Anatomisches Modell des menschlichen Auges

Yakob Willmington-Lu, Negus Stieh, Lea Ducho

Anatomie

[von griech. anatomē = Zerschneidung] definiert die Lehre vom Bau der Organismen. Dabei versucht man durch Zergliederung des pflanzlichen, tierischen bzw. menschlichen Körpers Einblick in die Gestalt, Lage, Bau und Beschaffenheit der Körperteile, Organsysteme, Organe, Gewebe und Zellen zu bekommen. Die Anatomie wird in mehrere Arbeitsgebiete untergliedert:

  1. Pathologische Anatomie mit den krankhaften Veränderungen der Körperteile
  2. Mikroskopische Anatomie erforscht den Feinbau der Organe, Gewebe und Zellen bis zu den Makromolekülen (mit Hilfe von Lupe, Licht-Mikroskop und Elektronenmikroskop)
  3. Neuroanatomie beschäftigt sich mit dem Nervensystem
  4. Embryologie untersucht die Entstehung der anatomischen Strukturen, während der Embryonalentwicklung
  5. Makroskopische Anatomie beschäftigt sich mit dem Aufbau des Menschen, der Tiere und Pflanzen, welche ohne optische Hilfsmittel mit dem bloßem Auge erkennbar sind. Unterteilt wird dieses Arbeitsgebiet in
  • Deskriptive Anatomie – versucht durch reine Untersuchung der äußerlichen Erscheinung die Funktion eines Körpers zu erfassen
  • Topographische Anatomie – befasst sich mit den Lageverhältnissen der Organsysteme, Organe und Körperteile zueinander
  • Vergleichende Anatomie – untersucht die Verschiedenheiten, Gleichwertigkeiten, Funktionsänderungen des Körperbaus unterschiedlichster Organismengruppen (vgl. Nicolay o. J.).

Abbildung 1: Anatomie Mindmap


Geschichte der Anatomie

Abbildung 2: Claudius Galen

Die Anatomie ist die älteste naturwissenschaftliche Disziplin der Medizin. Ab dem 3. Jahrhundert vor Christus in Alexandria, der damals griechischen Hauptstadt Ägyptens, sind die ersten Sektionendes menschlichen Körpers aufzuweisen. Herophilos von Chalkedon und Erasistratos von Keos erforschten die Anatomie systematisch mittels Leichenöffnung, zeitweise auch an lebenden und verurteilten Verbrechern. Allerdings dauerte dieser Zeitabschnitt nur ein paar Jahrzehnte. Die Hemmschwelle vor dem Tabubruch der Leichenöffnung war noch viel zu groß. Erst mit den Arbeiten des berühmtenMediziners Claudius Galen wurde die historische Entwicklung der Anatomie reformiert. Seine Arbeiten bildeten das Standardwerk für anatomische Vorlesungen. Über ein Jahrtausend galten sie als dogmatisch. Man gab sich also mit dem Kopieren alter Schriften Galens zufrieden – trotz der fehlerhaften Erkenntnisse, da sein Wissen überwiegend durch Tiersektionen erworben wurde.

Mit dem Verfall des römischen Reiches im 5. Jahrhundert kam es zu einem Niedergang der Anatomie – im wissenschaftlichen, kulturellen und künstlerischen Bereich. Bis ins 12./13 Jahrhundert lehnten gesellschaftliche Autoritäten die Sektion an menschlichen Leichen vollständig ab, wodurch die anatomische Forschung stagnierte. Erst ab dem 13. und 14. Jahrhundert kam es zu einer Wende der anatomischen Sektion. Allerdings wurde diese Forschung ausschließlich als Buchwissen vermittelt. Mit dem neuen Welt- und Selbstbild des Körpers gilt der Körper nur noch als hinfällige Hülle der Seele. Darüber hinaus preist die Renaissance die menschliche Gestalt als Schönheit an, was eine ganze Kunstepoche beeinflusste.

anatomie4.jpg Abbildung 3:
Leonardo und Michelangelo

Bedeutsame Künstler wie Leonardo da Vinci und Michelangelobildeten die Grundlage für realistische und detailreiche anatomische Zeichnungen (Muskeln, Körper, Knochenbau, Skelett und Haut). Mit dieser Formulierung deutet sogar Leonardo daraufhin, dass die Darstellung und Beschreibung der Anatomie nur mit Hilfe von Abbildungen möglich sei.

„Schlage dir den Gedanken aus dem Kopf, die Gestalt des Menschen in allen Ansichten ihrer Gliederung mit Worten wiedergeben zu können; denn je eingehender du sie beschreibst, desto mehr wirst du den Geist des Lesers verwirren und desto mehr wirst du ihm die Erkenntnis gerade dessen entziehen, was du beschrieben hast. Deshalb ist es notwendig, sowohlzu zeichnen als zu beschreiben“ (Gehrig o. J.: 6).

Abbildung 4:
De Humani Corporis Fabrica

Ein weiterer Wendepunkt entstand durch den jungen Medizin Professor Andreas Vesalius. Der Anatom und Chirurg gab der wissenschaftliche Anatomie ihren bedeutsamen Anfang. Vesalius beobachtete nicht nur, sondern sezierte selbst und legt dabei Muskelapparate, Sehnen und Nervenbahnen bis in die kleinsten Verästelungen frei. Er revolutioniert nicht nur die Anatomie, sondern indirekt auch die ganze Medizin. Mit nur 29 Jahren veröffentlicht er seine Ergebnisse 1542 in seinem Hauptwerk: „De Humani Corporis Fabrica – Vom Bau des menschlichen Körpers“. Seine bedeutenden anatomischenErkenntnisse bildeten einen Wendepunkt der Anatomiegeschichte – eine Abkehr von der Übermacht antiker Autoritäten, hin zum Erkenntnisgewinn durch eigene Anschauung und Forschung. Üblich gewordene Sektionen waren nicht nur für ein medizinisches Forum bestimmt, sondern auch für ein breiteres Publikum zugänglich. Immer mehr Ärzte, aber auch das Volk (Wohlhabende, Arme, Kaufleute, Studenten und Frauen) wollen den Menschen und seinen Körperbau nun mit eigenen Augen sehen. Zudem wurden in vielen Städten Anatomische Theater errichtet. Es entwickelte sich zu einem visuellem Spektakel und entfachte ein breites Spektrum an Emotionen: Zwischen Ekel, Lust und wilden Phantasien. Die revolutionierte anatomische Forschung erstreckte sich bis in der zweiten Hälfte des 16. und 17. Jahrhunderts – unter wesentlich günstigeren Bedingungen und an verschiedenen Universitäten gleichzeitig.

Einige Anatomen boten ihre Präparierkunst in den Dienst des traditionellen Kunstverständnisses an. Beispielsweise wie Honoré Fragonard. Er injiziert koloriertes Wachs, das in den Blutgefäßen erstarrt. Das übrige Gewebe vertrocknet am Präparat und wird mit Lacken behandelt. Seine Werke sind noch heute in der Ecole Nationale Vétérinaire d‘Alfort bei Paris zu sehen.

Das öffentliche Interesse an der Anatomie hielt über mehrere Jahrhunderte an. Ab dem 19. Jahrhundert zog sich die Anatomie aus der Öffentlichkeit zurück, wo sie nur noch als reine Wissenschaft fungiert. Gegenwärtig erforscht die Anatomie den mikroskopisch-anatomischen Bereich, da bereits alle makroskopischen Gebiete erkundet wurden sind (vgl. Körperwelten o. J.).


Reflexion der Anatomie

Ein kurzer Einblick…

Die Anatomie definiert die Zergliederung des Körpers. Allerdings stellt sich die Frage, woher diese Körper stammen.
Hauptsächlich übernahmen Anatomen die Körper hingerichteter Personen, wie auch die Leichen von Menschen am Rande der Gesellschaft, für die kein Begräbnis finanziert wurden. Besonders in den Jahren 1942 bis 1944 stieg die Zahl der Hingerichteten stark an. Anatomen waren in in vielfältiger Weise von der Realität des Dritten Reiches betroffen. Sie waren gesetzlich in die eskalierende Hinrichtungspraxis der nationalsozialistischen (NS) Regierung eingebunden und nutzten die Leichen von Hingerichteten und anderen Opfern des NS Regimes zu Unterrichts-und Forschungszwecken. Jedoch hatten die meisten Anatomen keine Bedenken, dies für ihre Zwecke zu nutzen. Bis heute sind nicht alle Opfer eindeutig zu identifizieren.
Auf der einen Seite ist die Anatomie ein wesentlicher Schwerpunkt der Wissenschaft, der nicht exiliert werden darf. Auf der anderen Seite dürfen ethisch moralische Aspekte nicht außer Acht gelassen werden.

Demzufolge ist es eine Aufgabe der Anatomischen Gesellschaft/ Instituts ihre Verstrickungen mit dem NS Regime, wie auch das Schicksal der Opfer, das in der anatomischen Abteilung endete, aufzuklären. Opfer, Objekte wie anatomische Gemälde und andere Informationen der NS-Diktatur sollten nicht vernichtet, sondern genutzt werden - allerdings mit einem klaren Hinweis bspw. in Lehrbüchern etc., dass die Anatomie diese Opfern huldigt. Somit müssen diese Informationen öffentlich gekennzeichnet werden.

Fast 70 Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur bleiben viele Fragen offen. Vor allem, warum sich Anatomen nicht dagegen gewehrt haben – geschweige sich für die Opfer eingesetzt haben (vgl. Rothkötter 2021: 18 - 49).

„Es ist wichtig, die Geschichte zu klären - aber auch zu versuchen zu verstehen, was nach 1945 geschehen ist“ (Rothkötter 2021: 47).


Institut für Anatomie in Magdeburg

Mit Gründung des Instituts für Anatomie im Jahr 1960 wurden makroskopische Präparate und Modelle angeschafft. Seitdem ist die Sammlung stetig am wachsen. Sie umfasst heute 1.000 Präparate vom Menschen und Modelle. Zu Beginn waren es noch Knochen- und Spaltholzpräparate aus dem Deutschen Hygiene Museum. Heute sind Präparate in allen Konservierungstechniken (Knochenpräparate, Flüssigpräparate, Aufhellungspräparate, Korrosionspräparate, Plastinate und PEG imprägnierte Präparate) vorhanden. Die Modelle in der Sammlung sind aus Wachs, Gips und Kunststoff und größtenteils von Lehrmittelfirmen gefertigt. Ein Teil der Präparate ist als Schaupräparat in den Vitrinen im Präpariersaal zu sehen und den Studierenden direkt als Lehrmittel zugänglich (vgl. Medizinische Fakultät o. J.).

ZurEntstehungsgeschichte

Das menschliche Auge

Aufbau und Funktionsweise

Das menschliche Auge (lat. oculus), genauer: Der Augapfel (lat. Bulbus ocoli) als Teil des sogenannten visuellen Systems (Auge, Sehnerv, Thalamus, Hirnstamm und Sehrinde) mit seinen sichtbaren und nicht-sichtbaren Bestandteilen gehört zu den komplexesten und empfindlichsten Sinnesorganen, die die Biologie kennt, auf ihm baut unsere gesamte visuelle Wahrnehmung der Umwelt, bestehend aus Farben, Formen und Bewegung, auf.

Die vollständige anatomische und physiologische Beschreibung des Sehorgans (lat. Organon visus) würde mehrere Bücher füllen (und tut es auch), die genauen Abläufe der optischen Reizaufnahme- und Weiterleitung bis hin zur Bilderzeugung- und Verarbeitung lassen sich in ihrer Gesamtheit nur schwierig isoliert voneinander betrachten und überblicken. Diesem Umstand ist es geschuldet, dass sich die Ausführungen zum Aufbau und zur Funktion des Auges in den folgenden Abschnitten auf jene Wesensmerkmale beschränken werden, deren Kenntnis mittelbar oder unmittelbar zum besseren Verständnis der betrachteten anatomischen Modelle im Rahmen des Wikis beitragen.

Äußere Bestandteile

Der Augapfel ist ein annähernd Kugelförmiger Körper, der in der jeweiligen Augenhöhle (lat. Orbita) des Schädels sitzt, in welcher er sich dank sechs verschiedener vom Rand der Augenhöhle zum Hornhautrand verlaufender Muskeln (vier gerade, zwei schräge) innerhalb gewisser Beschränkungen, ähnlich einer kardanischen Lagerung, frei bewegen kann, ohne jedoch seine Position in der Höhle selbst zu verändern. Die präzise Bewegung des Augapfels ist extrem wichtig, da ein scharfes Abbild des Betrachteten nur auf einem relativ kleinen Bereich der Netzhaut erzeugt werden kann, dem Punkt des zentralen Sehens (lat. Fovea). Das Bild wird daher sukzessive in schnellen Sprüngen (Sakkaden) erfasst, der Augapfel immer wieder neu auf ein Ziel ausgerichtet.

Weitere von außen erkennbare oder beobachtbare Bestandteile sind die Augenlider (lat. Palpebra), sie schützen das Auge vor Fremdkörpern, halten es durch blinzeln feucht und schließen sich reflexartig bei einem bevorstehenden Kontakt. Die äußere Hülle des Augapfels (lat. Tunica externa bulbi, äußere Augenhaut) wird aus der überwiegend sichtbaren weißen Lederhaut (lat. Sclera) gebildet, einzig wo das Licht ins Auge fällt sitzt an ihrer Stelle die durchsichtige Hornhaut (lat. Cornea). Diese aus Kollagenfasern (Bindegewebsfasern) bestehende komplett klare Kuppel ist etwa einen halben Millimeter dick und ermöglicht durch ihre Bündelung des einfallenden Lichts mit einer Brechkraft von 43 Dioptrien mit die Erzeugung des Bildes auf der Netzhaut. Sie ist im vorderen Bereich von der die weiße Lederhaut bedeckenden Bindehaut (lat. Conjunctiva) umgeben und wird durch diese ständig gleichmäßig mit Tränenflüssigkeit befeuchtet, ohne dass die Sclera ebenfalls benetzt wird. Weiter innen liegend, aber dennoch von außen gut zu erkennen sind Iris (Regenbogenhaut) und Pupille. Die durch Pigmente in unterschiedlichen Farbfacetten vorkommende und aus zwei Schichten aufgebaute Iris, genauer: ihr innerer Rand, bildet die Blende des Auges, das Sehloch (Pupille, lat. Margo pupillaris), durch das das Licht zunächst zur dahinterliegenden Linse und anschließend ins Innere des Augapfels gelangt. Das ebenfalls gut von außen beobachtbare Pupillenspiel (Adaption) beschreibt die unwillkürliche Anpassung der Pupillengröße an die jeweils vorherrschenden Lichtverhältnisse durch Weitstellung (lat. Mydriasis) und Engstellung (lat. Miosis) durch zwei in der Iris liegende Muskeln, den Pupillenverenger und den Pupillenerweiterer (lat. Musculus sphincter pupillae, Musculus dilatator pupillae).

Innere Bestandteile

Der nicht von außen einsehbare unter der Lederhaut liegende Teil der Hülle des Augapfels besteht aus der mittlerern und der inneren Augenhaut gebildet. Die mittlere Augenhaut (lat. Uvea) besteht aus der mit Blutgefäßen zum Nährstofftransport durchzogenen Aderhaut (lat. Choroidea), welche im vorderen Bereich in den Ziliarkörper (lat. Corpus ciliare) übergeht, auch die zuvor beschriebene Iris ist Teil der vordersten mittleren Augenhaut. An dem vom Ziliarkörper geformten Ringwulst (lat. Orbiculus ciliaris) und den daran entspringenden Ziliarfortsätzen (lat. Processus ciliares), welche gemeinsam den Ziliarkranz (lat. Corona ciliaris) bilden, setzen die Zonulafasern (lat. Fibrae zonulares) an, an welchen wiederum die Linse (lat. Lens crystallina) aufgehängt ist. Dieser elastische und beidseitig konvex geformte Körper wird durch Kontraktion des im Ziliarkörper liegenden Ziliarmuskels (lat. Musculus ciliaris) aufgrund des sich verkleinernden Umfangs des Ziliarkranzes stärker gekrümmt und weiter entfernte Gegenstände können scharf betrachtet werden, bei Entspannung des Muskels flacht die Linse ab und Näherliegendes wird scharf wahrgenommen. Diese Anpassung der Linse an die Entfernung zum jeweils Betrachteten nennt man Akkomodation.

Die innere Augenhaut (lat. Tunica interna bulbi) besteht aus der mehrschichtigen Netzhaut (lat. Retina), welche unterschiedliche Typen lichtempfindlicher Sinneszellen (Fotorezeptoren) enthält, die für die Umwandlung und Weiterleitung der Lichtimpulse in für das Gehirn verarbeitbare Nervenimpulse zuständig ist. Die Netzhaut kleidet das Innere des Augapfels aus und fungiert bildlich gesprochen als eine Art Leinwand, auf welche das durch die Linse wahrgenommene Bild projiziert wird. Besonders hervorzuhebende Bereiche der Netzhaut sind der sogenannte Blinde und der Gelbe Fleck. Als Blinden Fleck wird die Stelle bezeichnet, an der der Sehnerv, die Schnittstelle zur Weiterleitung der Nervenimpulse an das Gehirn, aus dem Auge austritt (Sehnervenpapille) und an der daher keine Fotorezeptoren liegen. Der Gelbe Fleck (lat. Macula lutea) hingegen ist ein Bereich im hinteren zentralen Teil der Netzhaut, durch den die Sehachse verläuft und in dem die Konzentration von Fotorezeptoren am höchsten ist. Innerhalb des Gelben Flecks liegt die Sehgrube (lat. Fovea centralis), eine Einsenkung der Netzhaut, deren Mittelpunkt den Punkt des schäfsten Sehens darstellt.

Der durch die verschiedenen Hautschichten gebildete Hohlraum innerhalb des bei einem Erwachsenen ca. 23-24mm langen Augapfels wird in mehre Abschnitte untergliedert. Der im vorderen Teil des Auges liegende Hohlraum besteht aus den beiden mit Kammerwasser gefüllten Augenkammern (lat. Camerae bulbi), man unterscheidet zwischen der zwischen Hornhaut und Iris liegenden vorderen Augenkammer (lat. Camera anterior bulbi) und der dahinterliegenden, durch die Pupille mit der vorderen Kammer verbundenen, etwas kleineren hinteren Augenkammer (lat. Camera posterior bulbi), in welcher auch die Linse zu finden ist. Der hinter der hinteren Augenkammer liegende Bereich zwischen Linse und Netzhaut und damit der Großteil des Inneren des Augapfels ist mit dem durchsichtigen Glaskörper (lat. Corpus vitreum) gefüllt, welcher durch seine geleartige Beschaffenheit die Form des Augapfels aufrecht erhält.

Hornhaut, Linse, Glaskörper und das Kammerwasser bilden zusammen den sogenannten dioptrischen Apparat, auch brechende Medien genannt, und sind als optisch wirksamer Teil des visuellen Systems durch die jeweilige Art und Stärke der durch sie verursachten Lichtbrechung für eine optimale Abbildung auf der Netzhaut zuständig (vgl. Krieglstein 1999).

Die Genese des anatomischen Augen-Modells

Die Anfänge der Darstellung des Auges

Seit dem Beginn unserer Kultur finden sich Darstellungen von Augen, sowohl von tierischen als auch von menschlichen. In frühen Malereien aus der Steinzeit werden Augen schlicht als Punkt oder Kreis dargestellt, wobei der Kreis zu einem späteren Zeitpunkt durch einen zentralen Punkt ergänzt wird, der die Pupille und die Iris andeutet (vgl. Roth o. J.: 8). „Die Lider bzw. die sichtbaren Teile des Augapfels wie Bindehaut, Hornhaut oder Regenbogenhaut werden in den Höhlenmalereien meist nur abstrahiert dargestellt […]. Den ersten schöpferischen Menschen der Jungsteinzeit reichten ein paar Striche oder Punkte um ihre Welt im Bild wiederzugeben. Erst die moderne Malerei nimmt diese Abstraktion wieder als Kunstform auf“ (Roth o. J.: 8).

Mit dem Wandel der Kultur wandelte sich auch die Darstellung der Augen. Die Menschheit entwickelte Schrift und bildete erste Siedlungen. Mit dem Entstehen der ersten Hochkulturen, tastete sich die Kunst langsam an eine realistische, wirklichkeitsgetreue Wiedergabe heran. In dieser Zeit wurden Augen nicht mehr kreisrund sondern mandelförmig inszeniert. Bis allerdings die Asymmetrie des Auges Eingang in die Abbildungen und Skulpturen hielt, dauerte es noch einmal mehrere Jahrhunderte. Für das Alte Ägypten lässt sich diese Entwicklung auf etwa 3000 v. Chr. zurückdatieren (vgl. Roth o. J.: 8). „Die Lidkante, die den Augapfel nach oben begrenzt ist jetzt deutlich länger als die des Unterlides, die Lidspalte wird jetzt asymmetrisch wiedergegeben“ (Roth o. J.: 8).

ASCIIScreenshotAbbildung 5: Udjat-Auge

ASCIIScreenshot Abbildung 6: Udjat-Auge

Eine besonders bekannte Darstellung, an der sich dieser Aspekt beobachten lässt, ist das sogenannte Horus-Auge, auch unter Udjat-Auge oder Auge des Ra bekannt. Die beiden abgebildeten Beispiel-Objekte (Abbildung 5 und 6) sind Horus-Augen und bestehen aus einer grünen Glaspaste, also einer Substanz, die durch das Schmelzen von Glas gewonnen wird. Sie stammen aus der Nekropole von Sulky auf der italienischen Insel Sardinien, entstanden vermutlich gegen 300 v. Chr. und sind im ägyptischen Stil gearbeitet.

Mit Maßen von 1,4 Zentimetern Länge; 0,8 Zentimetern Höhe und nur 0,5 Zentimetern Breite gehören sie zu den kleineren Darstellungen. Das Auge ist beidseitig ausgearbeitet, in Längsrichtung sind die Objekte durchbohrt, mit dem Ziel eine Art Kette durch sie hindurch zu fädeln. Es wird davon ausgegangen, dass die Udjat-Augen in der phönizisch-punischen Gesellschaft sehr beliebte Schutz-Amulette gegen die Kräfte des Bösen waren, die deshalb auch als Grabbeigaben genutzt wurden, und im gesamten Mittelmeerraum verbreitet waren. Beide Objekte befinden sich im Besitzt des kommunalen Archäologischen Museums „F. Barreca“ auf Sardinien (vgl. Virtual Archaeology o. J.).

Das Augenvotiv

Eine andere sehr beliebte Art der Darstellung ist das Votiv. Votive, auch als Votivgaben bezeichnet, sind Devotionalien, die dazu genutzt wurden, um die Götter um Hilfe zu bitten oder um ihnen für erbrachte Gefallen zu danken (vgl. Roth o. J.: 2). Darum unterscheidet man zwischen Dank- und Bittvotiven. Votiv stammt vom lateinischen votivus, was soviel bedeutet wie durch ein Gelübde versprochen (vgl. Kulturpool o. J.). Sie „finden sich in allen Kulturen und zu allen Zeiten. Auf europäischem Gebiet stammen die ältesten schon aus früher vorchristlicher Zeit, selbst neuere steinzeitliche Grabungsfunde aus Süddeutschland lassen figürliche Darstellungen als Bitt- oder Dankopfer interpretieren. In der Antike finden sie sich in griechischen wie auch römischen Tempeln, in keltischen Weihestätten, in christlicher Zeit in den Kirchen und an Wallfahrtsorten“ (Roth o. J.: 2). Auch heutzutage werden noch Votive hergestellt, die nach wie vor Abnehmer finden.

ASCIIScreenshotAbbildung 7: Votivblech

Die Votivgaben werden den Göttern an einem geweihten Ort als Opfer dargebracht. Sie unterscheiden sich sehr in Verarbeitungszustand, Material und Motiv, abhängig von Zeit und Kultur. Viele Votive bilden Körperteile oder später auch Organe ab, die mit dem Leiden des Darbringenden in einem direkten Zusammenhang stehen (vgl. Roth o. J.: 2). „So gibt es Darstellungen vom Kopf, Arm oder Bein. Es gibt sie gegen Impotenz, für und gegen Schwangerschaften und besonders häufig für gesunde Kinder. Auch Sinnesorgane wie Nase oder Ohr sind zu finden. Die Krankheitsbilder selbst werden dabei nur selten dargestellt, allein der gesunde Körper war das Motiv für Bitte und Dank“ (Roth o. J.: 2).Sie bezeichnen somit in plastischer Form den Wunsch nach Heilung eines gewissen Leidens oder den Dank für eben jene Heilung (vgl. Didi-Huberman 2002: 68). „Die anatomische Votivfigur präsentiert sich solchermaßen als ein in sich geschlossenes Fragment von der Ausdehnung des jeweiligen Symptoms“ (Didi-Huberman 2002: 69).

ASCIIScreenshot Abbildung 8: Augenvotiv aus Wachs

Die meisten noch erhaltenen Exemplare befinden sich in Museen und sind aus Metall, Ton oder Stein. Wachsvotive sind selten und bei Sammlern sehr gefragt. Das ist in der Vergänglichkeit des Wachses begründet (vgl. Roth o. J.: 2). „Nur wenige sind wegen der raschen Alterung des Materials noch erhalten. Sie wurden nach wenigen Jahren brüchig, wurden wieder eingeschmolzen oder gingen bei Bränden verloren“ (Roth o. J.: 2). Allgemein sind Wachsvotive weniger gut ausgestaltet als beispielsweise Votive aus Metall, auch das ist den begrenzten Bearbeitungsmöglichkeiten des Materials geschuldet.

„Im Bereich der Augenheilkunde sind die ältesten Votive Darstellungen jeweils des isolierten Augapfels, erst in der Neuzeit kommen dann Augenpaare in Mode, sie wirken wie maskenförmige Ausschnitte eines Gesichts. Am bekanntesten sind hier die verzierten barocken Darstellungen aus Metall, die wertvolleren waren meist aus Silber, die preiswerten, fürs einfache Volk, aus Kupfer oder dem noch billigeren Wachs“ (Roth o. J.: 2). Das hier gezeigte Augenpaar (Abbildung 8) aus rotem Wachs gehört zu den bekannteren Votiven. Die Augen werden von Stielen gehalten, die an abstrakte Sehnerven erinnern und in einen wurzelförmigen Standfuß übergehen. Vermutlich entstand es im frühen 18. Jahrhundert in Niederbayern. Gegenwärtig ist das Augenvotiv Teil der privaten Sammlung des Augenarztes Dr. Hans-Walter Roth (vgl. Roth o. J.: 1). Votivbilder (ebenso wie Grab- und Stifterbilder) sind Vorreiter in der Entwicklung von realistischen Menschendarstellungen und damit auch essentiell für die Entstehung des anatomischen Modells (vgl. Gerchow 2002: 56).

Die Entstehung des anatomischen Modells

„Der heute auch im Bereich der Kunstgeschichte gebräuchliche Modellbegriff wurde in der italienischen Renaissance ausgebildet. Ausgangspunkt war das lateinische Wort modulus, das die gemeinsame Wurzel für den Modellbegriff in allen Nationalsprachen darstellt und sich […] über das italienische modulo entwickelte. Es modifizierte sich bei Architekturmodellen und Figuren zum italienischen modello und Mitte des 16. Jahrhunderts zum Model im Deutschen und modéle im Französischen sowie modell im Englischen“ (Mühlenberend 2005: 72).

Das Modell, wie wir es heute kennen, entstand also erst im 15. Jahrhundert. Aus dieser Zeit stammen auch Überlieferungen, die „zum ersten Mal die Arbeit mit Modellen im Detail beschreiben. […] So wie das Modell in die Technik der Architektur und des Ingenieurwesens Einzug hielt, entwickelte sich seit Beginn der Renaissance das Studieren an Ton- und Wachsmodellen in den Werkstätten der Künstler auch im Bereich der Bildhauerei und Malerei. Dabei spielte die Anatomie eine große Rolle, die sich nicht nur in der Oberflächengestaltung des Körpers, sondern auch in der Sichtbarmachung tiefer liegender Schichten äußerte“ (Mühlenberend 2005: 72f.).

Vermutlich ist das erste anatomische Modell, auch wenn es damals noch nicht als solches bezeichnet wurde, aber „bereits im frühen 14. Jahrhundert angefertigt wurde[n], und zwar zur Darstellung der Blutgefäße. Dazu wurde geschmolzenes Wachs in die Blutgefäße eingespritzt und der erkaltete Guß[!] sorgfältig vom umliegenden Gewebe befreit. Ähnlich arbeitete Leonardo da Vinci im 15. Jahrhundert, wenn er einen analogen Abguß[!] von den Kammern des Gehirns anfertigte, um dessen Strukturen deutlich sichtbar zu machen“ (Mühlenberend 2005: 73). Die ersten anatomischen Modelle entstanden demnach aus einer Synthese von organischem Material und Wachs.

Vom Kunstobjekt zum Lehrmodell

Die Entstehung des Modellbegriffs verdeutlicht, dass es für anatomische Modelle eine enge Zusammenarbeit von Naturwissenschaftlern und Künstlern bedurfte. An diesem Umstand sollte sich auch in den folgenden Jahrhunderten nichts ändern. Grundsätzlich kann man unter Betrachtung der anatomischen Arbeiten von Künstlern und Wissenschaftlern in drei Modelltypen unterteilen:

  • künstlerisch ausgestaltete Plastiken
  • naturgetreue Wiedergaben (z. B. Moulagen)
  • schematische, zerlegbare/aufklappbare Modelle (vgl. Mühlenberend 2005: 73)

ASCIIScreenshotAbbildung 9: Elfenbein-Modell

ASCIIScreenshotAbbildung 10: Zerlegbares Modell

Das hier abgebildete Augen-Modell (Abbildung 9 und 10) gehört offensichtlich zu den schematischen, zerlegbaren anatomischen Modellen. Es ist 7 Zentimeter hoch und hat am Fuß einen Durchmesser von 4 Zentimetern, damit zählt es zu den Miniaturmodellen. Es besteht aus Elfenbein, Bein, Horn, Glas und Papier, teilweise farbig gefasst. Es ist 5-teilig und wird auf etwa 1680 datiert. Hergestellt wurde das Augen-Modell in Nürnberg, in der Werkstatt des renommierten Elfenbeindrechslers Stephan Zick, der von 1639 bis 1715 lebte. Seit 2016 befindet es sich im Besitz des Museums für Kunst und Gewerbe in Hamburg. Im 17. Jahrhundert gehörten solche Miniaturmodelle zu den beliebtesten Sammelgegenständen in Kunst- und Wunderkammern (vgl. mkg-hamburg o. J.).

Wenn man also annimmt diese anatomischen Elfenbein-Modelle, wären in der medizinischen Lehre eingesetzt wurden, so irrt man sich wahrscheinlich. Dafür sind sie schlichtweg zu klein, zu kostbar und zu schlecht ausgearbeitet im Hinblick auf die anatomisch relevanten Faktoren. Eine umfangreiche Untersuchung mehrerer solcher Modelle ergab, dass sie tatsächlich überwiegend aus dem sehr teuren und raren Elfenbein bestehen, obwohl Geweih in der Verarbeitung genauso gut funktioniert, wesentlich günstiger, leichter zu beschaffen und kaum von Elfenbein zu unterscheiden ist. Das deutet darauf hin, dass die anatomischen Elfenbein-Modelle viel mehr als Statussymbole fungierten (vgl. Widmann 2019). Es handelt sich bei ihnen um sogenannte Artificialia, also um Kunstobjekte ersten Ranges (vgl. mkg-hamburg o. J.).

Man kann kaum abstreiten, dass die ästhetische Komponente bei den Elfenbein-Modellen im Vordergrund steht. Auf Naturtreue wird erst in zweiter Linie geachtet. Auch auf eine Darstellung des umliegenden Gewebes, welche anatomische Zusammenhänge noch einmal explizit hervorheben könnte, wird zugunsten eines verzierten Sockels verzichtet. Erst zur Jahrhundertwende um 1800 zeichnete sich eine deutliche Veränderung im Bereich der anatomischen Modelle ab. Nun beherrschten sehr detaillierte Wachsmodelle das Bild, die auf realistische Weise einen tieferen Einblick in die menschliche Anatomie liefern sollten (vgl. Mühlenberend 2005: 74). Statt einzelne Körperteile isoliert hervorzuheben, versuchte man jetzt funktionelle Zusammenhänge zu lehren (vgl. Mühlenberend 2005: 97).

img_8608.jpgAbbildung 12: Wachs-Modell von oben

img_8607.jpgAbbildung 11: Wachs-Modell von vorn

„Ein Beispiel für die mit großer Kunstfertigkeit hergestellten und einem speziellen Thema der Anatomie verhafteten Lehrmodelle ist die Serie zur Darstellung der Kopfanatomie von Carl Friedrich H. Heinemann (1802-1846) aus Braunschweig. Seine Wachsmodelle belegen, daß[!] Heinemann zu den großen Wachsmodelleuren des 19. Jahrhunderts gezählt werden kann. Die um 1830 angefertigten Dresdener Modelle zeigen anschaulich und in hoher Präzision die schwierigen topographischen Verhältnisse im Kopfbereich, so daß[!] sie sich fast von selbst erschließen“ (Mühlenberend 2005: 98).

Diese Serie umfasst 3 verschiedene Wachsmodelle. Eines befasst sich mit der Umgebung der linken Mundhälfte, ein anderes mit der gesamten linken Kopfhälfte. Aber auch mit dem Auge beschäftigt sich ein Modell (Abbildung 11 und 12) (vgl. Mühlenberend 2005: 97). „Im Transversalschnitt oberhalb des Nasenbereiches und im Frontalschnitt hinter den Ohren zeigt das zweite Modell [dieser Modellreihe] die menschliche Augenanatomie mit angreifenden äußeren Augenmuskeln und Sehnerven. Das Gesicht selbst ist in seiner äußeren Hülle dargestellt, die Augen sind aus Glas und die sichtbaren Muskelansätze rot eingefärbt. Das Modell vermittelt durch die eingesetzten Schnitte sehr ästhetisch die nervale Versorgung der Augen einerseits, aber auch eine räumliche Vorstellung von der Augenhöhle andererseits“ (Mühlenberend 2005: 98). Dieses Modell besteht aus Wachs, Holz und Glas. Es ist 26 Zentimeter lang, 23 Zentimeter breit und 13 Zentimeter hoch. Die Modell-Serie gehört zur Sammlung der Hochschule für Bildende Künste in Dresden (vgl. Mühlenberend 2005: 97).

Im 19. und im 20. Jahrhundert ersetzten langsam Gips, Ton und teilweise sogar Pappmaché das teure und schlecht haltbare Wachs. Mit zunehmender Industrialisierung und dem Aufkommen von neuen Materialen wurden dann wiederum Gips, Ton und Pappmaché bei der Herstellung von anatomischen Modellen zugunsten von Kunststoffen verdrängt. Diese Entwicklung vollzog sich in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts (vgl. Mühlenberend 2005: 73).

Das Sammlungsmodell

Bei diesem Sammlungsmodell handelt es sich um ein anatomisches Modell. „Anatomische Modelle sind dreidimensionale, homologe Modelle, die anatomische Strukturen in Lebensgröße oder in vergrößerter Form darstellen. Je nachdem, welche Struktur von dem jeweiligen Anatomie-Modell dargestellt wird, spricht man unter anderem von Skelettmodellen, Organmodellen oder Dentalmodellen“ (Praxisdienst o. J.). Sie bestehen zumeist aus Wachs, Gips oder Kunststoff und sind häufig von Lehrmittelfirmen angefertigt. Zu den größten und bekanntesten Herstellern von anatomischen Lehrmitteln gehören: Erler Zimmer, 3B Scientific und SOMSO. Die meisten Modelle des Instituts für Anatomie an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg wurden als Lehrmittel angeschafft und sind deshalb in mehreren Exemplaren vorhanden, angepasst an die Bedürfnisse von kleineren Seminargruppen.

f13_02_modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy.jpgimg_8614.jpgimg_8615.jpgimg_8616.jpgf13_06_modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy.jpgf13_07_modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy.jpg Abbildung 13-18: Anatomisches Augen-Modell

Dieses Sammlungsmodell ist ein anatomisches Lehrmodell der Firma 3B Scientific. 3B Scientific ist eine GmbH mit Geschäftshauptsitz in Hamburg, Deutschland. Es handelt sich um ein internationales Unternehmen, das auf die Herstellung und Vermarktung von didaktischen Materialien für die naturwissenschaftliche und medizinische Ausbildung spezialisiert ist (vgl. 3B Scientific o. J.). „Am ältesten Standort in Budapest, Ungarn, wird bereits seit 1819 produziert, womit 3B Scientific die längste Erfahrung in der Branche aufweist. […] Durch konstante Verkaufssteigerungen ist 3B Scientific heute die weltweit führende Unternehmensgruppe auf dem Anatomiemarkt“ (3B Scientific o. J.). Obwohl die Firma in über 100 Ländern vertreten ist, werden die Produkte ausschließlich in Deutschland entwickelt (vgl. 3B Scientific o. J.).

Das Modell zeigt ein Auge in einer Augenhöhle in ca. 3-facher Vergrößerung, damit gehört es zu den Organmodellen. Das Auge ist in 6 Teile zerlegbar, in den Glaskörper, die Linse, beide Hälften der weißen Augenhaut mit Hornhaut und Augenmuskelansätzen, sowie beide Hälften der Aderhaut mit Netzhaut und Iris. Das gesamte Modell ist also 7-teilig und wiegt mehr als ein Kilogramm (vgl. 3B Scientific o. J.). Es ist 19 Zentimeter hoch, 18 Zentimeter lang und 26 Zentimeter breit. Durch die Entfernung der äußeren Wand der Augenhöhle werden die Muskeln des Augapfels sichtbar, somit stellt das Modell sowohl die innere als auch die äußere Anatomie des menschlichen Auges dar. Es besteht aus Kunststoff und Verbundharz und ist auf einen Kunststoffsockel montiert.

Dieses Modell wurde erstmals 1986 hergestellt. 1997, 2000 und 2013 gab es kleinere Abwandlungen in der Farbgebung und der Beschaffenheit des Materials (vgl. 3B Scientific o. J.). Das anatomische Augen-Modell ist mit einer Vielzahl von kleinen Buchstaben und Zahlen versehen, die direkt auf das Material gedruckt sind und die einzelnen Bestandteile der Augen-Anatomie kennzeichnen. In einer vom Hersteller beigefügten Bedienungsanleitung werden sämtliche Symbole und ihre Bestandteile aufgeschlüsselt.

ASCIIScreenshot Abbildung 19: Bedienungsanleitung

Anatomische Modelle werden gerne in Schulen und Universitäten als Lehrmittel eingesetzt, aber auch in Krankenhäusern und Arztpraxen werden sie regelmäßig im Rahmen der Patientenaufklärung verwendet. Befunde und operative Eingriffe können an ihnen besonders gut veranschaulicht werden (vgl. Praxisdienst o. J.). Eines der 1986 hergestellten Auge-mit-Augenhöhle-Modelle von 3B Scientific steht in der Medizinischen Zentralbibliothek der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg in einer Glasvitrine und ist frei zugänglich für alle Universitätsmitglieder aufbewahrt.

Literaturverzeichnis

Boas, Marie (1970): The Scientific Renaissance 1450 – 1630. Fontana, S. 120, 248.

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Bildverzeichnis

Abbildung 1:

Eigene Darstellung auf Basis des Vitruvianischen Menschen - Leonardo Da Vinci.

Abbildung 2:

Claudius Galen. Online: https://en.wikipedia.org/wiki/Galen#/media/File:Galenus.jpg. Stand: 28.09.2021.

Abbildung 3:

Leonardo Da Vinci und Michelangelo. Pillole di Stoira.Online: https://i2.wp.com/www.pilloledistoria.it/wp-content/uploads/2019/07/lm.jpg?fit=750%2C375&ssl=1. Stand: 28.09.2021.

Abbildung 4:

Rothkötter, Hermann-Josef (2021): Anatomische Sammlung. Präsentation Medical Humanities. Stand: 28.09.2021.

Abbildung 5:

Virtual Archaeology. Online: http://virtualarchaeology.sardegnacultura.it/index.php/de/archaeologischer-fundplatz/eta-fenicio-punica/necropoli-is-pirixeddu/fundstuecke/2388-amuleti-raffiguranti-simboli-magici-egizi. Stand: 22.08.2021.

Abbildung 6:

Virtual Archaeology. Online: http://virtualarchaeology.sardegnacultura.it/index.php/de/archaeologischer-fundplatz/eta-fenicio-punica/necropoli-is-pirixeddu/fundstuecke/2388-amuleti-raffiguranti-simboli-magici-egizi. Stand: 22.08.2021.

Abbildung 7:

Wikipedia. Votivgabe. Online: https://de.m.wikipedia.org/wiki/Votivgabe#/media/Datei%3AVotivblech_Auge.jpg. Stand: 03.10.2021.

Abbildung 8:

Roth. Online: http://mediawelt-shop.com/images/uploads/Roth_0610.jpg. Stand: 03.10.2021.

Abbildung 9:

mkg-hamburg. Online: https://www.mkg-hamburg.de/de/sammlung/neuerwerbungen/augenmodell.html. Stand: 26.08.2021.

Abbildung 10:

mkg-hamburg. Online: https://www.mkg-hamburg.de/de/sammlung/neuerwerbungen/augenmodell.html. Stand: 26.08.2021.

Abbildung 11:

Mühlenberend, Sandra (2005): Künstlerausbildung im 18. Jahrhundert. Antikenstudium und anatomische Modelle an Kunstakademien. In: Kunst und Aufklärung. Kunstausbildung – Kunstvermittlung – Kunstsammlung. Stendal/Ruhpolding. S. 97.

Abbildung 12:

Mühlenberend, Sandra (2005): Künstlerausbildung im 18. Jahrhundert. Antikenstudium und anatomische Modelle an Kunstakademien. In: Kunst und Aufklärung. Kunstausbildung – Kunstvermittlung – Kunstsammlung. Stendal/Ruhpolding. S. 97.

Abbildung 13:

3B Scientific. Modell. Online: https://www.3bscientific.de/modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy-1000258-f13-3b-scientific,p_30_276.html. Stand: 28.08.2021.

Abbildung 14:

3B Scientific. Modell. Online: https://www.3bscientific.de/modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy-1000258-f13-3b-scientific,p_30_276.html. Stand: 28.08.2021.

Abbildung 15:

3B Scientific. Modell. Online: https://www.3bscientific.de/modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy-1000258-f13-3b-scientific,p_30_276.html. Stand: 28.08.2021.

Abbildung 16:

3B Scientific. Modell. Online: https://www.3bscientific.de/modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy-1000258-f13-3b-scientific,p_30_276.html. Stand: 28.08.2021.

Abbildung 17:

3B Scientific. Modell. Online: https://www.3bscientific.de/modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy-1000258-f13-3b-scientific,p_30_276.html. Stand: 28.08.2021.

Abbildung 18:

3B Scientific. Modell. Online: https://www.3bscientific.de/modell-vom-auge-in-augenhoehle-3-fache-groesse-7-teilig-3b-smart-anatomy-1000258-f13-3b-scientific,p_30_276.html. Stand: 28.08.2021.

Abbildung 19:

3B Scientific. Product-Manual. S. 5. Online: https://www.3bscientific.de/product-manual/F13.pdf. Stand: 03.10.2021.

objektgruppe_anatomie.txt · Zuletzt geändert: 2021/10/04 04:00 von Lea Ducho
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