 erforderlich.

Weitere Forderungen, die an solch einen hochwertigen Verstärker gestellt werden, sind:

  • Ein sehr guter Rejektionsfaktor (>= 10000)
  • Ein hochohmiger Eingangswiderstand (>= 10 MOhm)
  • Eine konstante Verstärkung
  • Eine sehr gute Temperaturstabilität

Bei der vorliegenden Schaltungsvariante konnten diese Bedingungen erfüllt werden. Der EEG-Verstärker ist volltransistorisiert und in Druckschaltungstechnik ausgeführt. Die Leiterplatte ist im Einschub untergebracht. Sämtliche Bedienelemente sind übersichtlich auf der Frontplatte angeordnet. Alle Signale, Messwerte und Betriebsspannungen werden über einen 31-poligen Steckverbinder zu- bzw. abgeführt.

Testteil EEG E 161

Technische Daten:

  • Betriebsspannung: /- 12 V elektronisch geregelt
  • Oszillatorfrequenz: ca. 8 kHz
  • Abgegebene Testspannungen: UT = 0,2; 0,5; 1; 2; 5; 20 V
  • Mit Teilungsfaktor 1: 20 000auf die Verstärkereingängebezogen ergeben sich die Werte: UT = 10; 25; 50; 100; 250 µV; 1mV
  • Verstärkungsfaktor: Simultane Umschaltung von Verstärkungsfaktor und zugehöriger Testspannungsstufe, sodass jeweils die Empfindlichkeitsstufen für alle 8 Verstärker E 164 realisiert werden.
  • Blockierung: Zentrale Blockierung für Elektronik- und Registrierteil mit vertikal bedienbarem Schalter

Allgemeine Betrachtung:

Das Testteil stellt eine Testspannung simultan zur zugehörigen vorgewählten Verstärkungsstufe dar 8 EEG-Verstärker E 164 zur Verfügung.Gleichzeitig erfolgt die stufenweise Umschaltung der Verstärkung der 8 Verstärker.Die Testspannung wird mit einem Gleichspannungswandler erzeugt, der einen symmetrischen, umschaltbaren Spannungsteiler speist.Die Auslösung der Testimpulse erfolgt über eine vertikal bedienbare Taste.Der Testspannungsgenerator ist volltransistorisiert und in Druckschaltungstechnik ausgeführt.

Um eine Einstreuung auf andere Baugruppen zu vermeiden, ist für den Gleichspannungswandler eine getrennte, magnetisch und elektrostatisch wirksame Abschirmung innerhalb des Einschubes vorhanden. Mit Schaltern ist eine externe Blockierung des Gesamtgerätes möglich.

Stativ STB 102/STB 103

Technische Daten:

  • Temperaturbereich für Transportund Lagerung: -25°C… 55°C
  • Isolation: Ris > 1 * 1010 Ohm zwischen allen Leitungen und Masse
  • Stativhöhe: 1800 mm
  • Rohrdurchmesser: 30 mm
  • Eingänge: EEG 23 Einzelbuchsen, EKG 1 (für Patientenleitung), Puls 1 (für Pulsabnehmer), Atmung 1 (für Atemwandler), EMG 2 Einzelbuchsen
  • Messbereich Elektrodenübergangswiderstand: 10 bis 50 kOhm
  • Messfehler: /- 10% bis 50 KOhm

Abbildung 29: Stativ

Aufbau und Funktion:

Das EEG-Stativ ist zur Aufnahme des EEG-Anschlussfeldes bestimmt und dient vorwiegend der EEG-Ableitung von sitzenden Patienten. Stativ STB 102 enthält das EEG-Anschlussfeld für das in der DDR verbindliche Elektrodenlage-System. Stativ STB 103 enthält das EEG-Anschlussfeld für das international gebräuchliche Elektrodenlage-System. Beide Stative sind mit verscheidenen Ablagen für Ableitzubehör ausgerüstet. An das EEG-Anschlussfeld werden die einzelnen Ableitschnüre und -kabel der EEG-Elektroden, EKG-Elektroden und Wandler angesteckt.

Weiterhin ist es mit den notwendigen Einrichtungen zur Messung des Patienten und Elektrodenübergangswiderstandes für EEG ausgerüstet und mit dem Gerät über ein kabel verbunden. Die Anordnung der Buchseln zur Aufnahme der EEG-Ableitungsschnüre entspricht in stilistischer Form den EEG-Elektroden auf den Kopf des Patienten.

Die Frontplatte des Anschlussfeldes ist je nach dem verwendeten Ableitschema in ein nationales oder internationales Lageschema ausgeführt. Zum Anschluss von EKG-Elektroden und Wandler sind 4 Eingänge vorhanden:

  • 2 Buchsen zum Anstecken von 2 mm-Stecker (ähnlich Ableitschnüre), dieser Eingang ist für EMG vorgesehen
  • Ein sechspoliger Steckverbinder für den Anschluss von Wandlern, dieser Eingang ist für Puls vorgesehen
  • Ein 11-poliger Steckverbinder zum Anschluss einer normalen EKG-Patientenleitung
  • Ein 11-poliger Steckverbinder zum Anschluss eines Atemfrequenzwandlers

Das Anschlussfeld enthält weiterhin zur Aufnahme von Lichtblitzen (Fotostimulation) und deren Umwandlung in elektrische Signale ein fotoelektrisches Wandlerelement . Die Kontrolle des Elektrodenübergangswiderstandes ist mit Hilfe des eingebauten Instrumentes möglich. Beide Funktionen sind mittels Umschalter nur wahlweise benutzbar. Die Auswahl der zu messenden EEG-Elektrode kann ebenfalls durch zwei Schalter am Anschlussfeld erfolgen.

Vorbereitung eines EEG-Ableitvorgangs:

einsatzbst12.jpgAbbildung 30: Klinische Anwendung des Bioscript BST 1

Vorbereitung des Anschlussfeldes und des Patienten:

gummibandhaube.jpgAbbildung 31: Gummibandhaube am Kopf des Patienten

Vor Beginn der Ableitung müssen zunächst die Ableitschnüre in die Buchsen des EEG-Anschlussfeldes gesteckt werden, wobei für die Ohrelektroden längere Schnüre vorgesehen sind. Anschließend muss des Patienten die Gummibandhaube angelegt werden. Als nächstes muss das EEG-Anschlussfeld durch Verschieben an der Stativsäule, Schwenken in der Vertikalen und Verschieben in der Horizontalen in eine günstige Lage zum Patientenkopf gebracht werden. Die Nähe des Anschlussfeldes zum Kopf ist wichtig, um Verlust durch unnötig lange Leitungen möglichst zu verringern. Nun werden die Elektroden nach dem gewünschten Anleitschema an der Gummibandhaube befestigt und die Ableitschnüre mit den Elektroden verbunden. Dabei gilt es allgemein bestimmte Hinweise zu beachten: Zum einen sollten die Ableitschnüre zwischen Patient und Anschlussfeld locker hängen, damit geringfügige Bewegungen des Patienten keine Kontaktstörungen verursachen. Darüber hinaus soll die Kontaktfläche der verwendeten Elektroden mit Leinen überzogen sein. Durch Eintauchen der überzogenen Elektroden in Kochsalzlösung wird für die Dauer einer EEG-Ableitung ein gleichbleibender, möglichst geringer Übergangswiderstand zwischen Elektrode und Kopfhaut erreicht, weshalb die Elektroden sehr sorgfältig anzubringen sind.

Vorbereitung von Kohle- und Registrierpapier:

zeigereinstelllehre.jpgAbbildung 32: Geöffnete Registriereinheit

Zum Einlegen des Kohlepapiers muss zunächst der Deckel der Registriereinheit mit einem Hebel bis zum Anschlag nach oben geschwenkt werden, wodurch der Deckel arretiert. Dann muss das Abdeckblech vom Magnet abgedrückt werden und der Aufwickeldorn zur federnden Lagerstelle gedrückt und herausgenommen werden. Nun muss der Verbrauchte Kohlepapier-Wickel abgezogen und die Halbschale sowie der Vorratsdorn herausgenommen werden. Die Leere Papprolle muss nun gegen eine neue Kohlepapier-Rolle ausgetauscht und Vorratsdorn und Aufwickeldorn wieder eingesetzt werden. Vom Anfang des Kohlepapiers müssen nun 25cm umgeschlagen werden, wobei die Pigmentschicht innen liegen muss. Dies muss dann um den Aufwickeldorn gelegt werden und die Halbschale wieder angedrückt werden. Am Ende muss das Abdeckblech wieder geschlossen werden.Beim Einlegen des Registrierpapiers muss ebenfalls zunächst der Deckel der Registriereinheit geöffnet werden. Dann müssen Faltpapierbremse und Andruckhebel nach links geschwenkt werden. Nun wird das Registrierpapier u-förmig und symmetrisch in den Registrierpapier-Vorratskorb eingelegt werden. Zum Schluss werden Andruckhebel, Deckel und Faltpapierbremse wieder in die Ausgangsstellung gebracht.

RFT BIOSCRIPT BST 2100

Abbildung 33: RFT Bioscript BST 2100 8) Auf Grundlage des RFT Bioscripts BST 1 erfolgte im Jahr 1985 eine Weiterentwicklung zu dem „ RFT Bioscript BST 2100“ (Abbildung 33) ebenfalls von dem Hersteller „VEB Messgerätewerk Zwönitz“. Der Einsatz findet sich in der klinisch-neurophysiologischen Diagnostik zur Registrierung eines Spontanelektroenzephalogramms wieder. Auf Basis dieser kann eine EEG-Analyse durchgeführt werden. Der BST 2100 kann evozierte Potentiale ableiten, aufbereiten und registrieren. Zur Ausstattung gehört ein integrierter Mosaikdrucker, ein integrierter Foto-Fono-Stimulator und ein Zweikanal-Memoryscope MS 2100 (Sichtgerät). Die Kurvenverläufe jedes einzelnen EEG-Kanals über der Zeit können nicht gespeichert werden, sondern werden direkt mit Hilfe des integrierten Mosaikdruckers auf Papier gedruckt. Somit ist keine nachträgliche Datenverarbeitung möglich. Zusätzlich ist ein elektronischer Programmspeicher für 24 frei wählbare Ableitprogramme vorhanden. Davon kann auf 16 Standardprogramme einschließlich Testprogramme zurückgegriffen werden. Weitere 8 Programme können individuell für Kanäle 1…8 editiert und gesichert werden. Durch geeignete Programmwahl können Standardableitungen, toposelektive (Quellen-)Ableitungen und Zentralpunktableitungen registriert werden. 8)

Allgemeine Daten

Der Bioscript BST 2100 ist 850mm x 600mm x 810mm (Breite x Tiefe x Höhe) groß und hat eine Masse von etwa 105kg. Er besitzt auf der Oberseite ein 16stellig einzeiliges numerisches Display für Betriebs- und Patientendaten. Der Anschluss der Netzspannung befindet sich auf der Rückseite und soll mit einer Spannung von 220V ±22V/50Hz (Sonderausführung 110V ± 11V/60Hz) eingespeist werden. Der selektive Netzsperrfilter beträgt somit 50 bzw. 60Hz ± 1Hz. Der selektive Netzsperrfilter sorgt dafür, dass die 50 bzw. 60 Hz der Netzspannung nicht im EEG-Signal auftreten und es damit zu keiner Verfälschung kommt. Ebenfalls auf der Rückseite befindet sich ein Anschluss für Kopfhörer und Lautsprecher sowie ein Lautstärkeregler. Die optimale Umgebungstemperatur für den Betrieb liegt zwischen 5… 45°C. Der Bioscript BST 2100 darf nur bei einer maximal zulässigen relativen Luftfeuchtevon 85% bei 30°C in Betrieb genommen werden. Er wird der Schutzklasse II und Anwendungsklasse B zugeordnet und ist schutzisoliert.

Die maximale Eingangsspannung (DC) beträgt 1V mit einer Eingangsimpedanz >50kΩ. Die maximale Ausgangsspannung liegt bei 1V mit einer Ausgangsimpedanz von <25Ω. Die Ein- und Ausgänge besitzen eine Leistungsaufnahme von etwa 350VA.

Technische Daten

Anzahl der Kanäle:

  • EEG: 8
  • EKG, Puls- oder Atemkurve: 1
  • Zeit-, Ereignis-, Hyperventilationsmarken und Stimulatorimpulse: 1

Eingänge:

  • EEG: 23
  • Universalkanal: 4, umschaltbar
  • Impedanz: 10MΩ, symmetrisch
  • Gleichtaktunterdrückung: 120dB

EEG-Kanäle:

  • Empfindlichkeit: 10…1000µV/cm (8 Stufen)
  • Frequenzblenden: 15, 30, 70, 200, 2000Hz
  • Zeitkonstanten: 0,001; 0,01; 0,1; 0,3; 1,5s
  • Störspannung U: < 4µV
  • Testspannung: 10…1000µV, den Empfindlichkeitsstufen zugeordnet

Universalkanal:

  • Empfindlichkeit: 0,5; 1; 2mV/cm (EKG) bei Puls- und Atemkurven x 1/30
  • Frequenzblenden: 30, 2000Hz
  • Zeitkonstante: 2,2s; 4 weitere Zeitkonstanten für Pulskurve am EEG-Anschlussfeld; einschaltbar
  • Störspannung: < 20µV
  • Testspannung: 1mV

Widerstandsmessung:

  • Differenz- und Absolutwertmessung

Registrierteil:

  • Schreibverfahren: Pigmentschrift
  • Registrierpapier-Ablaufgeschwindigkeiten: 2,0; 7,5; 15; 30; 60mm/s
  • Schreibbreite (Kanal 1…9): ± 12mm
  • Frequenzbereich: 0…80Hz (± 10%)
  • Registrierpapier: Faltbuch; 500 Blatt je 300mm lang, 240mm breit
  • Kohlepapier: Rolle, 50m lang, 240mm breit

Markierung:

  • 1s, Ereignis, Hyperventilation (30s), Stimulator und 2-s-Segmente

Anschlussfeld

Abbildung 34: Anschlussfeld mit Kopfelektroden verbunden 8) Im EEG-Anschlussfeld erfolgt eine Impedanzwandlung und 10fache Verstärkung der Elektrodenpotentiale. Durch hochisolierte Verstärkungseingänge wird eine erhöhte Patientensicherheit gewährleistet.

Beim Anschalten des BST 2100 sind EEG-typische Parameter automatisch eingestellt. Die Betriebsparameter des EEGs Empfindlichkeit, Zeitkonstanten und Frequenzblenden werden auf Kanal 1…8 registriert und sind simultan und einzeln schaltbar. Die Ableitungen erfolgen nach dem 10-20-System, welches in Abbildung 35 auf dem Anschlussfeld abgebildet ist. Auf Messkanal 9 können die Betriebsparameter Empfindlichkeit und Frequenzblende des EKGs aufgenommen werden sowie Atem- und Pulskurve. Die Registration von Zeitmarken, Ereignismarken, Hyperventilationsmarken, Sekundenabstand und Foto-Fono-Stimulatorimpulse erfolgt auf dem 10. Messkanal. Alle 10 Kanäle arbeiten simultan. In Abbildung 34 ist der fertige Messaufbau dargestellt bei dem die Elektroden mit dem Anschlussfeld verbunden sind.

Mögliche Störungen in der Netzfrequenz werden durch selektive Filter unterdrückt. Auf dem Display wird die Impedanz der Elektroden wiedergegeben. Die Aufzeichnung erfolgt als Wechselspannungsband. Die Eingabe der Bedienbefehle wird mit lichtemittierenden Dioden in den Drucktasten bestätigt. Eine regelmäßige Überprüfung der Hard- und Software wird mit einem internen Systemcheck ausgeführt.

Abbildung 35: Anschlussfeld nach dem 10-20-System 8) .

Pigmentschrift

Die Pigmentschrift, mit der die Kurven aufgezeichnet werden, ist robust und ökonomisch. Dies ist in Abbildung 36 dargestellt. Sie liefert ein klares und scharfes Schriftbild bei allen Papiergeschwindigkeiten. Außerdem sind rechtwinklige Koordinaten verzeichnet.

Abbildung 36: Aufzeichnen der EEG-Verläufe 8)

Display

Durch numerische Eingabe können allgemeine Betriebsparameter, Betriebsparameter der EEG-Analyse, Averager und Foto-Fono-Stimulator sowie Patientendaten den Kanälen zugeordnet werden. Die Betriebsparameter der einzelnen Kanäle können anschließend ebenfalls durch numerische Eingabe abgerufen werden. In Abbildung 37 ist das angeschaltete Display mit dem Tastenfeld zu sehen.Abbildung 37: Display mit Bedienfeld 8)

Technische Daten:

  • Allgemeine Betriebsparameter:Kanal-Nummer, EEG-Empfindlichkeit,Zeitkonstante, Frequenzblende, Elektrodenkombination, Elektroden-Übergangswiderstand, Timer Hyperventilation
  • Arbeitsstand EEG-Analyse:Segmentanzahl,Kanal-Nummern,Analyse-Nummer
  • Arbeitsstand Averager:Kanal-Nummern,Anzahl der Überlagerungen,Vorverzögerung,Länge der Zeitbasis
  • Betriebsparameter Foto-Fono-Simulator:Blitz-, Click-Frequenz,Abstand Doppelblitze,Lautstärke Click
  • Patientendaten:​ ​​​​​​EEG-Nummer,Personenkennzahl,Datum
  • Systemcheck
  • Hinweis auf Fehlbedienung

Foto-Fono-Stimulator

Der Foto-Fono-Stimulator ist ein akustischer Click-Stimulator, welcher zur Provokation evozierter Potentiale des Hirnstamms genutzt wird. Mit Hilfe eines Rauschgenerators wird bei dem gegenüberliegenden Ohr ein Rauschsignal angelegt. Die Steuerung erfolgt über einen externen Stimulator. In Abbildung 38 ist eine EEG-Messung mit einem daneben stehenden Foto-Fono-Stimulator verdeutlicht. Abbildung 38: EEG-Aufzeichnung mit Foto-Fono-Stimulator 8)

Technische Daten - Fotostimulator

  • Einzel- und Doppelblitzen
  • Blitzfrequenz: 1…50Hz
  • Doppelblitzabstand: 6…999ms
  • Blitzenergie: 0,3; 0,6; 1,2Ws
  • Blitzlampe: Xenon-Blitzröhre, weiß

Technische Daten - Fonostimulator:

  • Folgefrequenz für Klicklaut: 1…50Hz
  • Impulsdauer: 100µs
  • Lautstärke: 0… 90dB
  • Schallquelle: Kopfhörer (mit Rechts-Links-Umschaltung und Rauschmaskierung); Lautsprecheranschluss 5W/4Ω

Zweikanal-Memoryscope MS 2100 (Sichtgerät)

Mit Hilfe des Sichtgeräts werden zwei der neun Signalkanäle als Bewegbild oder Standbild dargestellt, siehe Abbildung 39. Dazu dienen die Drehknöpfe „A“ und „B“ am unteren Rand des Geräts. Neben dem oberen schwarzen Bildschirm kann die Amplitude des jeweiligen Kanals vergrößert bzw. verkleinert werden. Außerdem kann zwischen Analog- und Averagerbetrieb unterschieden werden. Die Signalfrequenz im Analogbetrieb kann mit dem linken Drehregler eingestellt werden. Des Weiteren können evozierte Reizantwortpotentiale abgebildet werden.

Auf der Rückseite des Sichtgeräts befindet sich der Anschluss der Netzspannung.Abbildung 39: Sichtgerät 8)

Technische Daten:

  • Anzahl der Kanäle: 2
  • Netzspannung: 220V
  • Analogbetrieb:​​​​​Ablenkfaktor: 44mm/V ± 5%,Signalfrequenzbereich: 0…36Hz bei 60mm/s, 0…72Hz bei 30mm/s,Nulllageverschiebung: ca. ± 20mm,Signalauflösung: vertikal 8bit pro Kanal, horizontal 10bit, Laufbildgeschwindigkeit: 0/30/60mm/s umschaltbar
  • Averagerbetrieb:Signalauflösung: vertikal 8bit pro Kanal, horizontal 7bit
  • Leistungsaufnahme: ca. 55W
  • Abmessungen (Breite x Tiefe x Höhe): 280mm x 320mm x 190mm
  • Masse: 10kg

EEG-Analyse

Abbildung 40: Analyse des EEG-Signals 8) Die EEG-Analyse wird mit einer zweikanaligen On-line-Spektralanalyse durchgeführt. Dafür wird immer über einen Zeitraum von 2s eine Fouriertransformation berechnet. Diese erfolgt mit beliebiger Kanalwahl nach dem Prinzip der parametrischen Modellierung und der Segmentanzahl, welche analysiert werden sollen. Dadurch werden die Leistungsdichtespektren ermittelt, die spektrale Leistungsdichte der Frequenzbänder in Prozent sowie die mittleren Amplituden. Der BST 2100 kann die Ergebnisse von maximal 10 Analysen speichern und diese grafisch-alphanumerische ausgeben. Ein Beispiel für eine EEG-Analyse ist in Abbildung 40 dargestellt.

Technische Daten:

  • Anzahl der Analysen: maximal 10
  • Anzahl der Analysesegmente: 0…99
  • Segmentierung: 2-s-Intervalle mit Artefaktausblendung
  • Frequenzbereich: 0,5…25Hz
  • Kanalanzahl: 2, wählbar

Evozierte Potentiale

Evozierte Potentiale sind gezielt hevogerufene Potentialunterschiede durch ein Sinnesorgan. 9) Bei diesen wird ein Averaging mit beliebiger Kanalwahl, der Überlagerungsanzahl und der Zeitbasis durchgeführt. Die evozierten Potentiale, inklusive der akustisch evozierten Potentiale des Hirnstamms, werden abgeleitet und aufbereitet. Wie bereits bei der EEG-Analyse erfolgt auch bei den evozierten Potentialen eine Artefaktausblendung. Auch die Ausgabe geschieht grafisch-alphanumerisch über einen internen Drucker.

Technische Daten:

  • Zeitbasis für 1 Abtastintervall: 10…50ms und 50…999ms ein-, zweikanalig
  • Anzahl der Überlagerungen: 1…9999 8)

Vergleich der Bestandteile

In der nachfolgende Tabelle sind die Bestandteile des BST 101/102/103 und des BST 2100 aufgeführt. In Kursiv sind die wesentlichen Unterschiede dargestellt zur einfacheren Vergleichbarkeit.

Tabelle 2: Vergleich der Bestandteile des BST 101/102/103 mit dem BST 2100

BST 101/102/103 10)BST 2100 8)
25 Bügelelektroden mit Ableitschnüren, 30 Plattenelektroden mit Ableitschnüren, 2 Ohrelektroden……………………………………………………………………..………………………..…… 1 EEG-Kopfeinheit bestehend aus 3 Medicor-Rundgummihauben verschiedener Größen, 26 Medicor-EEG-3-Punktelektroden mit Ableitschnur, 26 Medicor-EEG-Ag/AgCl-Elektroden mit Ableitschnur, 5 Tuben Elektrodengel, 2 Ohrelektroden
Plättchenelektrode (Silberelektrode): Durchmesser 8mm; mit befestigte Anschlussleitung 0,75m lang; Applikation mittels Klebens oder KopfhaubePlättchenelektrode (Silberelektrode): Durchmesser 8mm; mit Anschlussleitung 0,5m lang; Applikation durch Kleben oder mit Kopfhaube
Nadelelektroden: (12 Stück); 24mm lang; Durchmesser 0,5mmNadelelektroden: (12 Stück); 24mm lang; Durchmesser 0,5mm
Nadelelektrodenleitung: 1/1 polig zwischen Nadelelektroden und EEG-Anschlussfeld; 0,5m langNadelelektrodenleitung: 1/1 polig zwischen Nadelelektroden und EEG-Anschlussfeld; 0,5m lang
Kopfhaube: 2 Stirnbänder, 10 Querbänder, 21 KnöpfeKopfhaube: 2 Stirnbänder, 10 Querbänder, 21 Knöpfe
1 Patientenleitung1 Patientenleitung
Div. SchalenDiv. Schalen
Foto-Stimulator1 Blitzlampe mit Ersatzröhren und -milchglasscheibe
1 Registrierpapier-Auffangkorb1 Registrierpapier-Auffangkorb
3 Potentialausgleichsleitungen2 Potentialausgleichsleitungen
1 Erdleitung mit Klemme und Erdzange1 Erdleitung mit Klemme
4 Faltbücher Registrierpapier: 240mm breit, 500 Blatt je 300mm lang4 Faltbücher Registrierpapier: 240mm breit, 500 Blatt je 300mm lang
4 Rollen Kohlepapier: 240mm breit, 50m lang, 1 Rolle Kohlepapier ausreichend für 2,5 Faltbücher je 200 Blatt oder 1 Faltbuch je 500 Blatt2 Rollen Kohlepapier: 240mm breit, 50m lang, 1 Rolle Kohlepapier ausreichend für 2 Faltbücher je 500 Blatt
5 Schreibzeiger, 60mm8 Schreibzeiger
1 Vorrichtung zum Einstellen der Schreibzeiger1 Vorrichtung zum Einstellen der Schreibzeiger
1 Zubehörkoffer1 Zubehörkoffer
4 Knöpfe, 2 Stecker, SchmelzeinsätzeWerkzeug, Knopfzellen, Stecker, Schmelzeinsätze und Kleinteile
1 Bedienanweisung1 Bedienanweisung
2 AtemwandlerAtemwandler

Da der BST 101/102/103 und der BST 2100 eine unterschiedliche Ausstattung besitzen, sind im Folgenden die Bestandteile aufgelistet, welche nur bei dem jeweiligen Gerät vorhanden sind.

BST 101/102/103:

  • 1 Registrierpapier-Vorratskorb
  • 1 Registrierpapier-Ablaufbühne
  • Atemfrequenz-Messeinschub
  • 3 Atempulsabnehmer
  • 1 EEG-Messschablone
  • 1 Teilzirkel
  • 4 Flächenelektroden
  • 4 Befestigungsbänder
  • 1 Verbindungsleitung 32/32polig zwischen Elektronikteil und Registrierteil; 0,3m lang
  • 10 Schellen zur Befestigung der Potentialausgleichsleitungen
  • 1 Träger zur Montage des Foto-Stimulator-Steuerteils am BST 1
  • 1 Auszieher für Endstufen
  • 1 Sechskantstiftschlüssel
  • 2 Griffe für Netzteil
  • 2 Ziehgriffe für Einschübe des Elektronikteils
  • 1 Kopfschlüssel zur Montage des Stativs
  • 1 Schmiersatz (Injektionsspritze und Öl zum Nachölen)
  • Satz Programmierschnüre
  • 14 Sichtscheiben für Anzeigefelder des Programmwählers
  • 10 Spezialschlüssel zur Zeigermontage
  • 7 Zwerglampen
  • 6 Mikroglühlampen
  • 1 Gerätehaube
  • 4 EEG-Verstärker

BST 2100:

  • 1 Kopfhörer
  • 3 Klammerelektroden
  • 1 Anschlussfeld
  • 2 Bodenstative
  • 1 Farbband mit Spule
  • Zweikanal-Memoryscope MS 2100 (Sichtgerät)
  • Arterienpulsabnehmer

8 EEG - 1

Abbildung 41: 8 EEG - 1

Der am Anfang der 1950er von derselben Firma „VEB Zwönitz“ hergestellter Elektroenzephalograph 8 EGG-1, ein Vorläufer der bereits erwähnten Modelle, war ein universelles Standardgerät und ermöglichte mithilfe des Direktschreibeverfahrens die gleichzeitige Registrierung von 8 verschiedenen bioelektrischen Potentialschwankungen, vorwiegend jedoch dient er auch zur Registrierung von Hirnaktiosspannungen, wobei die Ableitung sowohl von der intakten Kopfhaut als auch direkt von der Hirnrinde erfolgen kann.

Das Gerät besaß einen Eingang für den Anschluss von max. 26 EEG-Ableitelektroden. 22 Programmierungsmöglichkeiten sind für die Verbindung mit den 8 Verstärkerkanälen vorgesehen, und zwar freie Wah des Ableitsprogramms über ein manuell schaltbares Tastenfeld und Wahl von 21 Ableitprgrammen, die über beliebig austauschbare Steckeiheiten vorgegeben werden können. Bei diesem Gerät erfolgt di Registrierung auch nach dem bewährten Kohlepapier-Durchschreibeverfahren, das sich durch die ihm eigene Robustheit und durch außerordentlich niedrige Betriebskosten, die von keinem anderen bisher bekannten Registrierverfahren erreicht werden, auszeichnet.

Technische Daten

Stromversorgung:

  • Netzspannung
  • Nennspannung: 110 V, 220 V
  • Betriebsspannung: im Bereich des 0,8…1,2 fachen der Nennspannung
  • Kontrolle der Betriebsspannung: über Anzeigeinstrument mi farbig markiertem Arbeitsbereich
  • Netzfrequenz:Normalausführung 50 Hz, auf Wunsch Sonderausführung im Bereich von 40 Hz…60 Hz
  • Leistungsaufnahme: max. 650 VA

Registrierung:

  • Aufzeichnungsprinzip: Kohhlepapier-Durchschreibeverfahren
  • Registriersystem: Differential-Drehankermesswerk mit Permanenterregung und Schreibzeiger
  • Anzahl der Registriersysteme: 9
  • Registrierpapier: Entweder a) Rolleform, 240 mm breit, 50 m lang, weiß und unbedruckt oder b) Faltpapier, 240 mm breit, Faltbuch mit 20 Blatt
  • Kohlepapie: Rollenform, 240 mm breit, etwa 50 m lang

Aufzeichnungskennwerte:

  • Frequenzbereich: 0,1 Hz…140 Hz
  • Schreibamplitude: 14 mm
  • Linaritätsfehler: < 10%
  • Symmetriefehler: < 10%
  • Überschwingen: < 10%

Verstärkung:

  • Anzahl der Verstärker: 8
  • Eingangsimpedanz: > 600k
  • Frequenzbereich: 0,1…2000 Hz
  • Zeitkonstanten: 0,01, 0,1, 0,3, 1,5 s
  • Frequenzblende: 15, 30, 70, 200, 2000 Hz
  • Messempfindlichkeit: max. 0,5 mm/uV, einstellbar in 8 Stufen, jeweils um den Faktor 1:2, kontinuierlich um den Faktor 1:2 veränderbar
  • Rejektionsfaktor: > 5000

Programmierung:

  • für EEG-Betrieb: EEG-Eingang für 26 Ableitpunkte. 22 Schaltmöglichkeiten, davon 21 über von Steckeinheiten vorgegebene Programme sowie freie Wahl des Ableitprogramms über ein Tastenfeld
  • für EKG-Eingänge: 3 getreennte Eingänge für Extremitäten-, Thorax. und Nehb-Anschluss

Registrierteil

Der Registrierteil besteht aus 2 Hauptgruppen:

  • Die 9 Direktschreibsysteme, welche, von den Leistungsendstufen angesteuert, die Schreibzeigerbewegen
  • Die mechanische Einrichtung zum Transport Kohle- und Registrierpapiers mit dem dazugehörenden Getriebe umd dem Antriebsmotor
Direkschreibsystem DS 2-A 3

Das im 8 EEG-1 verwendete Direktschreibsystem ist ein Differential-Drehanker-Messwerk mit permanenter Erregung.

Da für das Driektschriebsystem hochwertige Dauermagnete eingesetzt werden, ist, um Veränderungen der Messeigenschaften zu verhindern, ein Berühren der Schreibsysteme mit Gegenständen aus ferromagnetischem Material unbedingt zu vermeiden. Für Reparaturwecke ist ein unmagnetischer Schraubenzieher zu verwenden. Die maximale Schreibamplitude der acht für die Aufzeichnung des EEG vorgesehenen Schreibsysteme ist, um ein Aneinderschlagen der Zeiger auszuschließlich, nicht größer als 14 mm. Für das neunte Schreibsystem werden, um Überschneidung mit der Schreibspur des benachbarten Schreibsystems auszuschließen, ein Ausschlag von 5 mm nach unten nicht überschritten. Nach einem Auswechseln ist ein Einstellen der Schreibsysteme unbedingt erfoderlich.

Endstufeneinschub

Zur Anpassung des Direkschreibsystems an dem Verstärker dint eine als Gleichstromverstärker aufebaute transistorisierte Leistungsendstufen. Sie ist temperaturkompensiert und enthält Korekturglieder, die Linearitäts- und Einschwingfehler in engen Grenzen halten.

Die Leistungsendstufen aller acht Messkanäle sind auf einem gesonderten Einschub, dem sogenannten Endstufeneinschub, angeordnet, der nach Abnahme der rechten Seitenwand zugänglich ist und wie die Verstärker mit dem bereits genannten Einsteckschlüssel herausgezogen werden kann. Der Enstufeneinschub entählt noch eine neunte Leistungsendstufe. Über sie wird ein neuntes Direktschreibsystem ausgesteuert, dessen Schreibspur der Aufzeichnung von Zeitmarke sowie der Aufzeichnung von Zeitmarken sowie der Reiz- und Ereignismarkierung dient.

Literaturverzeichnis

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(21.04.2020). Vorbereitungsskript: Klinische Anatomie – Version 08, S. 8-12 und 68-79. Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
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Witte, K (2018). Grundlagen der Sportmotorik im Bachelorstudium (Band 1), S. 151-155. Berlin: Springer-Verlag.
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6)
Collura, T. F. (1993). History and evolution of electroencephalographic instruments and techniques. Journal of clinical neurophysiology, 10(4), 476-504
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8)
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9)
Dr. Abels, B. (17.01. https://bit.ly/3uy8T7L Stand: 19.08.2021
10)
RFT Bioscript BST 101, 102, 103, S. 31-33. Zwönitz
eeg-geraete.txt · Zuletzt geändert: 2021/10/11 17:41 von Annika Edelmann-Nusser
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