Die Lagepläne der Kranken-Anstalt Sudenburg

Marlene Adam, Caterina Kremp, Darlin-Laureen Wachsmuth

Im Zuge der Aufarbeitung der medizintechnischen Sammlung spielt der geschichtliche Verlauf der Universitätsklinik eine zentrale Rolle. Bei dem ausgewählten Objekt, welches repräsentativ für eine Phase innerhalb der Entwicklung des Klinikums steht, handelt es sich um einen Lageplan des Sudenburger Krankenhauses aus dem Jahr 1928. Abgebildet sind verschiedene Räumlichkeiten die einst dem Sudenburger Krankenhaus angehörten. Zur Analyse binden wir zwei weitere Pläne aus den Jahren 1925 und 1926 mit in den Wiki-Eintrag ein. Alle drei Pläne stammen aus der Zeit der Weimarer Republik, weshalb wir diese Zeitspanne betrachten und in einem ersten Schritt die Weimarer Republik und das Gesundheitswesen in Magdeburg zu der Zeit erläutern. In dem Wiki-Eintrag wollen wir anhand der Grundrisse der Lagepläne nachvollziehen, wie sich der physische Aufbau des Krankenhauses verändert hat und welche Bedeutungen den jeweiligen Änderungen der Bebauung zukommen. Dies soll insbesondere auch aus kulturwissenschaftlicher Perspektive erfolgen und wir werden uns genauer mit dem Menschen im Sudenburger Krankenhaus zur Zeit der Weimarer Republik beschäftigen.

Lagepläne Sudenburger Krankenhausanstalt

Bei der Suche nach passenden Objekten für das Kustodie Projekt im Keller unter der Zentralbibliothek auf dem Medizinischen Campus der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg sind uns drei Lagepläne des Sudenburger Krankenhauses in die Hände gefallen. Diese stammen aus den Jahren 1925, 1926 und 1928. Im direkten Vergleich lässt sich gut die Entwicklung des Sudenburger Krankenhaus in den 1920er Jahren erschließen, die geprägt waren durch das Ende des ersten Weltkrieges, die Hochphase der Goldenen Zwanziger und das krachende Ende durch die Weltwirtschaftskrise.

Lageplan des Sudenburger Krankenhauses von 1925

lp1925.jpgLageplan von 1925 Beginnen wir zunächst mit der Beschreibung des ältesten Plans. Bei dem vorliegenden Objekt handelt es sich um eine Architekturzeichnung des Lageplans der Erweiterung der Krankenanstalt Sudenburg (Endzustand). Die Karte wurde am 24. April 1925 vom städtischen Hochbauamt angefertigt. Der Lageplan ist auf einem festen Papier gezeichnet. Die Farbe dessen ist leicht gelblich und an den Rändern des Papiers sind leichte Wasserspuren zu erkennen. Des Weiteren sind auf dem Lageplan bereits einige Gebrauchsspuren auszumachen, die auch auf das Alter zurückzuführen sind. Der Lageplan hat eine Länge von 50 Zentimetern und eine Breite von 67 Zentimetern. Der Maßstab beträgt 1:1000. Im unteren Bereich des Plans ist die Bezeichnung Erweiterung der Krankenanstalt Sudenburg (Erweiterung) zu lesen. Darüber hinaus gibt es unter dem Titel diese Benennung: Magdeburg, den 24.04.1925 Städtisches Hochbauamt. Unter dem Wort Hochbauamt befindet sich eine Unterschrift, die jedoch unleserlich ist. Auf der unteren linken Seite der Karte ist eine Legende mit drei Angaben. Von oben nach unten ist zu lesen: Bestehende Bauten, Jetzige Bauten und Spätere Bauten. Links neben den Bezeichnungen befindet sich jeweils ein Rechteck. Über der Legende ist ein Maßstab angegeben M. 1=1000. Links unten in der Architekturzeichnung kann man das Kürzel “Hb. E. 73” erkennen. Die Bedeutung des Kürzels ist jedoch ungewiss. Das Gelände der Krankenanstalt ist trapezförmig. Auf der Zeichnung der Krankenanstalt sind verschiedene Gebäude sowie Büsche und Bäume eingezeichnet. Die Umrisse des Gesamtgebäude wurde mit einem Stift leicht aufgezeichnet. Im Gegensatz dazu sind die verschiedenen Gebäude sowie Bäume und Hecken mit einem stärkeren Druck auf den Stift aufgemalt. Dabei sind die einzelnen Gebäude mit ihren jeweiligen Namen beschriftet. Somit ist gut zu erkennen, um welche Gebäude es sich handelt. Um die ganze Krankenanstalt herum verlaufen Hecken. Die Frontseite der Anstalt grenzt an die Leipziger Straße. Der Eingang zur Krankenanstalt grenzte höchstwahrscheinlich an die Leipziger Straße. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in der unteren Mitte des Geländes drei Pfeile eingezeichnet sind. Zwei von ihnen zeigen auf das Gelände der Anstalt, einer von ihnen auf die Leipziger Straße. Zudem ist hierbei die Mauer- und Heckenumrandung des Geländes unterbrochen. Der Eingang befindet sich direkt mittig zu den Gebäuden der „Verwaltung“ und der Gebäude „Apotheke“ und „Kasino“. Diese zuletzt genannten Einrichtungen befinden sich in einem gemeinsamen Gebäude. Links unten von der Anstalt befinden sich drei verschiedene Gebäude. Zum einen ein Komplex mit der Bezeichnung „Direkt“. Rechts von diesem Bauwerk ist die „Arztwohnung“ und drei Häuser mit der Bezeichnung „Frauen“ eingezeichnet. Die drei Gebäude mit der Aufschrift „Frauen“ sind rechteckig angeordnet und miteinander verbunden. An den Häusern der Frauen grenzt ein Gebäude mit der Aufschrift „Kinder“ an. Schräg rechts über dem Gebäude „Kinder“ befinden sich drei Häuser mit der Bezeichnung „Innere“. Zwei der drei Bauwerke liegen rechts neben dem Haus der Kinder. Das dritte Gebäude wurde unter dem rechten Haus „Innere“ eingezeichnet. Unter dem dritten Haus des „Innere“ befindet sich das Gebäude „Sept. Frauen“. Über den Häusern der Innere liegt links das Gebäude „Nerven“ und rechts das Gebäude „Tuberkulose“. Beide Häuser sind miteinander verbunden. Über dem Bauwerk „Tuberkulose“ grenzt die „Liegehalle“, die „Seuchen-Baracke“ und das Gebäude „Central- Desinfektion“ an. Ganz oben auf dem Gelände der Krankenanstalt befindet sich noch ein Bauwerk mit der Bezeichnung „Personalwohnungen“ und eine Gebäude „Material“. In der Mitte des Geländes ist unten über den Eingang links die „Verwaltung“, darüber das „Schwesternhaus“ eingezeichnet. Über dem „Schwesternhaus“ befindet sich ein Gebäude mit der Kennzeichnung „Maschinen“. Oberhalb des Gebäudes „Maschine“ liegt das „Bade-Haus“ und der „Infektions-Pavillon“. Der „Infektions-Pavillon“ grenzt wiederum linksseitig an die „Liegehalle“. Rechts oberhalb des „Infektions-Pavillons“ befindet sich die „Wirtschaftliche Versorgung“. Unterhalb der „Wirtschaftlichen Versorgung“ befindet sich ein Gebäude mit der Aufschrift „Nasen-Hals- Ohren“ und ein „Isolier-Pavillon“. Rechts neben dem „Isolier-Pavillon“ befindet sich die „Dermatologische Abteilung“. Rechts oberhalb der „Dermatologischen Abteilung“ sind zwei weitere dermatologische Abteilungen eingezeichnet. Rechts neben der „dermatologischen Abteilung“ befindet sich das „Laborat“ und die „Anatomie“. Neben der „Anatomie“ gibt es noch ein „Hof für Anatomie“ und ein „Tierstall“. Der Hof und der Tierstall grenzen an den Rand des Krankenhauskomplex an. Unter dem „Isolier-Pavillon“ befindet sich das Gebäude „Augen“. Unterhalb des Augengebäudes ist das längliche rechteckige Gebäude für „Frauen und Kinder“ zu erkennen. Rechts neben dem Haus für Frauen und Kinder liegt das Gebäude der „Männer“. Rechts neben dem Haus der Männer befindet sich das Gebäude der „Operation“ und „Behandlung“. Ebenfalls rechts neben diesem Haus erkennt man einen kleinen Hof, der mit Bäumen umpflanzt ist. Innerhalb dieser Fläche ist die Bezeichnung 3100 qm vermerkt. Separat recht neben der Krankenanstalt Sudenburg befindet sich noch ein „Siechenhaus“ und ein „Kinderheim“.

Lageplan des Sudenburger Krankenhauses von 1926

lp1926.jpgLageplan von 1926 Ein Jahr später sind bereits einige Veränderungen ersichtlich, da dieser Lageplan die Erweiterung der Krankenhausanstalt Sudenburg anhand einer Architekturzeichnung aufzeigt. Die Karte wurde am 03. Februar 1926 vom städtischen Hochbauamt des Magistratsbauamt angefertigt. Der Lageplan ist auf einem festen Papier gezeichnet. Die Farbe des Papiers ist leicht gelblich und an den Rändern sind Wasserspuren zu erkennen. Der Lageplan hat eine Länge 50 cm und eine Breite 66 cm. Im oberen Bereich des Plans ist die Bezeichnung Erweiterung der Krankenanstalt Sudenburg (Endzustand) zu lesen. Darüber hinaus gibt es rechts neben der Überschrift die Maßstabsangabe von 1:000. Auf der unteren linken Seite der Karte ist eine Legende von drei Angaben. Von oben nach unten ist zu lesen: Bestehende Bauten, Jetzige Bauten und Spätere Bauten. Links neben den Bezeichnungen befindet sich jeweils ein Rechteck. Ebenfalls links unter der Legende befindet die das Kürzel Hb. E. 479. Hb. steht in diesem Falle wahrscheinlich für Hochbauamt. Auf der unteren rechten Seite der Karte befindet sich die Bezeichnung Magdeburg, den 03.02.1926 Städtisches Hochbauamt. Unter dem Wort Hochbauamt befindet sich eine Unterschrift, die jedoch unleserlich ist. Das Gelände der Krankenanstalt ist trapezförmig. Auf der Zeichnung der Krankenanstalt sind verschiedene Gebäude eingezeichnet. Die Umrisse des Gesamtgebäude wurden mit einem Stift leicht aufgezeichnet. Im Gegensatz dazu sind die verschiedenen Gebäude mit einem stärkeren Druck auf den Stift aufgemalt. Dabei sind die einzelnen Gebäude mit ihren jeweiligen Namen beschriftet. Somit ist gut zu erkennen, um welche Gebäude es sich handelt. Manche Gebäude sind leicht mit einem Stift dunkel ausgemalt. Die Frontseite der Anstalt grenzt an die Leipziger Straße. Der Eingang zur Krankenanstalt grenzte höchstwahrscheinlich an die Leipziger Straße. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in der unteren Mitte des Geländes drei Pfeile eingezeichnet sind. Zwei von ihnen zeigen auf das Gelände der Anstalt, einer von ihnen auf die Leipziger Straße. Zudem ist hierbei die Mauer des Geländes unterbrochen. Der Eingang befindet sich direkt mittig zu den Gebäuden der „Verwaltung“ und der Gebäude „Verwaltung“, „Apotheke“ und „Kasino“. Diese drei zuletzt genannten Einrichtungen befinden sich in einem gemeinsamen Gebäude. Würde man durch den Eingang hindurch gehen, würde man sich genau in der Mitte der Krankenanstalt befinden. Im Wesentlichen unterscheidet sich diese Karte von der von 1925 kaum. Die Anordnungen der Gebäude sowie deren Bezeichnungen ist genau gleich. Es sind nur leichte Veränderungen zu erkennen, wenn man die beiden Karten genauer betrachtet. Ein auffälliger Unterschied ist, dass einige Gebäude von 1926 leicht dunkel ausgemalt sind. Hierzu zählen folgende Gebäude: „Verwaltung“, „Frauen“, „Direktor“, „Innere“, „Nerve“, „Tuberkulose“, „Badehaus“, „Jetzt Maschinen“, „Isolier Pavillon“, „Dermatologische Verwaltung“, „Laborat“, „Siechenhaus“, „Jetzt Wirtschaft- später Badehaus“, und „Schwester“. Zudem fehlen auf der Karte von 1926 einige Gebäude. Ob diese nicht eingezeichnet wurden, oder eventuell im Verlauf des Jahres abgerissen wurden ist, ist ungewiss. Zum einen fehlt die Seuchenbaracke oberhalb des Infektionspavillons und das „Nasen-Ohren-Gebäude“ oberhalb der „Dermatologischen Abteilung“. Des Weiteren fehlt auf der rechten Seite des Geländers der Krankenanstalt der „Hof für Anatomie“ und der „Tierstall“. Auffällig zudem ist, dass aus dem Gebäude „Augen“ von 1925, 1926 das Gebäude „Nasen-Hals-Ohren“ wurde. Das Gebäude „Augen“ befindet sich 1926 nun auf der linken Seite des Geländes unter dem „Laborat“. Ein weiterer wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Lageplänen ist, dass die Bäume, Hecken und Büsche auf der Karte von 1926 fehlen.

Lageplan des Sudenburger Krankenhauses von 1928

Bei dem jüngsten vorliegenden Objekt handelt es sich um einen Architekturzeichnung des Sudenburger Krankenhauses aus dem Jahr 1928. Abgebildet ist der Grundriss auf einem faserigen Kraftpapier, welches etwas vergilbt ist. Diese Verfärbung geht sowohl von dem Papier aus, ist aber gleichermaßen auch altersbedingt. Zudem weißt die Karte Flecken auf. Die Faserstruktur ergibt sich aus der Tatsache, dass an allen Seitenrändern der Karte Fäden herausschauen. Der Lageplan ist 75 Zentimeter breit und 130 Zentimeter lang. Im rechten oberen Eck ist die Aufschrift Lageplan Kranken-Anstalt Sudenburg zu lesen und kurz darunter ist der Maßstab der Karte angegeben. Ein Zentimeter auf der Karte ergeben 500 Zentimeter, also fünf Meter in der Realität. Auffällig ist hier ein durchgängiger schwacher schwarzer Streifen, der sich horizontal über den gesamten Plan streckt und die Maßstabsangabe leicht durchstreicht. Man kann aufgrund der Platzierung und der Strichstärke davon ausgehen, dass der Streifen nicht relevant für den Plan ist und dass er sich womöglich nach der Fertigstellung ungewollt abgedruckt hat. Darunter ist eine Legende, die die wichtigsten Elemente des Lageplans erklärt. Gasleitungen, Entwässerungs- und Bewässerungsanlagen, Hydranten, Abstellhähne, Gullys, Einsteigschächte und Rohrkanäle in alt und neu sind in dem Lageplan durch unterschiedliche Symbole gekennzeichnet. Gasleitungen sind durch schwache durchgängige Linien dargestellt. Entwässerungsanlagen sind ebenfalls durch schwarze Linien aufgezeichnet, die aber etwas schwächer sind. Bewässerungsleitungen sind durch mittel farbige Linien sichtbar gemacht. Hydranten werden repräsentativ durch einen großen Kreis mit einem kleinerem Kreis in der Mitte dargestellt. Der Abstellhahn wird wiederum nur durch einen, nicht ausgefüllten, Kreis dargestellt. Gullys sind auf der Karte in Form von schwarz gefüllten Rechtecken zu erkennen. In der unteren linken Ecke ist ein kleiner rechteckiger Kasten zu sehen. Dieser ist 5,5 Zentimeter lang und 2 Zentimeter breit. Darin zu lesen ist St., was hier als Abkürzung für Stück steht. Zu entnehmen ist außerdem, dass es sich bei dem vorliegenden Plan um die 358. Auflage von insgesamt 1490 existierenden Dokumenten handelt. Man könnte aufgrund der hohen Stückzahl meinen, dass es sich demnach um eine Druckarbeit handelt. Allerdings weist die Schriftart, die zum Beispiel bei den Straßennamen gut zu erkennen ist, darauf hin, dass es sich um eine Handarbeit handelt. Man erkennt bei genauerer Betrachtung die Aufsetzpunkte des Stiftes. Außerdem folgen die Buchstaben der Normschrift, die grundsätzlich in der Erstellung architektonischer Dokumente genutzt wird. In der unteren rechten Ecke erkennt man sehr klein eine Inskription. Es handelt sich dabei um die Signatur des Erstellers. In Schreibschrift und sind die Buchstaben Le zu lesen und, durch einen Punkt getrennt, das genaue Erstellungsdatum am 24. November 1928. Etwas höher in der Ecke befinden sich außerdem weitere Wörter, die darauf hindeuten dass dort unterschrieben werden sollte. Zu lesen ist Magdeburg, den []19 Tiefbauverwaltung. Man kann davon ausgehen, dass hier das Datum hätte eingetragen werden müssen, sowie die Unterschriften des zuständigen Stadtbaurates und des Oberingenieurs. Auffällig ist, dass fast überall nachträglich Ergänzungen in rot auf der Karte eingetragen wurden. Die obere rechte Ecke ist unbeschriftet. Lageplan von 1928 Das Gelände der Kranken-Anstalt kann als trapezförmig angesehen werden. Gekennzeichnet sind die Außenränder durch eine dickere schwarze Linie. Demnach ist die Frontseite des Krankenhaus-Geländes, welche sich entlang der Leipziger Straße erstreckt, zur damaligen Zeit knapp 440 Meter lang gewesen. Die linke Seite, welche durch die Silberschmidtstraße abgegrenzt wird, ist 340 Meter lang. Von der Silberschmidtstraße gehen die Alfredstraße und die Barbarastraße ab. Aufgrund der Form des Geländes und der Anordnung der geschrieben Worte kann man davon ausgehen, dass sich der einstige Eingang zum Gelände auf der Leipziger Straße befand. Dies wird auch durch die Tatsache unterstützt, dass sich ungefähr mittig der Leipziger Straße ein kleiner Vorplatz, gekennzeichnet durch schwach schwarze Linien erstreckt. Dieser führt direkt zu einem kantig u-förmigen Gebäude. Die Gebäude auf dem Plan sind ebenfalls durch dicke schwarze Linien dargestellt. Inmitten der Umrisse des Gebäudes ist die Bezeichnung „Verwaltungsgebäude“ zu lesen. Direkt gegenüber befindet sich das „Schwesternhaus“. Zwischen den beiden Gebäuden erstreckt sich eine Art Innenhof, auf dem sich mehrere Gullys, Hydranten und Abstellhähne befinden. Kreisförmig verlaufen verschiedene Ent-, Bewässerungs-, sowie Gasleitungen. Etwa 20 Meter hinter dem „Schwesternhaus“ beginnt das „Wirtschaftsgebäude“. Hinter dem „Wirtschaftsgebäude“ befindet sich das „Maschinenhaus“. Rechts und links von dem „Maschinenhaus“ befinden sich zwei rechteckige „Schuppen“. Ein wenig weiter rechts befindet sich außerdem ein quadratisches Gebäude, in welchem sich das „Baubüro“ befindet. Angrenzend an das „Maschinenhaus“ befindet sich außerdem an der hinteren rechten Ecke ein Umriss eines Gebäudes mit der Bezeichnung „Desinfektion“. Hinter dem „Maschinenhaus“ befindet sich das „Badehaus“. Nachträglich wurde die Bezeichnung „Badehaus“ durchgestrichen und in rot durch „Apotheke 6 und Zahnklinik“ ersetzt. Hinter dem gesamten Gebäudekomplex befinden sich an der hinteren Seite des Krankenhausgeländes zwei leicht schräge Gebäude mit den Bezeichnungen „Baracke I“ und „Baracke II“. Auch hier wurde nachträglich in roter Schrift korrigiert. Die linke Baracke trägt die zweite Bezeichnung „Sattlerei 21“. Die rechte Baracke wurde zur „Tischlerei 22“. Ausgehend von der Leipzigerstraße ist das erste rechte Drittel durch eine große Freifläche gekennzeichnet. Hier befinden sich keine Gebäude oder Leitungen. Parallel zur Wredestraße erstreckt sich allerdings ein Bauwerk mit der Bezeichnung „Chirurgische Abteilung“. Auffällig ist der vorstehende Eingangsbereich, der das Gebäude mittig verbreitert. Nachträglich wurde hier eine rote Bezeichnung eingefügt, die allerdings unleserlich ist. Rechts neben der „Chirurgischen Abteilung“ befindet sich senkrecht ein längliches Gebäude mit der Aufschrift „Seuchen-Baracke“. Links neben der „Seuchen-Baracke“ erstreckt sich außerdem in ähnlicher Form eine „Epidemie- Baracke“. Als Alleinstellungsmerkmal sind hier ebenfalls die Worte „Feuer“ und „Hydrant“ zu lesen. Hinter den beiden Baracken befindet sich ein „Infektionspavillon“. Nachträglich wurde die „Hals-Nasen-Ohren-Augen Klinik“ in roter Schrift ergänzt. An dem Gebäude verlaufen außerdem auffällig viele Gas-, Ent- und Bewässerungsanlagen. Rechts neben dem Pavillon ist das Gebäude der „Anatomie“ zu sehen. Sehr klein und an der äußersten Geländekante der Klinik befindet sich hinter dem Gebäude der „Anatomie“ außerdem ein „Tierstall“. Ebenfalls an dem hinteren Gelände- Rand befindet sich die „Döckersche Baracke“. Nachträglich wurde hier das Wort „Infektions-B.“ einfügt. Man kann davon ausgehen, dass das B. für Baracke steht. Die Linke Hälfte des Geländeplans ist zudem durch viele Freiräume zwischen und neben den Gebäuden geprägt. Insgesamt befinden sich nur sechs Gebäude auf dieser Geländehälfte. Ein Gebäude erstreckt sich im hinteren Bereich des Geländes und ist mit einer Länge von rund 100 Metern das längste. Es trägt die Aufschrift „Pavillon 1“. Nachträglich wurde in rot „Nervenklinik 1“ ergänzt. Hinter dem Gebäude verlaufen senkrecht zwei ovalförmige Plätze. Vor dem „Pavillon 1“ befinden sich parallel zwei weitere Pavillons. Sie sind durch die Nummerierungen 2 und 3 gekennzeichnet. Diese sind formähnlich, wobei der „Pavillon 2“ etwas länger ist. Zwischen den Pavillons verlaufen ebenfalls Gas-, Ent- und Bewässerungsleitungen, sowie Gullys und Hydranten. Gegenüber von „Pavillon 3“ befindet sich der „Pavillon 5“. U-Förmig geöffnet zur Westseite befindet sich die „Gynäkologische Abteilung“. Dieses Gebäude besitzt ebenfalls mehrere Vorbauten und Verwinkelungen. Zwischen „Pavillon 2“ und der „Gynäkologischen Abteilung“ wurde nachträglich ein Gebäudekomplex mit der Aufschrift „Bunker“ eingefügt. In der linken vorderen Ecke des Geländes befindet sich das „Direktorwohnheim“. Auf der rechten Seite der Wredestraße ist außerdem nachträglich der Umriss eines Gebäudes eingezeichnet. Auch die Inschrift dieses Gebäudes ist nicht mehr nachvollziehbar.

Bauliche Bedeutung und Um- und Neubauten des Krankenhauses

Das Sudenburger Krankenhaus wurde als Erweiterung zum Altstadtkrankenhaus in Magdeburg gebaut, da dieses aufgrund von einer stetig wachsenden Bevölkerung nicht mehr ausreichte. Die Verhandlungen dafür dauerten vier Jahre (1886-1890). 1891 konnte dann die ersten Gebäude in Form eines Irrenpavillons, eines Wirtschaftsgebäudes und des Maschinenhauses fertiggestellt werden. Das Krankenhaus wurde aufgrund der finanziellen Situation der Stadt Schritt für Schritt aufgebaut. Zweck war vornehmlich die nicht vorhandenen Kapazitäten des Altstadtkrankenhauses auszugleichen. Das Krankenhaus wurde in den nächsten Jahren um Gebäude erweitert, wobei viele auch nur als Zwischen- oder Übergangslösung umgesetzt und später oft umfunktioniert wurden. Schnell entwickelten sich Probleme durch die provisorischen Bauten, die vor allem dem Magistrat der Stadt Sorgen bereiteten. Ärzte und ärztliche Direktoren standen ständig in Diskussion mit dem Magistrat und setzten sich für diverse Umbauten ein, die aber wegen finanziellen Gründen meist nicht umgesetzt werden konnten. 1) . Am 01.12.1891 erfolgte die Inbetriebnahme der Krankenanstalt durch Prof. Dr. Unverricht. In den Jahren zwischen 1892 und 1895 wurden auf dem Gelände die Kliniken III und V für die innere Medizin errichtet sowie weitere Verwaltungsgebäude, das Leichenhaus und die Chefarztwohnungen. Wenig später wurde die Chirurgische Abteilung im Irrenpavillon untergebracht, da die Irrenpflege nun von der Provinz übernommen wurde.2) Der Bau einer selbständigen Chirurgie wurde aus finanziellen Gründen abgelehnt. Zu Beginn des 20 Jahrhunderts kamen dann der Pavillon II, der Diphteriepavillon sowie das Badehaus hinzu. 1906 wurde der chirurgische Pavillon in Frauenstation umgebaut, im Leichenhaus wurde die Pathologie eingerichtet und das neu gebaute Schwesternhaus war nun bezugsfertig.3) 1908 wurde ein Bestandsaufnahmegutachten erstellt, dass den beiden Krankenhäusern in Magdeburg, Altstadt und Sudenburg, erhebliche Mängel in Hinblick auf betriebstechnische und hygienische Gesichtspunkte bescheinigte. Dem Magistrat wurde deshalb empfohlen, eine umfassende Reform durchzuführen, die beinhaltete, dass das Altstadtkrankenhaus nach und nach geschlossen wird und das Sudenburger Krankenhaus fortlaufend ausgebaut wird. Priorisiert wurden bei der Planung der Neubau der Hautklinik und der Ausbau der Frauenklinik. 4) Ein paar Jahre später, genauer gesagt 1911 wurde mit dem Bau einer neuen Frauenklinik begonnen. Diese konnte gerade so vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges fertiggestellt werden, ebenso wie die Infektionsabteilung. Kommen wir nun zu den 1920er Jahren aus denen auch unsere Lagepläne stammen. 1920 wurde mit dem Aufbau einer Augenklinik im Haus 9 (Hals-, Nasen- , Ohrenabteilung) begonnen. 1924 hatte sich die Lage im Sudenburger Krankenhaus nach dem Ersten Weltkrieg langsam wieder beruhigt. Man begann mit der Planung die Bettenkapazität auf 2000 aufzustocken. Bereits im Jahr 1927 betrug die Zahl der Krankenhausaufnahmen im Sudenburger Krankenhaus 10.912. Das Altstadtkrankenhaus hatte im selben Jahr eine Aufnhame von 7.273 zu verzeichnen. So betrug die gesamte Anzahl an Krankenaufnahmen in Magdeburg 18.185 im Jahr 1927.5) Wie man im Vergleich der Pläne sehen kann, ist auf dem Plan von 1928 nun ein großes neu hinzugekommenes Gebäude erkennen. Dabei handelt es sich um die 1927 gebaute Chirurgische Klinik. Mit der Zustimmung des Projekts durch die Stadtverordnetenversammlung 1925, Erbauung 1926, konnte im Dezember 1927 der Betrieb dieser Chirurgischen Kliniken aufgenommen werden.6) Diese war für damalige Standards sehr modern. Ebenso wurde der Bau der Nervenklinik vorangetrieben, sowie die Erweiterung der Frauenklinik. Eigentlich waren insgesamt drei Chirurgische Kliniken geplant gewesen. Diese Pläne konnten jedoch aufgrund der aufkommenden Weltwirtschaftskrise 1929 nicht realisiert werden. Trotzdem spiegelte das Sudenburger Krankenhaus den hohen Stand der deutschen Medizin in der Weimarer Republik wieder. 7) Den Krankenhäusern in Magdeburg waren Aus- und Fortbildungsstätten angegliedert. Auf dem Gelände des Sudenburger Krankenhauses befand sich ein wissenschaftlich-medizinisches Institut. Für diesen Zweck war beim Bau der Chirurgischen Klinik im Erd- und Kellergeschoss des Ostflügels ein Hörsaal eingerichtet worden. Ende der 1920er Jahre, genauer gesagt im April 1929, wurde der Beschluss zum Neubau der Hautklinik auf dem Gelände des Sudenburger Krankenhauses gefasst. Die Bau-Dauer umfasste 14 Monate und so wurde der Neubau am 1. September 1931 eingeweiht.8)

Das Gesundheitswesen Magdeburgs in der Weimarer Republik

Die Weimarer Republik 1918 – 1933

friedrich_ebert.jpegFriedrich Ebert (1871 - 1925) Bereits im Oktober 1918 galt der Erste Weltkrieg für das Deutsche Reich als verloren. Dennoch befahl am 24. Oktober die Leitung der deutschen Flotte in eine letzte Schlacht gegen die britische zu ziehen. Die Antwort auf diesen Befehl von Seiten der deutschen Matrosen war jedoch ein Aufstand, der am 30. Oktober stattfand. Dieser Aufstand löste eine Welle von weiteren Aufständen im ganzen Deutschen Reich aus, die letztendlich in der Novemberrevolution mündeten. Am 9.November 1918 wurde in Folge der Novemberrevolution die Weimarer Republik ausgerufen. Kaiser Wilhelm II. dankte ab. Sein Amt nahm der Sozialdemokraten Friedrich Ebert an. Dieser führte seit 1913 den Vorsitz von der sozialdemokratischen Partei Deutschlands, kurz SDP. Phillip Scheidemann (ebenfalls Sozialdemokrat) rief die demokratische Republik aus. Ebert gelang es eine provisorische Übergangspolitik zu bilden, den sogenannten „Rat der Volksbeauftragten“. Zu ihnen gehörten drei Mitglieder der SPD und drei Mitglieder der USPD an. Der Rat plante bereits am 19. Januar die Wahlen zur Nationalversammlung. Am 11. November 1918 unterzeichnete Matthias Erzberger, Abgeordneter der SPD, den Waffenstillstand. Das ganze Land stand unter Schock. Acht Millionen Bürger*innen und Soldaten waren im Ersten Weltkrieg gefallen, mehr als vier Millionen Menschen waren verletzt und verstümmelt. Das Land lag in Schutt und Asche und es herrschte Chaos und Hungersnöte 9) . Am 19. Januar 1919 fanden die ersten freien Wahlen statt. Dort waren es erstmals auch Frauen erlaubt zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 83 Prozent. Es wurde die Nationalversammlung gewählt. Diese trat in Weimar zusammen, da man in Berlin Unruhen befürchtete. Von diesem Ort bekam die Weimarer Republik auch ihren Namen. Aus dem ehemals Deutschen Reich wurde eine parlamentarische Demokratie. Mit 37,9 Prozent wurde die SPD die stärkste Partei im Reichstag und Friedrich Ebert wurde zum Reichspräsident ernannt. Ebert wurde zum bedeutendsten Politiker der Weimarer Republik. Er setzte sich besonders dafür ein, dass die deutsche Demokratie aus den Trümmern des Ersten Weltkriegs herausfand. Am 31. Juli 1919 wurde die Weimarer Verfassung von der Nationalversammlung verabschiedet. Dort wurden Grundrechte, wie zum Beispiel Meinungs- und Versammlungsfreiheit festgelegt. Am 14. August trat dann die Weimarer Reichsverfassung in Kraft. Merkmale der Verfassung waren die Grundrechte, die Gewaltenteilung, eine starke Stellung des Reichspräsidenten und die nicht vorhandene Sperrklausel für Parteien 10) .

Die ersten Krisenjahre 1919 - 1923

Zwischen 1919 und 1923 erlitt die Weimarer Republik ihre ersten Krisenjahre. Durch den Versailler Vertrag 1921 musste Deutschland knapp 132 Milliarden Goldmark an die Siegermächte als Schadensersatz zahlen und das innerhalb von 30 Jahren. Es wurde festgelegt, dass Deutschland jährlich 2,5 Milliarden Goldmark zahlen muss. Dies sollte ab 1928 erfolgen. Des Weiteren wurde die Weimarer Republik durch Putschversuche von links und rechts belastet. Im November 1923 kam es zur Hyperinflation, da die Reparationskosten nicht mehr zu bezahlen waren. Mitte November 1923 kam die Währungsreform. Um die Inflation zu stoppen wurde ab dem 15. November die Rentenmark als neues Zahlungsmittel eingeführt.11)

Die Goldenen 20er 1924 - 1929

Durch die Währungsreform 1924 konnte sich das Land langsam wieder stabilisieren. Es folgten die sogenannten Goldenen 20er. Es kam zu einem wirtschaftlichen Aufschwung und das Land stabilisierte sich allmählich. Mitverantwortlich war der Dawes – Plan der am 09. April 1924 veröffentlicht wurde. Dies war ein Finanzierungsplan von Charles Dawes, der vorsah, die Höhe der Reparationszahlungen abhängig von der wirtschaftlichen Leistung zu machen. Am 29. August stimmte der Reichstag dem Plan zu und am 01. September trat er in Kraft. Die Wirtschaft erholte sich und das Land erlange außenpolitische Anerkennung und Wertschätzung. Die Rentenmark wurde im Zuge dessen von der Reichsmark abgelöst. Während der Goldenen 20er erlebte die Weimarer Republik eine Blütezeit der Deutschen Kultur. Es wurden der Rundfunk und der Tonfilm erfunden. Filme wurden zu einem wichtigen Massenmedium. Sportveranstaltungen wurden ebenfalls immer beliebter sowie Tanzveranstaltungen und Musik. 12)

Die Weltwirtschaftskrise

Am 25. Oktober 1929 brach die Weltwirtschaftskrise über das Land hinein. Es folgte ein Rückzug von ausländischen Krediten, der Handel und die Industrie brachen ein. Dies führte zu einer Massenarbeitslosigkeit. Die vielen Arbeitslosen überforderten die finanziellen Mittel der Arbeitslosenversicherung. Infolge dessen geriet die Regierung in einen Streit über die Erhöhung der Beiträge der Arbeitslosenversicherung. Viele Lösungsansätze scheiterten jedoch. Dies führte zum Rücktritt der Reichsregierung am 27. März 1930. Zwei Tage später, am 29. März 1930, wurde im Anschluss Heinrich Brüning zum neuen Reichskanzler gewählt. Wiederum zwei Jahre später trat Heinrich Brüning jedoch wieder zurück, da er Deutschland nicht aus der wirtschaftlichen Krise holen konnte 13) .

Das Gesundheitskonzept in der Weimarer Republik

Während der Weimarer Republik stieg die stationäre Krankenversorgung rasant an. Krankenhausneubauten galten nicht nur als Vorsorge und Anlaufstelle bei Erkrankungen sondern auch als „Prestigeobjekte“ der Stadt. Darüber hinaus entwickelte sich die Medizin nach dem Ersten Weltkrieg erheblich weiter. Röntgendiagnostik und Elektrokardiographie setzten sich weiter durch und die Arzneimittelforschung machte große Fortschritte. Die Gesundheitspolitik konzentrierte sich in der Weimarer Republik stark auf Prophylaxe und Gesundheitsförderung um die Sterblichkeitsrate (zum Beispiel ausgelöst durch Infektionen) zu reduzieren und eine allgemeine Verbesserung der hygienischen Lebensverhältnisse hervorzurufen. Um die Aufklärung im gesundheitlichen Bereich zu vergrößern und zu verbreiten wurden zunächst 1919 Landesausschüsse gegründet. 1921 erfolgte dann ein Zusammenschluss von den verschiedenen Landesausschlüssen zum Reichsausschuss für hygienische Volksbelehrung. Zudem existierten und gründeten sich viele Vereine, die die Bevölkerung hinsichtlich Hygiene und Gesundheit aufklärten. Dies erfolgte durch Plakate, Vorträge, Filme, oder Ausstellungen. Filme wurden oftmals in Kinos, bei Fortbildungs– und Lehrveranstaltungen der Ärztevereine, in Schulen und Krankenhäusern, sowie auf Gesundheitswochen und Hygieneausstellungen vorgeführt. Da es zu dieser Zeit noch Stummfilme gab, wurden die gezeigten Filme durch Vorträge ergänzt. Gesundheitskampagnen konzentrierten sich meistens auf die Großstädte. Erst Ende der 20er Jahre verlagerten sich diese auch auf die ländlichen Gebiete. In der Weimarer Republik unterschied man zwischen staatlichen und kommunalen Kompetenzen des Gesundheitswesens. Zudem gab es noch die ruhende Reichkompetenz. Dies bedeutete, dass die Länder unabhängig voneinander eigene Gesundheitsgesetze schaffen konnten. So kam es dazu, dass es in verschiedenen Ländern unterschiedliche Gesetze, zum Beispiel für die Tuberkulosebekämpfung, gab 14) .

Das Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen in der Weimarer Republik war durch die Entwicklung des Krankenkassensystems stark geprägt. Bereits seit der durch die Sozialgesetzgebung von 1883 eingeführte Krankenversicherung gehörte eine Versicherung für Arbeiter ab einer bestimmten Einkommensgrenze zur Pflicht. Den Beitrag teilten sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Auch die Vielzahl an Kassen nahm ab diesem Zeitpunkt zu. Bis 1913 waren ca. 25 Prozent der Bevölkerung krankenversichert und die Mitgliederanzahl von Kassen weitete sich aus. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts entstand auf kommunaler Ebene ein sehr aktives und öffentliches Gesundheitswesen. Dabei entwickelte sich auch ein breites Fürsorge– und Beratungsangebot. Die Fürsorge– und Beratungsstellen waren eher für beratende Tätigkeiten zuständig. Sie konzentrierten sich dabei auf die besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen, wie zum Beispiel für Mutter und Kind, Schulgesundheitspflege oder die Fürsorge für Patienten*innen mit gravierenden Erkrankungen (z.B. Tuberkulose). Therapien blieben den Ärzten vorbehalten. In den 20er Jahren wurden das Fürsorge– und Beratungsangebot ausgebaut. Es entstanden neue Berufsgruppen wie Fürsorge– und Vorsorgeärzte. Die Beratungsstellen waren jedoch nur für die präventive Medizin zuständig. Die Krankenkassen weiteten sich im Verlauf der 20er Jahre hinsichtlich ihrer Leistungen weiter aus. Da diese infolge des Ersten Weltkriegs und der Inflation finanziell immer mehr in Anspruch genommen wurde. Gleichzeitig nahm jedoch die Anzahl an Krankenkassen von ca. 21.300 (1913) auf 7.800 (1924) ab. Durch die steigenden Mitgliederzahlen wurden die Kassen zunehmend zu Verwaltungsorganen. In einigen Städten eröffneten Krankenkassen infolge dessen Ambulatorien mit angestellten Ärzten. Dort konnten sich Krankenkassenmitglieder behandeln lassen. Dieses Angebot wurde oft von den Patienten*innen angenommen. Niedergelassene Ärzte wehrten sich gegen dieses Konzept, da sie darin eine Beeinträchtigung ihrer Berufsausführung erkannten. Nach jahrelanger Auseinandersetzung zwischen der Ärzteschaft und den Krankenkassen, wurde von dem Gesamtverbund deutscher Krankenkassen eine Neuregelung erlassen. Es entstand die kassenärztliche Vereinigung, die den Sicherstellungsauftrag für die medizinische Versorgung der Bevölkerung übernahm. Somit war die kassenärztliche Vereinigung zuständig für die Honorarverteilung und die Überwachung ärztlicher Tätigkeiten. Dies war zuvor die Aufgabe der Kassen. Im Gegensatz dazu wurde die finanzielle Vergütung der Kassen an die Ärzte begrenzt. Parallel entstanden neue Schwierigkeiten für Krankenhäuser. Denn diese hatten bisher Verträge mit den Kassen über ambulante Leistungen abgeschlossen. Die Ärzteschaft versuchte in den dreißiger Jahren zunehmend die Krankenhäuser aus dem Bereich der ambulanten Versorgung zu verdrängen und selbst ein Behandlungsmonopol in diesem Bereich zu erlangen. Die Medizin war in der Weimarer Republik schon weit entwickelt. Jedoch gab es in der Zeitspanne drei Einbrüche der gesundheitlichen Lage. Durch die extreme Verschlechterung der Ernährungslage nach dem Ersten Weltkrieg stieg unter anderem die Tuberkulosesterblichkeit rasant an. Erst 1920 verbesserte sich die Lage allmählich durch eine bessere Nahrungsmittellage. Jedoch brach die Gesundheitslage im Jahre 1922 erneut wegen der Inflation im selbigen Jahr ein. Ein weiterer Einbruch erfolgte 1929 mit dem Beginn der Weltwirtschaftskrise 15) .

Das Krankenhaus in der Weimarer Republik

Die Nachkriegszeit war geprägt von vielen Faktoren, die sich auch in der Stadt Magdeburg widerspiegelten. Inflation und Kriegsfolgen wirkten sich insbesondere auf den Mittelstand und die Arbeiterklasse aus 16) . Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war insgesamt geprägt von vielen gesellschaftlichen Problemen. Auf der einen Seite entwickelte die Stadt eine starke Industrie, auf der anderen Seiten erschütterten viele Krisen die Bevölkerung. Nichtsdestotrotz erlebte die Stadt Magdeburg und besonders das Gesundheitswesen in der Weimarer Republik einen Aufschwung. Neubebauungen und Umbauten unter Oberbürgermeister Hermann Beims waren an der Tagesordnung. So wurden Arbeitersiedlungen, zum Beispiel Reform, angelegt. Diese wurden primär der wachsenden Arbeiterschaft, die im Zuge der Industrialisierung nach Magdeburg strömte, zugesprochen. Die Wohnverhältnisse waren aber aufgrund der Verstädterung mangelhaft und der Ausbruch von Infektionskrankheiten hätte drastische Folgen gehabt. Die sozialen Verhältnisse in der Stadt änderten sich trotz viele positiver Errungenschaften nicht maßgeblich. Das Sudenburger Krankenhaus wurde bereits im Jahr 1891 gegründet. Seit Anbeginn gab es viele Schwierigkeiten, die vor allem mit den räumlichen Kapazitäten der Einrichtung und den finanziellen Mitteln der Stadt zusammenhingen. Generell ist die Geschichte der Anstalt geprägt von Erweiterungs- und Neubaudiskussionen zwischen dem Krankenhaus und der Stadt. Während der Weimarer Republik kam es im Bereich des Gesundheitswesen zu vielen Diskussionen und auch Oberbürgermeister Beims kämpfte darum, dass der Bevölkerung die Relevanz eines funktionierenden Gesundheitssystem nähergebracht wird. Anfang des 19. Jahrhunderts drohte die in Deutschland weitverbreitete Cholera-Epidemie auch in Magdeburg auszubrechen, weshalb eine Verbesserung der medizinischen Lage notwendig war 17) . Mit Beginn des ersten Weltkriegs wurde die Lage immer schwieriger. Besonders die Versorgung von Kriegsverletzten und sogenannten „Kriegswirren“ wurde vornehmlich durchgeführt. Beispielsweise wurden insgesamt 810 Betten in der Sudenburger Krankenhausanstalt von nur sechs Ärzten versorgt und das Vergnügungslokal „Schwan“ wurde behelfsmäßig zum Lazarett umgebaut. Auch die Kapazitäten im länger bestehenden Altstadtkrankenhaus waren unzureichend. Aufgrund der Bevölkerungsdichte und dem engen Wohnraum in der Weimarer Republik verbreiteten sich Infektionskrankheiten rasant und immer wieder gab es Diskussionen über Erweiterungen der Krankenhausanstalt, die nur teilweise umgesetzt wurden. Die Lage der Krankenhäuser in Magdeburg war insgesamt mangelhaft. Unzureichende Kapazitäten und auch andauernder Ärztemangel hatten zur Folge, dass die Versorgung der Bürger*innen Magdeburgs ungenügend war und Überbelegungen zum Tagesgeschäft gehörten. Der Stadtmedizinalrat Konitzer veröffentlichte im Jahr 1928 ein Buch zum Thema Gesundheitswesen der Stadt Magdeburg, in dem unter anderen Bürgemeister Beims zu Wort kam. Betont wurden von Konitzer die individuelle, allgemeine und die soziale Gesundheitspflege. Im Zuge der individuellen Gesundheitspflege appeliert Konitzer an die Bürger*innen hygienische Standards wie die Körperpflege und sportliche Betätigung einzuhalten, bei der allgemeinen Gesundheitspflege richtet er sich an das Bauwesen. Häuser und andere Bauten sollten so errichtet werden, dass genügend Platz ist und auch die Kanalisation hygienischen Maßstäben unterliegt. Dies diente primär zur Seuchenbekämpfung. Die soziale Gesundheitspflege hingegen verfolgt das Ziel, kulturelle und soziale Verhältnisse so zu strukturieren, dass die Gesundheit der Menschen verbessert wird. Dazu zählen unter anderem der Säuglings- und Kleinkinderschutz, die Schulgesundheitspflege, die Tuberkulosebekämpfung und die Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten 18) . In der Gesundheitsfürsorge in Magdeburg kritisiert Konitzer im Jahr 1928 die vielen Organisationen und Institutionen die auf diesem Gebiet arbeiten, allerdings getrennt voneinander und mangelnder Verbindung zu Politik. Er betont in diesem Sinne die Wichtigkeit von kommunalen Gesundheitsämtern. Magdeburg war dennoch im Bereich der Medizin eine hochangesehene Stadt. Bestrebungen, in denen es nicht nur darum ging, Erkrankte zu heilen, sondern auch Krankheiten vorzubeugen, sowie die frühe Planung einer Medizinischen Akademie für die Ausbildung von Jungärzten brachten enorme Vorteile für das Gesundheitswesen in Magdeburg 19) . Zur Gründung einer Medizinischen Akademie kam es allerdings erst Jahre später.

Die Hautklinik des Sudenburger Krankenhauses

Im Altstadtkrankenhaus in der Marstallstraße war lange Zeit eine renommierte Hautklinik angesiedelt. Unter der Leitung von Chef. Prof. E. Schreiber wurde im Jahr 1906 die Klinik für Dermatologie und Venerologie des Altstadtkrankenhauses in Magdeburg selbstständig. Haut- und Geschlechtskranke wurden hier behandelt. Im Jahr 1920 wurde Prof. Dr. Carl Lennhof Nachfolger von Schreiber und übernahm die Leitung. Die räumlichen Kapazitäten der Abteilung im Altstadtkrankenhaus waren allerdings nicht ausreichend und hygienische Mängel, wie die Tatsache, dass Erkrankte nicht isoliert behandelt werden konnten, förderten Ideen zur Umplanung. Darüber hinaus war das Gebäude, in dem sich die Hautklinik im Altstadtkrankenhaus befand, ursprünglich nicht für diesen Zweck gedacht. In dem Gebäude befand sich einst ein Leihhaus und zuvor eine Schule. Der Aufbau war dementsprechend ungeeignet für eine Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten 20) . In Kooperation des Gesundheitsamtes mit der Krankenhausverwaltung ist die Idee, ein neues Gebäude für die Hautklinik in der Sudenburger Krankenhausanstalt zu errichten von der städtischen Hochbauverwaltung geplant worden. Beschlossen wurde der Baustart bereits im April 1929, erste Ideen waren aber schon im Jahr 1919 vorhanden. Wie auf den Lageplänen zu erkennen ist, befand sich auf dem Krankenhausgelände an der Ecke Wredestraße/Leipzigerstraße eine große Freifläche. Auf dieser Freifläche sollte die neue Hautklinik errichtet werden. Im Gegensatz zu der Hautklinik im Altstadtkrankenhaus ist auf dem Gelände des Sudenburger-Krankenhauses die Möglichkeiten geboten, den Patienten*innen auch Gartenfläche zur Verfügung zu stellen. Das Fehlen von separaten Grün- und Außenanlagen im Altstadtkrankenhaus wurde insbesondere von Lennhof stark kritisiert. Viele Prostituierte waren im Altstadtkrankenhaus in Behandlung und eine gesonderte Gartenfläche wäre von Nöten gewesen, um Zwischenfällen entgegenzuwirken 21) . Darüber hinaus könnten infektiöse Patienten*innen isoliert behandelt werden. img_8172.jpgBau der HautklinikBau der Hautklinik 1929Bau der Hautklinik Im Jahr 1931 wurde der Bau der neuen Hautklinik am Standort Sudenburg fertiggestellt. Geplant und durchgeführt wurde das Bauvorhaben von Johannes Göderitz, der Leitung des Hochbauamtes. Außerdem wurde im Zuge des Neubaus auch die Errichtung eines neuen Seiteneingangs zu dem Krankenhaus geplant und umgesetzt. Aus einem Schreiben des Magistrats an die Stadtverordneten-Versammlung geht hervor, dass sich die geplanten Kosten des Neubaus auf rund 1,3 Millionen RM beliefen. Unterzeichnet wurde die Forderung von Beims, Böhme, Konitzer und Göderitz, die sich als Mitglieder des Magistrats stark für den Neubau einsetzten. Nach Zustimmung der Stadtverordneten-Versammlung wurde im Jahr 1929 mit dem Bau des Pavillongebäudes begonnen. Als erster Leiter der Hautklinik war der Dermatologie Carl Lennhoff zuständig, zuvor setzte auch er sich massiv für den Bau einer neuen Anlage ein. In der renommierten Klinik ging es nicht nur darum Erkrankte zu heilen, sondern den Krankheiten vorzubeugen und diese ausgiebig zu erforschen 22) . Der Stahlbetonbau war in drei Segmente gegliedert und markiert das Ende der Erweiterungsbemühungen des Sudenburger Krankenhauses in den 1920er Jahren. Im Norden bot das Gebäude ein Bettenhaus mit einer Bettenkapazität von 153 mit fünf Stockwerken und im Süden, ebenfalls mit fünf Stockwerken, einen klinischen Trakt. Richtung Osten erstreckte sich ein Bau für die Ambulanz und für Laboratorien. Zudem gab es ein dreigeschossiges Element in dem die Wohnungen für Pförtner und Ärzte lagen und verschiedene Treppenhäuser. Die Einweihung des Gebäudes erfolgte am 1. September 1931. Magdeburg war eine der wenigen Städte Deutschlands mit einer eigenen Fachklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten. Auch Paul Konitzer wirkte bei dem Bau im Zuge der allgemeinen städtischen Sozial- und Gesundheitsfürsorge mit. Im Jahr 1939 wurde die Hautklinik in das Waldkrankenhaus Lostau verlegt. Das Gebäude in dem sich die Hautklinik befand blieb allerdings trotzdem bestehen. In der Amtszeit des Oberbürgermeister Hermann Beims wurden umfassende Neu- und Umbauten im gesamten Gebiet Magdeburgs umgesetzt. Johannes Göderitz ernannte die Stadt im Jahr 1927 zur „Stadt des Neuen Bauwillens“ und moderne und funktionale Bauten schmückten das Stadtbild. Das Gebäude der Hautklinik wurde aufgrund seine Struktur, Funktionalität, Geschichte und der Städtebaulichen Bedeutung unter Denkmalschutz gestellt worden. Zudem zählte es zu den letzten 23 Gebäuden, die von Johannes Göderitz in Magdeburg erhalten waren. Auch der berühmte Architekt und Städtebauer Fritz Kneller wirkte bei dem Neubau mit. Gebäude der ehemaligen HautklinikGebäude der ehemaligen Hautklinik Kaum ein anderes Gebäude aus der Zeit der Weimarer Republik war so gut erhalten wie das der ehemaligen Hautklinik. Es erfolgten einige Sanierungsarbeiten an dem Gebäude in den 1990er Jahren. Beispielsweise wurden Fenster und Türen erneuert. Nach §2 (2) 1 des Denkmalschutzgesetzes wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Alle notwendigen Reparaturen bezüglich der Statik, Brandschutz oder der Bauphysik hätten denkmalgerecht bewältigt werden können. Das Gebäude funktionierte als Überbleibsel und Erinnerungsstück an die erfolgreiche Medizingeschichte Magdeburgs aus den 20er Jahren. Trotz vieler Bemühungen seitens Konservatoren, Denkmalschützern und auch der Stadt wurde im Jahr 2015 der Entschluss gefasst, das Gebäude der ehemaligen Hautklinik trotz seiner interessanten und einmaligen Geschichte, abzureißen. Kontrovers wurde in diesem Zuge ebenfalls diskutiert, inwieweit ein Abriss gerechtfertigt werden kann, wenn im Jahr 2019 die Jubiläumsfeierlichkeiten des Bauhauses stattfinden. Auf dem Gelände der ehemaligen Hautklinik ist der Neubau eines neues Herzzentrums geplant. Die Lage wurde aufgrund der Anbindung zu dem Hubschrauberlandeplatz und der Notaufnahme ausgewählt. 2016 wurde der Abrissgenehmigung stattgegeben. Voraussetzung dafür war, dass der Neubau des Herzzentrums ohne große Verzögerung durchgeführt wird, das heißt dass auch finanzielle Mittel vorab bereitgestellt werden sollten. Diese umfassen rund 100 Millionen Euro 23) .

Die Weimarer Republik und ihre Bürger*innen und Menschen im Sudenburger Krankenhaus

Der verlorene erste Weltkrieg und die Forderungen des Versailler Vertrags erschütterten die gesamte deutsche Bevölkerung. Während des Krieges und den damit verbundenen Gebietsabtrennungen kam es zwar zu einer starken Reduzierung der deutschen Bevölkerung, jedoch wuchs die Population in den Städten. Demokratiefeindliche Bestrebungen und auch nationalsozialistische Radikalisierungen prägten die Gesellschaft. Besonders im Jahr 1923, dem Jahr der Inflation, von der fast alle Bürger*innen betroffen waren, setzte der jungen Republik zu. In Magdeburg gab es Bestrebungen seitens des Stadtparlaments und dem Magistrat, die soziale Struktur in der Stadt zu verbessern. Nichtsdestotrotz litt besonders die Mittelklasse in Magdeburg unter den Inflations- und Kriegsfolgen. In den Goldenen Zwanzigern hingegen, schien die Gesellschaft aufzuatmen. Die Arbeitslosigkeit sank und radikale Parteien verloren Wähler und Mitglieder. Errungenschaften wie das Wahlrecht für Frauen und die Einführung von absichernden Grundrechten erfuhren breite Zustimmung. Nichtsdestotrotz waren vor allem die Frauenrechte eher formal geregelt als wirklich gelebt. Besonders im Arbeitsmarkt wurden Frauen weiterhin diskriminiert. Die Goldenen Zwanziger wurden zwar als relativ stabil angesehen, Produktivität und Export des Arbeitsmarktes konnten dennoch nicht erzielt werden 24) . Außerdem gab es einen fortschreitenden Trend hin zur Verstädterung. Die Lebensbedingungen in den Städten waren meist nicht gut und von Wohnungsmangel geprägt. Die Industrialisierung, besonders die der Landwirtschaft, erforderte hohe Investitionen seitens der erwerbstätigen Bevölkerung, die aber aufgrund von Steuerzahlungen und der damit benötigten Aufnahme von Krediten kaum zu stemmen waren 25) . Auch die Weltwirtschaftskrise im Jahr 1929 traf Deutschland hart und demokratiefeindliche Bestrebungen nahmen wieder zu. Die Wirtschaftskrise hatte eine hohe Arbeitslosigkeit, Entlassungen und Firmenschließungen zur Folge. Viele Bürger*innen sehnten sich auch nach der Kaiserzeit, was sich vor allem auf die ersten Jahre des Bestehens der Weimarer Republik und die vielen Krisen zurückführen lässt. Auch das Bürgertum fürchtete in den vielen Krisen in den 20er Jahren um seinen Status 26) .

Wichtige Personengruppen im Sudenburger Krankenhaus

Viele gesellschaftliche Entwicklungen gingen in der Weimarer Republik von statten. Die Verbesserung des Gesundheitswesen, die Etablierung einer industriellen Hochburg, der Wohnungsbau und viele weitere Faktoren wirkten sich positiv auf die Bevölkerung aus. Auf der anderen Seiten stellten die Überbevölkerung, die wachsende Arbeiterschaft, mangelnde Kapazitäten und Ärztemangel in den Krankenhäusern drastische Probleme dar. Die Weimarer Republik brachte einige wichtige Personengruppen hervor, die in Beziehung mit der Sudenburger Anstalt standen. Im folgenden sollen einige dieser und deren Rolle im Krankenhaus näher beleuchtet werden. Es wird auf einige wichtige Persönlichkeiten eingegangen, sowie auf Personen- bzw- Patientengruppen, die vornehmlich im Krankenhaus behandelt wurden. Im Jahr 1927 betrug die Zahl der Krankenaufnahmen im Sudenburger Krankenhaus 10.912, im Altstadtkrankenhaus hingegen nur 7.273 27) .

Krankenschwestern

Der Beruf der Krankenschwester wurde fast ausschließlich von Frauen ausgeführt und war somit einer der wenigen Berufe, der von Frauen ausgeübt wurde.Schwesternhaus Im Jahr 1906 wurde in der Anstalt Sudenburg das erste Schwesternhaus eröffnet. Während der Weimarer Republik gab es auch einige Erneuerungen, die die Angestellten in den Krankenhäusern betrafen. Der Achtstundentag für das Krankenhauspersonal wurde eingeführt. Außerdem wurde eine Versicherung für Krankenschwestern ab dem 19. Juli 1919 vertraglich festgelegt, eine Lohnerhöhung blieb allerdings aus 28) . Die Auswirkung der Inflation spiegelt sich in der Lohnzahlung wider. Ein Stationsoberpfleger erhielt beispielsweise im August 1923 einen Barlohn von 27.336,00 Mark, Stationshilfen hingegen rund 58 Milliarden Mark 29) .

Ärzte und ärztliche Direktoren

Erster ärztlicher Direktor der Anstalt Sudenburg sollte Prof. Küssner werden. Küssner erkrankte jedoch und starb noch vor seinem Amtsantritt. Als erster leitete in Folge Prof. Unverricht die Sudenburger Anstalt von 1892 bis 1911. Später wurde Prof. Dr. Schreiber ärztlicher Direktor. Im Jahr 1929 ist Prof. Dr. Schreiber verstorben und die Stelle wurde an Prof. Dr. Ricker übergeben. Die Leitung der Medizinischen Klinik bekam Prof. Dr. Wichmann. Prof. Dr. Ricker musste seine Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen am 29. Oktober 1931 beenden. In Vertretung übernahm Prof. Wendel die Leitung. Eine Neuordnung sah vor, die Krankenhäuser Altstadt und Sudenburg unter eine Direktion zu stellen. Vor und während des ersten Weltkriegs gab es in Magdeburg einen Ärztemangel. Insbesondere die Arbeits- und Gehaltsbedingungen hielten Jungärzte davon ab, in Magdeburg tätig zu sein. Im Vergleich zu anderen Städten war die Bezahlung relativ niedrig 30) . Trotz eine Gehaltserhöhung änderte sich der Ärztemangel aufgrund des Ausbruchs des ersten Weltkriegs und dem damit einhergehenden Einzug der Ärzte kaum 31) . Die Bestrebungen auch Frauen als Ärzte einzustellen, waren bereits vorher verbal geäußert worden, jedoch wurden die Forderungen im Zuge des Kriegs lauter. 1913 wurde Anna Benecke als erste Assistenzärztin auf der Inneren Abteilung im Sudenburger Krankenhaus eingestellt 32) . Auf der genannten Station waren zuvor schon zwei Medizinialpraktikanntinnen tätig. Um 1920 wurde eine Hals-, Nasen-, Ohren-, Augenabteilung eingeführt. Dr. Ohnacker und Dr. Romeick übernahmen die Leitung. Zuvor boten sie neben ihrer Privatpraxis bereits Sprechstunden in der Anstalt an 33) . Die Lage während der Inflation war allerdings prekär und ein konstanter Ärztemangel führte zu Schließungen ganzer Abteilungen.

Arbeiterschaft

Aufgrund des industriellen Aufschwungs entstand in Magdeburg schnell eine große Arbeiterschaft. Die Urbanisierung und das rasante Bevölkerungswachstum in Magdeburg hatte zur Folge, dass ein Großteil der Bevölkerung, vor allem die große Arbeiterschaft, unter Wohnungsarmut litt. Generell war die Wohnungslage in Magdeburg demnach prekär und die Enge diente als Herd für den Ausbruch von Infektionskrankheiten. Viele Arbeiterviertel wurden in der Weimarer Republik errichtet und in Fabriknähe, beispielsweise im heutigen Buckau, wurden Kasernen für die Arbeiterschaft erbaut. Infolge der Inflation stiegen die Preise für wichtiger Güter und Leistungen. Auch die Krankenhaus- und Pflegekosten in der Sudenburger Krankenanstalt stiegen. Ein Aufenthalt in der Anstalt wurde so fast unmöglich für einen Arbeiter, weswegen die Zahlen der sich im Krankenhaus befindlichen Patienten stark sanken.

Frauen

Im Jahr 1911 wurde mit dem Bau der Frauenklinik angefangen. Die Abteilung konnte kurz vor Beginn des ersten Weltkriegs auch fertiggstellt werden. 1906 wurde in einem Diphterie-Pavillon erstmals eine gynäkologische Abteilung eröffnet. Beginnend am 31. Oktober 1921 wurden mehrmals im Jahr zweiwöchige Lehrkurse für praktizierende Ärzte über Geburtshilfe und Frauenheilkunde angeboten. Viele Erweiterungspläne der Frauenklinik scheiterten an finanziellen Mitteln. Die Abteilung war überbelegt und zeitweise mussten Betten in den Pavillon 5 verlegt werden. Die Krankenhausverwaltung lag unterdessen Pläne zum Neubau der Anstalt vor und wurde dabei durch Oberbürgermeister Beims, Stadtmedizinalrat Dr. Konitzer und dem Stadtverordneten Goldschmidt unterstützt. Im März 1928 war die Erweiterung des Ostflügels der Frauenklinik abgeschlossen und die Kapazitäten konnten so deutlich erweitert werden. Die aseptisch-gynäkologische Station umfasste nun 57 Betten, die aseptisch-geburtshilfliche Abteilung 47 und die septische Abteilung 65 Betten. Hinzukamen ein Säuglingszimmer, ein Kreissaal, ein Operationssaal, Tagesräume und eine Veranda. Der Bettbedarf konnte weitestgehend gedeckt werden und die Patientinnen, die zeitweilig im Pavillon 5 unterkamen, wurden wieder in die Frauenklinik verlegt. Später wurde außerdem ein Kinderzimmer hinzugefügt. Die Frauenklinik galt nach den Umbauten als eine der renommiertesten in der Umgebung.

Psychisch Kranke

Die Errichtung des „Irrenpavillons“ im Jahre 1891 markiert den Beginn des Sudenburger Krankenhauses 34) . Anfänglich waren in der Krankenanstalt Sudenburg 100 sogenannte Geisteskranke untergebracht, sowie weitere 240 innere Kranke. Später wurden die Geisteskranken auf Grundlage des Gesetzes über die Armenlast in die Landesheilanstalten verlegt 35) . Ansonsten waren die psychiatrischen Abteilungen im Sudenburger Krankenhaus relativ klein und dienten primär zur Überbrückung der Verlegung in Provinzialirrenanstalten. Besonders in Folge des Krieges kam es vermehrt zu psychischen Krankheiten in der Bevölkerung. Später wurde die Abteilung für psychisch Kranke der Inneren Klinik angeschlossen. Im Jahr 1929 wurde die Nervenklinik unter den Direktor Prof. Dr. Pette gestellt. Die Nervenklinik umfasste eine neurologische Männer- und Frauenstation sowie psychiatrische Männer- und Frauenabteilungen. Kinder, die unter psychiatrisch zu behandelnden Erkrankungen litten, wurden auf der Kinderklinik des Altstadtkrankenhauses behandelt. Kinder, die logopädische Probleme hatten, konnten an den wöchentlichen Beratungsstunden durch den leitenden Oberarzt der Ohrenklinik im Sudenburger Krankenhaus teilnehmen. Erwachsene Menschen wurden in der Nervenklinik des Sudenburger Krankenhauses behandelt 36) .

Prostituierte und Geschlechtskranke

Aufgrund der Größe der Stadt Magdeburg und der Populationsdichte waren Geschlechtskrankheiten immer sehr präsent. Besonders nach dem ersten Weltkrieg stieg die Zahl der Erkrankten: Im Jahr 1913 waren ca. 1072 Personen wegen Geschlechtskrankheiten in Behandlung, 1927 waren es bereits 1668. 37) . Eine eigene Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten war schon lange im Gespräch und konnte letztendlich im Jahr 1920 fertiggestellt werden. Aufgrund der finanziellen Krise der Stadt handelte es sich bei der Klinik allerdings nur um ein Provisorium, was sich wieder auf den anhaltenden Raummangel im Sudenburger Krankenhaus zurückführen lässt. Vor allem wurde kritisiert, dass es keine Gartenanlage für die Patienten*innen gab. Insbesondere bei Prostituierten, die bislang in der Inneren Klinik behandelt worden, kam es im Garten des Öfteren zu Zwischenfällen. Ein eigener abgegrenzter Garten für die Prostituierten sollte die Lösung darstellen. Weiterhin fehlte eine Isolierungsmöglichkeit, was sich besonders bei schnell übertragbaren Krankheiten als problematisch erwies. Schlussendlich plädierte man für einen Neubau der Klinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten um den Anforderungen gerecht zu werden. Der Neubau wurde allerdings erst im Jahr 1931 fertiggestellt. Am 1. Oktober 1927 gab es mit dem Erlass des Reichsgesetz zur Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten zu einigen Änderungen im Sudenburger Krankenhaus. Die Überwachung von Geschlechtskrankheiten wurde an das städtische Gesundheitsamt übertragen. Die in der Weinfaßstraße 9 angesiedelte Abteilung des Gesundheitsamt bot gegenüber der Hautklinik in der Sudenburger Anstalt diverse Vorteile, wie getrennte Behandlung von Männern und Frauen und Beratungszimmer. Darüber hinaus wurden Frauen, die der Prostitution nachgingen, hier ein- bis zweimal wöchentlich untersucht und, wenn möglich, ambulant behandelt. Sofern eine ansteckende Krankheit diagnostiziert wurde, wurden die Frauen stationär im Sudenburger Krankenhaus aufgenommen. Patienten*innen von denen eine Ansteckungsgefahr ausging, wurden generell stationär behandelt. Hierbei kam es manchmal zu einer Verweigerung seitens der kranken Person, weshalb die Polizei unterstützen musste. Generell spielte die Polizei bei Prostituierten eine große Rolle: Strikte Kontrollen in Lokalen und die Vermeidung von illegaler Prostitution zur Eindämmung der Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten war eine Aufgabe der Polizei 38) .

Körperlich beeinträchtigte Menschen

Im Jahr 1920 wurde die sogenannte “Krüppelfürsorgestelle” als Konsequenz eines im Mai desselben Jahres veröffentlichten Gesetz in Magdeburg errichtet. Die Fürsorge konzentrierte sich dabei auf Menschen, insbesondere Kinder, die beispielsweise an Rachitis, Gelenktuberkulose oder Kinderlähmung erkrankten und durch eine Behandlung weitestgehend geheilt werden konnten. Sofern eine ambulante Therapie möglich war, wurde diese in der sogenannten Krüppelfürsorgestelle durchgeführt. Bei stationärer Behandlung wurden das Altstadtkrankenhaus und das Sudenburger Krankenhaus genutzt, wobei Kontrollen und die Nachbehandlung wieder von der Krüppelfürsorgestelle übernommen wurden. Zur rechtzeitigen Diagnose von Krankheiten die orthopädische Folgen mit sich zogen, untersuchte unter anderem der Schularzt die Kinder auf solche, um eine Therapie im möglichst jungen Alter zu beginnen 39) .

Bedeutende Persönlichkeiten im Gesundheitswesen in Magdeburg

Dr. med. Paul Ignatz Konitzer (1894-1947)

Dr. med. Paul Ignatz Konitzer (1894-1947) Im Januar 1926 wurde Dr. med. Paul Ignatz Konitzer im Stadtrat und Stadt-Medizinalrat in Magdeburg tätig. In Magdeburg prägte er das Gesundheitswesen maßgeblich auf kommunalpolitischer Ebene. Er war Mitglied des Gesundheitsausschusses und des Gutachterausschusses für das öffentliche Krankenhauswesen. Konitzer war zudem seit 1926 leitender Fürsorgearzt in Magdeburg 40) . Während seiner Tätigkeit in Magdeburg erreichte Konitzer, dass Schul- und Fürsorgeärzte in Magdeburg eingestellt werden, wovon vor allem die Kinder und Jugendmedizin profitierten. Ebenso setzte er sich für die Säuglingsmedizin und die Bekämpfung von Tuberkulose ein. Im Jahr 1928 führte er die „Magdeburger Gesundheitswochen“ ein und brachte die deutsche Hygiene-Ausstellung nach Magdeburg 41) . Während seiner Amtszeit erfolgte außerdem die Errichtung des Chirurgischen Pavillons und der Hautklinik. Außerdem organisierte er eine „Gesundheitsdeputations“ aus Magistratsmitgliedern, Stadtverordneten und Bürgern, die sich mit der Wohnungs-, Gewerbe- und Unfallhygiene beschäftigten. Zudem wurden kostenlose Beratungsstellen für verschiedenste medizinische Tätigkeitsfelder ins Leben gerufen, darunter Sprachstörungs-, Schwerhörigen-, Alkoholiker-, Sexual- und Eheberatungsstellen. In seiner Monographie betont Konitzer die Wichtigkeit der persönlichen, allgemeinen und sozialen Hygiene, die durch Individuen, aber auch durch größere Instanzen wie der Politik sorgfältig umgesetzt werden müssen, um die Gesundheit in Magdeburg zu steigern. Dabei konzentriert er sich darauf, dass verschiedenste Bereiche, wie Gesundheitsämter, kommunalpolitische Einrichtungen und Krankenhäuser zusammenarbeiten müssen, um eine ausreichende Versorgung und Fürsorge für die Magdeburger gewährleisten zu können. In diesem Zuge kritisiert er auch den engen Wohnungsbau in Magdeburg, der den Ausbruch von Infektionskrankheiten verschnellert und fordert die Umsetzung allgemeiner hygienischer Standards bei dem Hausbau.42) . Konitzer prägte das Gesundheitswesen in Magdeburg seinerzeit maßgeblich, machte auf Probleme aufmerksam, kommunizierte zwischen den verschiedenen Bereichen und etablierte viele medizinische Innovationen. Seine Karriere in Magdeburg endete im Jahr 1933 durch die Vertreibung durch Nationalsozialisten, er war jedoch in Dresden weiterhin im medizinischen Bereich tätig.

Hermann Beims (1863-1931)

483px-beimshermann.jpgHermann Beims (1863-1931) Hermann Beims war ab 1919 Oberbürgermeister der Stadt Magdeburg. Unter ihm wurden viele Reformen, die unter anderem die Infrastruktur und die Wohnungslage betrafen, durchgeführt.43) . Auch im Gesundheitswesen in Magdeburg war Beims bemüht, sozialdemokratische Erneuerungen umzusetzen. Hermann Beims wurde am 26.04.1863 in Haverlah, Kreis Goslar geboren. Er war Sohn eines Webers und besuchte 1878 – 1881 die Volksschule in Goslar. Nach seinem Abschluss war er zunächst Tischler und trat 1887 in die SPD ein. Im Jahre 1896 gab es seinen Beruf auf und arbeitete als Rendant und Hilfskraft. Beim betriebt Hermann Beims zwischen 1899 und 1902 ein Gartenrestaurant in Osterode am Harz. 1902 siedelte er nach Magdeburg über und war dort als Arbeitssekretär tätig. Darauffolgend arbeitete er als Sekretär des SPD Bezirksverbandes und gehörte zu der Stadtverordnetenversammlung in Magdeburg an. 1917 wurde Beims erster sozialdemokratischer Stadtrat und am 24.04.1919 zum Oberbürgermeister in Magdeburg gewählt. Sein Amt behielt er bis 1931. In seiner Amtszeit entstanden moderne Wohnviertel in den Vorstädten (u.a. Beimssiedlung in Stadtfeld West). Darüber hinaus ließ er das Ausstellungszentrum im Rothenhornpark und die Magdeburger Stadthalle erbauen. Beims strebte zudem den Ausbau Magdeburgs zur Hauptstadt Mitteldeutschland an. Sein Wunsch und Ziel war es, dass Magdeburg den Ruf als ein Zentrum des „Neuen Bauwillens“, „Neuen Gestaltens“ , „Neuen Lernens“ prägen sollte. Dadurch sollte Magdeburg eine Besserstellung der Region werden. Zusätzlich war Beims zwischen 1919 – 1920 Mitglied der Weimarer Nationalversammlung und wurde im Anschluss mehrmals in den Reichstag gewählt. Zeitweise war er zudem Abgeordneter des Provinzialsächsischen Landtags. Hermann Beims verstarb am 20.12.1931 in Magdeburg.44)

Ernst Reuter (1889-1953)

www.berlin.de.jpegErnst Reuter (1889-1953) Ernst Reuter wurde als Sohn eines Lehrers am 29.07.1889 in Apenrade, heute Aabenrass (Dänemark) geboren. Er absolvierte sein Abitur 1907 am Gymnasium in Leer (Ostfriesland) und studierte im Anschluss Philosophie und Sozialwissenschaft in Marburg. 1909 wechselte er zur Universität München und setzte dort sein Studium fort. In München kam er zudem das erste Mal mit dem Sozialismus in Berührung. Im Herbst 1910 kehrte Reute nach Marburg zurück und beendete dort sein Studium mit dem Staatsexamen. Im Anschluss arbeitete er als Privatlehrer in Bielefeld und schloss sich dort der SPD an. Kurz darauf bekam er eine Anstellung bei dem Zentralen Bildungsausschuss in Berlin und schloss sich dem Parteivorstand der SPD an. Reuter engagierte sich als Pazifist und gründete den Friedensbund „Neues Vaterland“. Zudem verfasste er zahlreiche Antikriegsschriften. Als Reaktion darauf wurde er 1916 in der kaiserliche Armee eingezogen. Dort war Reuter als Feldjäger an der Ostfront tätig. Im Krieg verwundete er sich schwer und geriet im Anschluss in russische Gefangenschaft. In dem Gefangenenlager lernte er russisch und schloss sich im Zuge der Februarrevolution den Bolschewiki an. 1917 wurde Reuter von Lenin zum Volkskommissar der Wolgadeutschen Republik ernannt. Bereits 1918 kehrte er jedoch nach Deutschland zurück um der KPD beizutreten. 1920 wurde Reuter zudem erster Sekretär der Stadtorganisation Berlin. Im Januar 1922 wurde Ernst Reuter von der KPD ausgeschlossen und kehrte im selben Jahr in die SPD zurück. Dort war er zeitweise Redakteur bei der SPD – Zeitung „Vorwärts“. 1926 übernahm er im Berliner Magistrat das Verkehrsressort. Von 1931 bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten war Reuter Oberbürgermeister in Magdeburg und gehörte der SPD – Fraktion im Reichstag an. Im November 1946 kehrte Reute nach Berlin zurück und übernahm im Magistrat das Amt des Verkehrsdezernenten. Ein Jahr später, im Juni 1947, wurde durch das sowjetische Veto verhindert, dass Reuter das Amt des Oberbürgermeisters in Berlin antreten konnte. Er spielte jedoch unter der Oberbürgermeisterin Luise Schröder eine zentrale Rolle. Ernst Reuter prägte weiterhin die Berliner Nachkriegspolitik. Er verstarb am 29.09.1953 infolge eines Herzanfalls in Berlin.45)

Bruno Taut (1880-1938)

ブルーノ・タウト.jpgBruno Taut (1880-1938) Bruno Taut wurde am 04.05.1880 in Königsberg geboren. Dort absolvierte er die Bauwerkschule und arbeitete ab 1903 bei Bruno Möhring Architekturbüro in Berlin. Zwischen 1904 und 1908 war er Mitarbeiter im Büro von Theodor Fischer in Stuttgart und kehrte im Anschluss wieder nach Berlin zurück. In Berlin machte er sich selbstständig und verfasste parallel dazu zahlreiche Schriften und Artikel. 1910 trat Taut dem Deutschen Werkbund ein und präsentierte 1914 auf der Werkbund – Ausstellung in Köln seinen Pavillon der Glasindustrie, das Glashaus. Während des Krieges arbeitete Bruno Taut bei einer Pulverfabrik um nicht in die Armee eingezogen zu werden. Zu dieser Zeit verfasste Taut Antikriegsmanifeste und ließ 1919 seine beiden Bücher „Die Stadtkrone“ und „Alpine Architektur“ publizieren. Kurz darauf entwarf er die Folkwangschule in Hagen, die aber nie gebaut wurde. 1921 wurde Bruno Taut von Hermann Beims zum Stadtbaurat in Magdeburg berufen. Dort entwickelte er einen Generalsiedlungsplan für Magdeburg.46) Ab 1924 arbeitet er wieder in Berlin für die Wohnbaugesellschaft GEHAG und konzipiert zahlreiche Siedlungsbauten unter anderem beteiligte er sich an den Projekten der Hufeisensiedlung, der Freien Scholle und Onkel Toms Hütte in Berlin. Zudem erscheint 1924 sein Buch „Die neue Wohnung. Die Frau als Schöpferin“. 1930 erfolgt seine Berufung an die Technische Hochschule Charlottenburg. Ein Jahr später wurde Taut Mitglied der Preußischen Akademie der Künste. 1932 siedelte Bruno Taut nach Moskau über und nahm einen Hotelbauwettbewerb teil. Bereits 1933 ließ er sich doch in Japan nieder und beschränkte sich nur noch auf das Verfassen von Schriften und Vorträgen und das Entwerfen von Plänen. 1936 ereilte Taut den Ruf an die Akademie der Künste in Istanbul. In Istanbul war er als Lehrer tätig und baute parallel einige Schulen und Universitäten. Bruno Taut verstarb am 24.12.1938 an seinen Asthmaleiden in Istanbul.47)

Johannes Göderitz (1988-1978)

johannes-goederitz-01_web.jpgJohannes Göderitz (1988-1978) Johannes Göderitz wurde am 24.05.1988 in Ramsin als Sohn eines Bergwerkdirektors geboren. Zwischen 1899 und 1908 besuchte er das Gymnasium in Halle und Wittenberg. Im Anschluss darauf studierte Göderitz an der Technischen Hochschule Charlottenburg Architektur. Während seines Studiums war er zudem Privatschüler an der Schule Formkunst August Enden in Berlin. Zusätzlich zum Studium absolvierte Göderitz eine Ausbildung zum Regierungsbaumeister in der Preußischen Bauverwaltung. Von 1914 bis 1918 wurde er zum Kriegsdienst einberufen und verwundete an der Westfront. Nach Kriegsende arbeitete Göderitz zunächst als Regierungsbaumeister beim Oberpräsidium in Berlin. 1921 war es Assistent des Stadtbaurats von Bruno Taut in Magdeburg und übernahm 1923 dessen kommissarische Leitung. Bereits 1924 entstand an der Großen Diesdorferstraße in Magdeburg die Hermann Beimssiedlung . Diese Siedlung war der erste große Siedlungskomplex. 1927 wurde Göderitz als Stadtbaurat gewählt und stand an der Spitze der kommunalen Hochbauverwaltung. Er verantwortete dabei die Stadtplanung, Stadterweiterung und lenkte Bauplanungen z.B. von Volksbädern, Geschäftshäuser, Industrieanlagen, Ausstellungsgebäuden, gemeinnützigen Wohnsiedlungen, Generalsiedlungsplan mit detaillierte Grün – und Nutzflächen. Darüber hinaus verfasste Göderitz Texte für die Magdeburger Zeitschrift „Das Stichwort. Magdeburger Blätter für Bühne, Musik und gestaltende Arbeit“. 1933 wurde er jedoch von den Nationalsozialisten enthoben und war seitdem als freier Architekt in Magdeburg tätig. 1936 arbeitete er dann in Berlin in die Geschäftsführung der Deutschen Akademie für Städtebau, Reichs – und Landesplanung. Dort half er den Wiederaufbau kriegszerstörter Städte vorzubereiten. 1945 wurde Göderitz in Braunschweig Stadtbaurat und lehrte an der Technischen Hochschule in unterschiedlichen Positionen der Landesplanung, Städtebau und Wohnungswesen.48) Zwischen 1960 bis 1962 war er Direktor des Instituts für Städtebau und Wohnungswesen der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung an der Technischen Hochschule München. Von 1960 bis einschließlich 1968/70 war zudem Lehrbeauftragter für Raumordnung und Landesplanung an der Technischen Hochschule Braunschweig. Während seiner Braunschweiger Jahre entwickelte sich Göderitz vom verbeamteten Stadtbaurat zu einem anerkanntem Stadtbautheoretiker und Wissenschaftler. Er erhielte im Verlauf seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen unter anderem die Ehrendoktorwürde der TU Berlin (1953), die Cornelius – Gurlitt Plakette der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (1956) und die goldene Medaille der Stadt Braunschweig (1958). Johannes Göderitz zählt zu einen der bedeutesten Architekten, Städtebauer und Hochschullehrern im 20. Jahrhundert.49) Er verstarb am 27.03.1978 in Braunlage.

Das Sudenburger Krankenhaus heute

lageplanuniklinikum.jpgLageplan des Uniklinikums Im Jahr 1954 wurde die Medizinische Akademie auf dem Gelände des Krankenhauses ins Leben gerufen. Zuvor, im Jahr 1948, wurde die Sudenburger Krankenhaus-Anstalt umbenannt zum Gustav-Ricker-Krankenhaus. Auf dem Gelände wurde seit der Gründung der Akademie behandelt, geforscht, gelernt und gelehrt. Mit dem Zusammenschluss der Universität im Jahr 1993 wurde die Medizinische Akademie zur Medizinischen Fakultät der Otto-von-Guericke Universität. Trotz der vielen Veränderungen, die die Geschichte des Krankenhauses prägen, sind auf dem heutigen Campus noch Gebäude und Strukturen aus der Zeit der Weimarer Republik erhalten. Das damalige Badehaus mit der Hausnummer 6 ist heute noch auf dem Gelände des Uniklinikums erhalten. Dort befindet sich heute die universitäre Apotheke. Ebenso ist im Haus 9 damals wie heute die Hals-Nasen-Ohren-Abteilung angesiedelt. Das Gebäude wurde allerdings nach hinten hin erweitert. Die Pavillons 1, 2, und 3 gibt es ebenfalls heute noch. Auch die Nummern stimmen mit den heutigen Hausnummern überein. Auch das Haus 4, in dem sich 1928 die gynäkologische Abteilung befand, ist noch vorhanden. Teile des Gebäudes wurden allerdings während des Krieges zerstört. In dem einstigen Schwesternhaus mit der Hausnummer 18 befindet sich heute das universitäre Dekanat. Die Epidemie-Baracke und die Seuchen-Baracke sind heute nicht mehr vorhanden. Das Verwaltungsgebäude von 1928 wurde während des Krieges stark zerstört.

1)
Kilz, Helga. 1965. “Die Entwicklung Des Sudenburger Krankenhauses Bis 1933 Und Seine Medizinisch-Wissenschaftliche Bedeutung.” Dissertation, Institut für Sozialhygiene der Medizinischen Akademie, Medizinische Akademie zu Magdeburg.
2)
Kettner, Astrid. 1966. “Die Entwicklung Des Sudenburger Krankenhauses in der Zeit von 1933 bis1945.” Inaugural-Dissertation, Institut für Sozialhygiene der Medizinischen Akademie, Medizinische Akademie zu Magdeburg.
3)
Kettner, 1966. S. 5.
4)
Brinkschulte, Eva, ed. 2017. Zweihundert Jahre Krankenhausgeschichte(N): Vom Städtischen Krankenhaus Altstadt Zum Klinikum Magdeburg. With the assistance of L. Trümper. 2. Auflage. Magdeburg S. 132.
5)
Kettner, 1966. S. 18
6)
Brinkschulte, 2017. S. 132
7)
Kettner, 1966. S. 6
8)
Brinkschulte, 2017. S. 134
10) , 41)
_FCKG_BLANK_TD_
11)
Sturm, Reinhard. „Vom Kaiserreich zur Republik 1918/19“, Bundeszentrale für politische Bildung, 23.12.2011, https://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/weimarer-republik/275834/1918-19-vom-kaiserreich-zur-republik
12)
Scriba, Arnulf. „Die Weimarer Republik“, Lebendiges Museum online, 06.09.2014, https://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik
14)
Lindner, Ulrike 2003. „Chronische Gesundheitsprobleme“. Das deutsche Gesundheitssystem vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik. In: Bundeszentrale politische Bildung (Hg), Aus Politik und Zeitgeschichte, S. 21ff.
15)
Michel, Brigitte 2006. Gesundheitsförderung und Prävention im Alter, Eine Diskursanalyse vom Beginn des 19. Jh. bis in die Gegenwart, S. 56ff.
16)
Helga Kilz. 1965. “Die Entwicklung Des Sudenburger Krankenhauses Bis 1933 Und Seine Medizinisch-Wissenschaftliche Bedeutung.” Dissertation, Institut für Sozialhygiene der Medizinischen Akademie, Medizinische Akademie zu Magdeburg. S. 23
17)
Dr. Konitzer, ed. 1928. Das Gesundheitswesen Der Stadt Magdeburg Nebst Sonderbeiträgen. Düsseldorf: Rhenania Verlag Th.P.Braun. S. 9
18)
Konitzer, 1928. S. 13
19)
Konitzer, 1928. S. 9
20)
Brinkschulte, 2017. S. 115
21)
Brinkschulte, 2017. S. 119
22)
Berkemann, Karin. “Trotz Schutz: Abriss Im Land Der Moderne.” moderneREGIONAL, August 28, 2015. https://www.moderne-regional.de/magdeburg-hautklinik-abriss-im-land-der-moderne/
23)
Rie, Martin. “Denkmal Kann Abgerissen Werden.” Volksstimme.de. Volksstimme, July 18, 2018. https://www.volksstimme.de/lokal/magdeburg/uniklinik-magdeburg-denkmal-kann-abgerissen-werden
24)
Buchners Kolleg Geschichte / Ausgabe Niedersachsen: [Unterrichtswerk Für Die Gymnasiale Oberstufe]N2018. 1. Auflage, 1. Druck. S. 369
25)
Büttner, Ursula. 2008. Weimar: Die überforderte Republik 1918 - 1933 ; Leistung und Versagen in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur. Stuttgart: Klett-Cotta. S. 217
26)
Buchners Kolleg Geschichte, 2018. S. 366
27)
Dr. Konitzer, 1928. S. 77
28)
Kilz, 1965. S. 24
29) , 30) , 34) , 40)
31)
Brinkschulte, 2017. S. 75
32)
Brinkschulte, 2017. S. 76
33)
Kilz, 1965. S. 25
35)
Kilz, 1965. S. 50
36)
Konitzer, 1928. S. 77
37)
Konitzer, 1928. S. 65
38)
Konitzer, 1928. S. 66
39)
Konitzer, 1928. S. 68
43)
Heinz, Tina. “Reformstadt Der Moderne.” Reformstadt der Moderne - Magdeburg Kompakt. Magdeburg Kompakt , March 3, 2019. https://www.magdeburg-kompakt.de/index.php/kompaktspezial_reader/reformstadt-der-moderne.html
44)
Wille, Mafred. „Beims, Herrmanm“, Stadtarchiv Magdeburg: Archivalien und Dokumente, 2020, http://www15.ovgu.de/mbl/Biografien/0640.htm
46)
Einsfelder, Thomas. „Bruno Taut“, Sachsen - Anhalt - Tourismus, 2020, https://sachsen-anhalt-tourismus.de/kultur/das-bauhaus/personen/bruno-taut
47)
Fehr, Michael. „Bruno Taut“, Museum der Dinge, 2020, https://www.museumderdinge.de/deutscher-werkbund/protagonisten/bruno-taut
48)
Hildebrandt, Ines. „Göderitz, Johannes Gustav Ludwig“,2020, http://www15.ovgu.de/mbl/Biografien/1548.htm
49)
Gisbertz, Olaf. „Johannes Göderitz“. Johannes - Göderitz - Stiftung, 2020, http://www.johannes-goederitz-stiftung.de/?page_id=2137
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